Elbspitze 2012 - Berichte

Die Elbspitze 2012 ist Geschichte

Wir haben gemeinsam die Bergwertungen gemeistert und dem Wetter getrotzt, 11 von 26 Startern haben letztendlich das Ziel am Melchboden erreicht. Wir danken unseren Helfern und Sponsoren, die einmal mehr mit ihrer Leidenschaft für den Radsport uns ein einmaliges Erlebnis bereitet haben und freuen uns schon jetzt auf die Elbspitze 2013!

Folgende Fahrer haben das Ziel am Melchboden erreicht:

NamePlatzierungStartnummerUhrzeitBergpunkteRote Punkte
Sirko (Gelb) 1 2 17:18:00 73 20
Sten (HC) 2 1 17:18:00 118 13
Lars 3 38 17:26:00 4 1
Robert P. (Rot) 4 7 17:39:00 17 41
Herr Scott (Blau) 5 39 17:41:00 0 0
Alex S. 6 10 17:43:00 7 1
Jens K. 7 11 17:43:00 5 0
Marcel 8 37 17:45:00 2 2
Thomas Rex 9 30 17:48:00 36 4
Rene  10 4 17:55:00 26 2
Stephan M. (Weiß) 11 36 18:00:00 12 1

Erlebnisberichte

Jens

Sirko

Robert

Herr Scott

Steffen

Sten

Sylvi (Betreuerin)

Thomas

   

Start an der Frauenkirchen

 

Die Gewinner der Wertungstrikots

Elbspitze 2012 (Jens)

es regnete schon 3 uhr beim aufstehen und hörte auch bis zum start nicht auf, aber wenigstens kam das nass nur von unten. 2012 also der erste nasse elbspitze-start. wir planten vorsorglich um, der große bus sollte bereits in passau erste schwerstverletzte aufnehmen. alle 26 fahrer waren am start und es rollte straffer als 2011 auf gleichem weg über goppeln und die "b" übers pöbeltal. es hatte aufgehört zu regnen, aber der nebel nahm zu und warm war es auch nicht gerade.

Ich kam ca. als 8/9er oben an und sirko begrüßte mich mit "mann, du bist ja kein bergklops mehr!" naja. vielleicht würde sich das ja noch rächen, aber es rollte auch verdammt gut.

Das osek gesperrt war, gings hrob runter. die straßen stets nass, wasser vermehrt von unten. zeitweise nieselregen von oben. bis zur ersten pause bei km150 war die nässe noch unser größtes problem, aber danach machte uns der westwind zu schaffen, der teilweise das feld so zerpflückte, dass auch unser erstmals eingesetzter teamfunk das feld nicht mehr beisammen halten konnte. die wellen wurden hochgedrückt, die maßgabe 270 watt vernachlässigt. die rot-anwärter waren heiß. da lag es klar auf der hand, dass erste opfer folgten. björn, der das 1.hj unschlagbar war (ich erinnere mich noch leidend an die brockentour!) stieg bei km 150 aus, er war noch nicht 100%ig genesen, andrea folgte kurz darauf.

Heimlich hatte ich meinen plan, mal in plasy anzugreifen. ich fühlte mich jedoch schlecht, hatte mein erstes tief, wusste aber damit umzugehen. trotzdem rammelte ich in plasy rein, sten und robert folgten. sie hatten sich auch schon die bw moldava geteilt. nach 30m plautzte es bei mir, die beiden zogen vorbei, jedoch hatte ich dafür gesorgt, dass sirko und rene den anschluss verloren hatten. ich blieb aber irgendwie dran und kam als 5. oben an. naja irgendwie fühlte ich mich nach solchen streichen immer wieder fit, denn im feld herumrollern bei puls 100 macht schläfrig.
 

Nun kam unsere schlimmster feind bis zum böhmerwald. westwind vom feinsten, rad in 70grad schräglage, wie oben schon beschrieben...der blanke hass, kein windschatten zu erhaschen. die motivation konnte nicht schlimmer sein, da fuhren wir auch noch einen 10km-sinnlos-umweg in klatovy.würg.

Bergwertung böhmerwald stand an. die straßen nass, die sonne kam erstmals länger als 5 sekunden raus. es wurde wieder hochgerammelt und keiner fragte mehr, wer erster war. die antwort sollte bald stets "sten" lauten.
 

Die pause in bayrisch eisenstein in der wärmenden sonne, nasse klamotten wurden getrocknet oder gewechselt.

Es gab einen weiteren aussteiger. die aufnahmekapazitäten in den autos waren erschöpft. wer wollte denn noch aussteigen nach andre krämer? ICH . die oberschenkelkrämpfe setzten erstmals im böhmerwald ein, der anstieg war aber gut im sitzen zu fahren, auch in der ebene war ohne probleme druck möglich. bis passau, weitere 90km, sollte ich noch kommen, 270km waren schon absolviert.

Nun folgende das sahnestück aller ES routen. erst musste noch solla überwunden werden und dort war für mich endstation passau klar. die 13-14% konnte ich nicht mehr im stehen fahren, im sitzen zeichneten sich erste krämpfe ab. dafür wurde ich danach neben trockenen straßen, nordwind mit meinem metier, dem welligen terrain und sonne satt belohnt. es wurde in zeitfahrmanier gewechselt. mit dem wissen in passau auszusteigen, verschoss ich meine letzten körner im wind.
 

In passau stieg ich aus, keiner wollte es glauben, aber mit den beinen wäre ich weder rossfeld noch melchboden hoch gekommen. man soll aufhören, wenns am schönsten ist. die einfahrt nach passau mit sonne und abendstimmung verschaffte mir dieses gefühl. ich stieg ohne schlechtes gewissen vom rad, denn wenn es nicht 100%ig passt, dann kann man nichts erzwingen und robert meinte nur: "lieber würdevoll aussteigen, als sich irgendetws einzuwerfen!" mike folgte meinem gang, er hatte knieschmerzen, die ihn auch schon seit dem böhmerwald plagten.

Nun kann ich nur von der cervezza gruppe schreiben, die anderen machten sich richtung berchtesgaden oer rad auf, wir nahmen den bus, waren gegen null uhr da und schliefen bis 5uhr durch. es regnete unaufhörlich und die gedanken waren immer bei den harten kerlen.
 

Wir wachten dann irgendwann gegen 6uhr auf, der traf alex ein. er war auch ausgestiegen, er hatte den kampf gegen den wind verloren, wollte er doch das rote trikot holen. starke leistung alex. die anderen fuhren im regen, nebel und bei 7 grad alle das rossfeld.

Die pause war nun im bus wärmer als 2011 am thiersee, jedoch setzte starker regen ein und hielt an.

folgende hirngespinste waren zu hören: "abbruch, rossfeld zum zweiten als finale, kitzbühler horn als alternative, alte adolfstraße zum kehlstein etc." am ende blieb alles beim alten, es folgten 12 leute sirkos schlachtruf. enno, klunschi, christ ian, bergfex, hubertus, marcel und rainmar. (angaben ohne gewähr!)


 

ich stieg in ein begleitfahrzeug um und wir folgten wenig später der gruppe. es fing an zu regnen und aus der ferne konnten wir einen stau ausmachen. da waren sie schon überm schwarbzbachsattel drüber, mitten in österreich. hier strichen nun auch jochen und walter die segel. auch thomas musste wegen knieprobleme aufhören. nun waren es noch 10 mann. diese ließen nun aufgrund der wetterlage pass thurn aus, fuhren über zell am see etwas flacher nach mittersill. pause und weiter gings bei gleichen wetterbedingungen.


 

gerlos holte sich nun auch noch sten, 10 min vorsprung. für ihn war das ding gelaufen. bergtrikot sicher, er konnte ruhig machen und machte es auch, denn er kam als zweiter am melchboden an,nach sirko. lars weinhold mit top leistung dritter, immer gut gelaunt bei jeder wetterlage. hut ab. lars, mein repeskt!


 

robert als vierter holte sich das rote trikot und was micht wahnsinnig freut. das grand master holte sich axel, mein bester postbote! hut ab. am ende siegt immer der wille!


 

weitere finisher, eh beender sind rene eschler, jens köppel, thomas rex und alex steiner. das weißte trikot holte stephan mesow. mit ihm hatte keiner gerechnet...super sache!


 

so das wars von mir. andere leidensgeschichten werden folgen.


 

Elbspitze 2012 (Sirko)

Vorsorglich entschieden wir uns, die vierte Elbspitze in den Hochsommer zu legen, um die Chancen eine trockenen Tour zu maximieren. Das die wechselhafte Großwetterlage tatsächlich bis Mitte Juli durchhielt und unsere Hoffnungen zerschlagen könnte, das dämmerte mir schon einer Woche vor dem Start. Innerlich waren viele Teilnehmer darauf eingestellt. Ich selbst fragte meinen Pa nach seiner Regenjacke, weil das meine "Finisherchance erheblich steigern" würde, wie ich ihm begründete. Selber besitze ich keine Regenjacke, denn zu Zeiten des Regenradar tue ich mir keinen Regen an - das ist für mich ein einfaches Prinzip.

Regen, kühle Temperaturen, eigentlich sollte mir das doch ziemlich entgegen kommen. Die richtige Ernährung während der Tour ist dann zwar ein besonders wichtiges Thema dann, aber kopfmäßig schätze ich mich stark ein, und je kälter desto besser. In der dritten und zweiten Woche vor der Elbspitze hatte es mich bei den langen Wochenendtouren um die 30° noch zuverlässig am Mückentürmchen aus den Latschen gekippt. Das hat mir auch mental zugesetzt. Alleine die letzte Tour 6 Tage vor Start mit Robert gab mir Selbstbewusstsein, aber da waren ja auch nur 18°C in Teplice.

Überhaupt war eine perfekte Vorbereitung keine Selbstverständlichkeit für mich. Lange schon stand fest, dass ich nach einem zweiwöchigen Wanderurlaub mit meiner Freundin ja nur noch 3 Wochen haben würde, um den Motor irgendwie wieder zu starten. Ich nahm die Skikes mit und fuhr insgesamt nur 4 mal einen 300 Hm-Anstieg auf Anschlag hoch, außerdem noch 800 Hm auf Anschlag wandern. Grundlagentraining sieht anders aus. Aber irgendwie hatte ich Zuversicht, dass das gut war, und dass ich das mangelnde Ausdauertraining nach dem Urlaub noch aufholen könnte. Es folgten sehr intensive lange Radtouren an den Wochenenden und viele trainingsfreie Tage, Hauptsache nicht krank werden.

Was auch immer kommen würde, die Elbspitze hatte sich schon jetzt für mich gelohnt. Ich zählte 3 richtig gute Aktionen, die ich ohne die Leidenschaft für die Langstrecke und die gezielte Vorbereitung der Elbspitze so nicht gemacht hätte. Die Skitour mit Alex, Riesengebirge mit Robert und die Skikeetappentour mit meiner Freundin. Alle drei Dinge hatten etwas gemeinsam: Es ging nur ums finishen, und man teilt mit einem wichtigen Menschen dieses Erlebnis. Das wünscht man sich auch immer für die Elbspitze, gemeinsam zu finishen. Genau darum ging es (mir) auch, als wir in großer Gruppe über den Gerlos rollten. Wir waren die Finishergruppe, 11 Mann die irgendwie seit km 570 zusammengehörten, die eine innere Einstellung teilten, wo sich die Starken effektiv für die Schwachen einsetzen. Ich empfand das als unser letztes gemeinsame Schaulaufen, und als wir von unseren vielen großartigen Fans bejubelt worden, da war ich mir sicher, dass es gut so war.

Das war nicht immer der Geist, den das Elbspitzprojekt versprühte. Die Vorbereitungstouren empfand ich nicht als gelungen, dass hatte ich auch schon ganz offiziell geschrieben. Es hatte einfach wenig mit Elbspitze zu tun. Bei km 150 einen Berg hoch zu hacken ist nicht das gleiche, wie 700 km durchzuhalten. Natürlich hatten wir als Orgateam darauf hingewirkt, dass es Qualifikationstouren gibt, und wir werden das mit Sicherheit überdenken. Aber doch, wenn das ein Vorteil sein soll: Die Mannschaft hatte Qualität, sie lief ab der Böhmerwaldpause absolut rund, ab da war klar, dass wir durchkommen können, wenn wir nur wollten.

Als Walter und ich am Sonnabendmorgen schnell noch eine Semmel verschlangen trommelte draußen der Regen auf die Dächer. Mich macht sowas nicht mehr nervös, irgendwann muss man sowieso im Regen fahren, aber vielleicht ist es angenehmer, trocken zu starten. Dann doch noch schnell einen Blick auf das geliebte Regenradar, und siehe da, bis zum Start sollte es aufhören, also schnell Walter die Räder auf die Pritsche gegeben und ambitioniert zur Frauenkirche gerast, wo unter den Sonnenschirmen eines Cafés auch schon großes Getümmel war. Da sah ich auch zum ersten mal die Teamkleidung. Da war ich schon gerührt. An der Stelle muss ich auch meiner Freundin danken, die ab und an mit einen kritischen Blick auf die Entwürfe geworfen hatte. Das hatte sich gelohnt.

Dann kamen Sven und Doreen noch dazu, und sieh mussten sich jetzt von 0 auf 100% ins Betreuerteamfügen, und der Rennleiter ist immer noch begeistert, wie fantastisch ihr mitgemacht habt. Als Fahrer spürt man auch ganz deutlich, wenn sportbegeisterte und absolut zuverlässige Leute mit anpacken, das galt nicht nur für die beiden sondern für das ganz Team.

Nach der Belehrung und der obligatorischen Runde um die Frauenkirche rollte das Feld also langsam nach Possendorf und zum Rundteil hinauf, der einzige von vornherein neutralisierte Berg ;-) Trotzdem ließen Leute trotz des normalen Elbspitztempos schon reißen, da war ich gar nicht begeistert.

Andrea hatte sichtlich Probleme das Bergtempo zu fahren. Prinzipiell kostet es nicht viel Zeit, aber der Rhythmusverlust nach jedem Sammeln ist doch enorm. Wie lange würde sie noch durchhalten?

Bergwertung Nummer eins. Großes Schaulaufen. Schnell noch mal meine persönliche Favoritenliste der Elbspitze 2012 durchgegangen: Sten *****, Robert ****, Thomas **** und Rene ****. Zwar war ich im Frühjahr an zwei Qualibergen der schnellste gewesen, aber Robert war stärker, schon, und Rene hatte eine Superform zur Generalprobe unter Beweis gestellt. Bis dahin hatte ich selber also ***, aber da ich auf dem aufsteigenden Ast war, gab ich mir auch **** ;-)

Das Auto hupte, Sten zog an und ich legte nur noch das 52er auf und sprang auf. Irgendwann in der Mitte wurde nochmal heftig das Tempo verschärf, wieder das 52er, und wie der Puls so kräftig über 180 klettert wird mir klar, dass HC aus eigener Kraft nicht möglich sein wird. Vorerst werde ich versuchen den zweiten Platz in der Bergwertung zu erkämpfen. Robert rollte nach Sten über die Linie, und ich hatte Thomas eigentlich sicher hinter mir, aber bei 10 Meter Sichtweite im Nebel ist das dann offenbar doch nicht so sicher, sodass es nur der vierte Platz war.

Unter im Böhmischen Becken ging die ES dann richtig los. Der Wind weht kräftig, und zwar von vorn und von rechts. Eine ganze Feldseite war also ständig in Arbeit, und an der Spitze war es richtig übel. FAlex starte jetzt seine Offensive für das rote Trikot. Vielleicht 70 km stand er da vorn, sammelt 12 Punkte und verlor einige Körner. Doch das Team blieb im Zeitplan, der zwar viel Reserve hatte, aber auch nicht mit 4 bft SW-Wind geplant war.

Bei der Pause wehte es die Teller weg, Müll flog durch die Gegend. Die Strecke würde noch lange windanfällig bleiben, ich war gespannt.

Björn stieg aus. "Los Björn, nimm dein Rad und fahr wieder heim. Sind nur 300 km dann und du hast ab jetzt Rückenwind" sagte FAlex. So dumm war der Gedanke nicht, spart ja immerhin Plätze im Auto, aber Björn stellte sich dann als einer der wichtigste Motivatoren und Fans am Streckenrand heraus, das war viel wichtiger!

Andrea ging nochmal mit auf die Strecke. Ich wechselte mit ihr zweimal Luv- gegen Lee-Seite, denn sie hielt sich doch ganz konstant und müsste vielleicht nur geschont werden. Irgendwo hinter Plasy war sie dann aber ins Auto gestiegen, die Tour endete jetzt auch für sie. Plasy selber ist ja immer amüsant. Natürlich prahlen alle Bergfahrer dass sie da nicht (oder gar nie) fahren würden, und am Ende hält man doch mit rein, oder soll Jens da etwa 5 Punkte holen? Ich gab nicht alles, wechselte mich mit Rene in kurzen Intervallen ab, auf Platz drei und vier liegend. Im Zielsprint hatte ich einen Gang zu klein gekettet, ein läppiger Punkt sprang heraus aber ich schlug mit Rene ein, so macht Elbspitze Spaß. Dann noch 80 km das gleiche: viel Wind, vorne hält man kaum 5 km durch und das ganz Feld ist am Kämpfen. Die Autofahrer zeigten sich von unserer Idee, Sonnabend zu starten, gar nicht begeistert. Da wurde viel mehr gehupt als die Jahre zuvor, wir werden uns das merken!

Richtung Böhmerwald wurde der Himmel wieder dunkler. Bei Prestice ging es gefühlte 10 km auf Umleitung, war das ärgerlich! Das heißt ja sofort, dass die nächste Pause 10 km später ist. Hoffentlich hält das Feld durch.

Nun noch Regen, das wäre dramatisch. Als die Bergwertung eröffnet wurde, nieselte es aber nur leicht. Eine Viermanngruppe setzte sich ab, alle Favoriten außer Thomas dabei. Schon nach der ersten Kehre legte Sten mal kurz einen dicken Gang auf und platzte Robert weg. Rene und ich blieben dran bis zur nächsten Kehre. Aber dass war nur Vorbereitung für den nächsten Antritt, der HAC zeigte 400 W an und ich dachte mir, dass wir uns vor 4 Jahren noch mit 40 W weniger zufrieden gegeben haben. Ich kann das nicht mitgehen, lasse reißen, Rene fährt an mir vorbei und gibt mir zu verstehen noch nicht aufzugeben und sagt mir bald darauf, dass wir wieder ranfahren können im flachen. Wir wechselten schnell durch, nicht länger als eine Minute. Und tatsächlich kommen wir wieder näher an Sten heran und holen ihn letztendlich ein. Für eine Konterattacke fällt mir jetzt aber echt aerobe Kapazität, erstmal im Windschatten des Meister erholen. Sehr zügif geht es weiter bis der Wirt in der Serpentinengruppe auf 880 Meter Höhe wieder ernst macht. Diesmal lasse ich bei 380 W reißen, es geht einfach nicht. Ich drehe mich um, schaue Rene an. "Ich kann dir hier nimmer helfen Sirko" sagt er mir.

Wir fahren also zügig weiter, die Zwischenabfahrt und dann mache ich gleich Druck, im Zielsprint habe ich gegen Rene keine Chance. Er lässt reißen und ich erreiche mal wieder als zweiter den Böhmerwald.

In der Pause gibt es Kartoffelsuppe und schon einige gezeichnete Fahrer. Jens und Mike sagen mir, dass ich nicht gut aussehe, genau das wollte ich hören. Aber eigentlich fühle ich mich gut, also lass sie reden denke ich mir.

Als Annina und Carsten den Pausenplatz erreichen haben sie gute Neuigkeiten: Blauer Himmel und trockenes Wetter im ganz Bayern bis zu den Alpen. Diese Nachricht haut rein und voller Zuversicht starten wir in den nächsten Abschnitt. Die Gruppe läuft jetzt super, Walter lässt sich auch ab und an mit vorne Blicken, da bekommt er gleich Punkte für Rot von mir. Die lange Steigung Richtung Grafenau ist noch angenehm mit dem Feld zu fahren, und dann geht es ewig lang endlich mit Rückenwind Richtung Bergwertung Solla. Es ist wie im Rausch. Satter Abendsonnenschein leuchtet die weit einsehbare bayerische Ebene aus, im Feld ist Superstimmung und nach ein bisschen Rumgepeile in Rammelsberg finden wir uns bald am Fuße der Bergwertung wieder. Mir entfährt nur noch ein leidenschaftliches "Boar Leute guckt euch das an, ist das ein geiler Berg" beim Anblick der steilen Rampe die nach 50 Hm im Wald verschwindet. Knackiger Stredohoribelag versüßt den Genuss, nur leider bekomme ich das kleine Blatt nicht drauf, und ich muss Sten und Thomas ziehen lassen. Letzterer ist also diesmal dafür zuständig, dass sich der Wirt wenigstens dafür anstrengen muss, wenn er hier schon fast alles abräumt.

Dann geht das Blatt doch noch und ich kurbel zügig auf Platz drei und kann mir die breiten Grinsen der Fahrer anschauen, wie sie in endlich Sommeratmosphäre hier oben ankommen. Lars macht mit Platz 4 der Bergwertung einen ersten Fingerzeig. Mein Pa der Rennleiter hat für die Bergwertungen extra Segelfahnen gebastelt, übelst genial ist das da durchzufahren.

Wiederum geht es lang bergab bis zu B nach Passau, hier spule ich noch ein paar Führungskilometer ab um meinen Anspruch, wenigstens 15 km pro Abschnitt im Wind zu sein, gerecht werde. Im Abendrot überqueren wir die Donaubrücke in Passau und erreichen bald die Kuchenpause an der Grenze zu Österreich. Die Stimmung hat ihren Höhenpunkt erreicht. Ich denke mir, dass wir wahrscheinlich den schönsten Abschnitt gerade beendet haben und hoffe, dass der nächste trocken bleibt, denn in Richtung Süden war der Himmel doch wieder dicht bewölkt.

Wir starten ohne JensW und Mike in den Nachtabschnitt. Die beiden hören auf wenn es am schönsten ist und nutzen den Bus, der diesmal aufgrund der miesen Wetterprognose nach Passau gekommen ist. Herzlichen dank an dieser Stelle an euch Busfahrer, dass ihr die Mühen aufgenommen habt, das hat uns sehr geholfen, auch wenn das Wetter bis Passau doch viel besser war als erhofft! Die Begleitfahrzeuge haben jetzt wieder Kapazität, das Feld hat bereits 5 Mann verloren und startet in den ersten Nachabschnitt. Ich fahre mir FAlex bis Kasten im Wind (der von hinten kommt, aber muss ja keiner wissen ;-)). Meine Ixon spinnt rum, geht an und aus, immer das gleiche, zuverlässig ist anders. Naja, das geht jetzt auch ohne Licht. Das Feld muss nochmal wenden und den Rennleiter vorbeilassen um die Bergwertung zu eröffnen. 250 Meter über unseren Köpfen, weit oben an den mächtigen Hängen des Donautal, wird die Kirche von Vichtenstein intensiv angestrahlt. Ein Bild für die Götter. Ein bisschen Resthelligkeit ist noch vorhanden, wenn man zwischen den Serpentinen in Lichtungen hinunter auf die Dörfer an der Donau blickt, und hinauf zu den Bergen 600 Meter über dem Wasser. Die Lichterkette schlängelt sich die Straße hinauf und während Sten vorn von vornherein wieder alles klar macht genieße ich erstmal mit Rene und Sebastian die Stimmung, denn die ist einmalig. Vichtenstein im dunkeln ist neben dem Sudelfeld am Morgen eine der größten Errungenschaften. Wir kommen direkt an der Kirche in Vichtenstein vorbei, und ab hier wird es plötzlich steil, um die 10 % und jetzt wird das Tempo schärfer. Rene ist noch dran als ich noch etwa 40 Höhenmeter hin die Bergwertung mit unheimlich vielen Leuten erblicke (spontan gesellten sich paar Österreicher einer Geburtstagsfeier dem Zieleinlauf hinzu). Also jetzt nochmal richtig hart, und dann drehe ich mich nicht mehr um sondern sprinte nur noch um zweiter zu werden, was auch gelingt.

In Vichtenstein zeigt sich erstmals auch Thomas Rex und Stephan Mesow, die scheinen Substanz zu haben, und Lars schlüpft endgültig heraus aus der Neulingrolle hinein in die Rolle eines aktiv gestaltenden Fahrers.

Die Lampentauschaktion mit meinem Pa misslingt und ich fahr weiter ohne Frontlicht, erstmal nur hinten vernünftigerweise. Ab Schärding lasse ich mich wieder ganz vorn blicken, das Feld strahlt eigentlich hell genug. Und hier vorn geht die Post ab. Robert hat entschieden auf rot zu fahren, fährt die ganz Zeit vorn. FAlex bäumt sich nochmal auf, nebeneinander fahren sie unzählige Kilometer, nur Robert hält vorn aus, im Kampf um rot zeichnet sich eine Wende ab.

Ich nutze einen Platten zum erneuten Lampenwechsel, nehme wieder meine eigene Ixon, die wieder leuchtet und muss erstmal ein 300 Meterloch stopfen weil ich zu spät wieder loskommen. Bald ist die Pause erreicht, die Pasta im Magen versenkt und der Boden des Ruheraums mit Mensch bedeckt. Irgendwer verwettet seinen Arsch darauf, dass wir trocken durchkommen, ich bin mir ziemlich sicher dass es Regnen wird, so wie 2009.

Als wir starten haben wir auf den zwei schönen Abschnitten etwa eine Stunde herausgefahren, wir liegen 1:15 vor der Zeit, das ist eine echt hervorragende Nachricht! Und dann kommt es wie es kommen muss: Zuerst sind die Straßenränder feucht, dann nass, irgendwann auch in der Mitte, dann die Fahrspuren. Dann bekommt man erstmals Spritzwasser ins Gesicht bevor es dann endlich auch von ober anfängt zu nieseln, und mit Ortseingang Salzburg zu regnen.
 

In einer kurzen Abfahrt verfängt sich Renes Jacke im Hinterrad, plötzlich blockiert es, mitten im Feld. Ich höre es nur noch brüllen. Vor mir breitet sich das Feld auf, ich sehe den driftenden Rene, wie er sicher vom Feld umfahren wird. Wahnsinns Radkontrolle von allen, vor allem von Rene!

In Salzburg bleiben Leute an einer roten Ampel zurück, jetzt kann ich endlich meine Regenjacke anziehen, dauert aber trotzdem zu lange und ich erreiche als letzter die wartende Gruppe was mir peinlich ist. In Salzburg sind die Discos an den Ufern der Salzach kurz vor 4 gerade beendet. Hunderte Grölende Fans bejubeln das 21 Mann starke Fahrerfeld, wie es sich durch den Regen der Nacht in Richtung Salzburg fitzt, aber Salzburg ist schneller wieder verlassen als erhofft. Vorn wird druck gemacht. Ich sehe immer wieder ThomasR und Walter, es regnet richtig und irgendwie rollt die Gruppe. 14 km bis Berchtesgaden, also noch 10 bis Unterau denke ich mir. Schon überholt der Rennleiter, gibt die Bergwertung höchster Kategorie frei, um 4.50 Uhr bei leichtem Regen, es ist dunkel.

Nein, ich hätte es mir nicht erträumt, dass wir das geschlossen reinrollen, als wäre es so alternativlos. 4 km weiter steht schließlich des Bus, vielleicht wissen das viele nicht? Sten und Robert ziehen weg, Thomas und ich hinterher, das Abstand bleibt, aber als sich Sten von Robert löst ist er weg und Robert kommt näher, wird überholt. Ich überhole Thomas, will meinen zweiten Platz in der Bergwertung ausbauen und fahre eher 95% als zügig. Oben ist wieder neblig, ständig drehe ich mich panisch um, höre das Keuchen Thomas' und sehe seine Gestalt, obwohl er viel weiter weg ist. Ich esse zwei Gels und hoffe durchzukommen, und es klappt. Gegen 6 Uhr sind wir also oben es ist wärmer als ich mir erträumt (also es ist Nebel, die Straßen Klitschnass und es nieselt, 8°C). Wir warten noch auf Thomas und gehen zu dritt in die Abfahrt, nehmen die Ausschilderung statt der Steilabfahrt und erreichen dadurch sicher und wieder halbwegs aufgewärmt die Pause. Erstmal 4 Stück Kuchen versenkt und dann in den Bus gesetzt.

Was nun? Es werden Alternativpläne diskutiert, bei dem Wetter auf 2000 Meter zu fahren ist sinnlos, da oben sind vermutlich 3°C. Adolfsstraße, Kitzbühler Horn oder gar Zielankunft am Gerlos. Alles steht zur Auswahl, als der Regen heftig auf das Busdach trommelt und ich zitternd im Bus sitze. Es sind nicht zuletzt Jens Köppel und Thomas Rex, die immer wieder drauf drängen den Melchboden anzufahren und mentalen Druck machen, und das ist gut so.
 

Wir lassen den Pass Thurn weg, das finden fast alle gut. Die Bergwertung Schwarzbachwachtsattel wird neutralisiert und bald fahren wir richtig in den Regen rein. Pass Thurn wird v.a. deshalb weggelassen, weil die nächste Pause direkt am Fuße der Abfahrt ist und wir völlig unterkühlt da ankommen würden.

Viele Fahrer steigen aus, können sich nicht mehr zu der Aktion überwinden. Thomas, Walter und Jochen starten zwar nochmal stiegen dann aber doch aus. Nach einer ungeplanten Abstuhlpause reicht es mir, die Gruppe rollt nicht. Wir befehlen jetzt Einerreihe für die Strecke über Zell bis Mittersill und ich setzte mich an die Spitze und lehre die Gruppe ein harmonisches, gemäßigtes Tempo. Jetzt sind wir also die Finishergruppe, und wir werden das Ziel vielleicht erreichen. Ich kämpfe gegen die Müdigkeit, wenn ich nicht vorne fahre. Andere bekämpfen ihre Müdigkeit ebenso mit Führungsarbeit. In Zell wird um eine außerplanmäßige Pause gebeten, Rene sagt dass er dringd was zu essen braucht. Noch einige km vergehen bis wir das sinnvoll mit Alex Abstuhlwunsch kombinieren können. Um Zell hat es aufgehört mit Regnen, vor Mittersill beginnt es wieder. Axel kommt vor, und fragt mich warum wir zum Melchboden hoch fahren sollten. Ich muss das auch mir selber erörtern. Mir wird klar, dass wir uns ärgern werden, wenn wir es nicht probieren. Wir haben Zeit, wir haben auch genug Kleidung und einige Plätze in den Fahrzeugen für die Abfahrt nach dem Ziel. Vor allem aber würden wir uns noch lange ärgern. Mir als Streckenverantwortlicher liegt auch sehr schwer im Magen, dass wir alle mit Melchboden-Trikots rumfahren und rumfahren werden, und ihn nicht erreicht haben. Mit dem Melchboden ist als eigentlich ganz einfach, er ist alternativlos.

Die letzte Pause hat knackige 25 Minuten, ich kann auch nochmal kräftig abstuhlen. Außerdem rühr ich mir in einem halbgefüllten Milchtetrapack eine Glucosebombe zusammen. Ich gehe jetzt aufs ganze. Ich will Gelb. Viele Szenarien sind möglich. Robert holt Gelb und ich Rot, oder umgedreht. Toll wäre auch Rene gelb, Robert rot und ich weiß (die einzige Variante, in der Stephan kein Weiß hat, und das weiß er sicher selber, er muss fast nur finishen, und dann hat er weiß). Sten holt HC, klar. Aber wenn nicht gibt es ja auch noch Plan F: Sten verliert die Nerven und holt Gelb, dann bekomm ich HC.
 

Bis zu Bergwertung bin Lars, ThomasR und ich in der Führung, dann hupt es dreimal, aber von hinten, das kann nicht sein. Sten knallt trotzdem los als geben es kein morgen. Plan F!!!!!!

Robert erzählt mir, dass Sten angepisst sei, dass Finish auf dem Melchboden ist, dass wir uns das antun. Deshalb wolle er alles so schnell wie möglich hinter sich bringen und würde gelb holen. Wahnsinn.

Einen Kilometer weiter steht der Rennleiter. Unser Finisher-Grupetto erreicht das Fahrzeug und auch Sten steht da, die Bergwertung muss erneut eröffnet werden, weil die Zeichen missverständlich waren. Also nochmal das ganze. Sten scheint aber nicht so angepisst wie erhofft und fährt erstmal mit Grupetto, genießt mit uns die mächtigen Krimmler Wasserfälle und zieht dann weg für die letzten Bergwertungspunkte. ThomasR löst sich auch kurz vorm Gerlos, er macht einen sehr starken Eindruck, da wird es Axel im Kampf um das Grand Master Trikot das Nachsehen haben.

Oben steht ein ganzes Spalier, der ganz Bus jubelt uns zu. Ich zieh mir die Windjacke an, ebenso ebenso Robert, aber Alex hämmert plötzlich durch, ThomasR gleich hinterher.

Plan X so zu sagen. Also Abschreiben würde ich Alex nie, und wenn der den Gerlos runterrammelt wie blöde und unten 10 Minuten hat, und wir uns noch verfahren, dann wird es echt sehr, sehr eng. Mit Robert, Sten und Marcel oder Lars fahren wir aber wieder ran, Axel ist auch mit dabei.
 

Als ich das erste mal seit langem mal wieder richtig bremsen will, ist die Vorderradbremse aufgebraucht, es bremst gar nicht vorne. Ich kann es während der Abfahrt nochmal nachstellen, was mich zu einem glücklichen Menschen macht! Unten kann ich mich ein wenig lösen, aber einfach nur weil es mir Spaß macht!

Denn es scheint die Sonne, schon seit der Auffahrt zum Gerlos, ja es ist richtig gutes Wetter und wir werden den Melchboden erreichen, das ist jetzt völlig klar. Was für ein herrliches Finale!

Wir fitzen uns durch Zell, Axel und Robert halten um irgendwas auszuziehen, aber bei allem Respekt, anhalten werde ich jetzt nicht mehr. Schon sind wir im Anstieg, und schon nur noch zu dritt: Sten, Lars und ich. Der HAC zeigt 280 W bei etwa Puls 152. Die Glucosebombe und sonstige kulinarische Perversitäten haben das Blut erreicht und ich habe Druck. Kontinuierlich werde ich den Puls steigern, bis dauerhaft 161 dann im Ziel. Lars bleibt lange dran. Aber ich merke bald, dass es mir richtig gut geht, und dass das genau mein Anstieg ist: Extrem rhythmisch, nicht zu steil. Lars lässt an eine 14 % Rampe eine kleines Loch reißen. Sten, der also mein Zuschauer sein wird (er wird mich gewinnen lassen müssen, um sein hart erkämpftes Bergtrikot tatsächlich zu bekommen), versucht ihn zu motivieren, dranzubleiben. Und dass Loch wächst nicht wirklich. Ich trinke und esse Gels. Ich fürchte den Einbruch. Ich fürchte dass meine Muskulatur zu macht, fahre einiges an schneller Schlangenlinie um die Trittfrequenz hoch zu halten und treffe den perfekten Rhythmus. Ab und an rülpse und stöhne dabei, das ist immer ein gutes Zeichen dass Druck aufm Kessel ist. Sten findet das lustig.

Von Björn lasse ich mir noch eine Flasche Cola geben die ich aber bis oben gar nicht mehr benutze, denn die Waldgrenze ist bald erreicht. Die Mautstation, noch 3 km. Ich fürchte den Platten, bitte Sten, leih mir dein Hinterrad, wenn ich Platten habe. Ob meine telepathischen Versuche Sten je erreicht haben weiß ich nicht. 1 km vor Ziel lässt er mich ziehen, ich solle meine Fahrt allein genießen. Das mache ich. Ich denke an den vielen Regen, an Vichtenstein und Solla, die tolle Truppe und die fantastischen Helfer auf der Strecke und an den Pausen, ich denke an das Rossfeld und an Jens und ThomasR, an ihr unverständnis nicht zum Ziel fahren zu wollen. Und dann denke ich noch an die Tage in Gelb die mir bevorstehen. Ist dieses Trikot verdient? Ich denke an Sten, wie er nach belieben das Feld beherrschte, v.a. am Berg. Das Bergtrikot wird von uns auch immer wieder als HC bezeichnet. Jenseits jeder Wertung. Das Bergtrikot ist einfach das härteste Trikot überhaupt, und dem Träger gebührt maximaler Respekt. Wer HC will muss auf den Sieg verzichten. So ist das Reglement. Wenn mich die Leute also in Gelb sehen werden, dann sollen sie auch an Sten denken, dass da einer war, der hätte alles abräumen können, wenn er gedurft hätte.

Björn und mein Pa spannen das Sachsen-farbene Band und ich fahre hindurch als allererster der Elbspitze 2012. Ich bin überglücklich, liege lange mit meinem Pa in den Armen. Ich bin stolz auf Gelb. Dieses Gelb steht für auch für meine zweiten Plätze in der Wertung des aktivsten Fahrer und der Bergwertung, und für Weiß, dass ich aber gerne auf Stephans Schultern sehe, der Kraft seiner Willenstärke bei seiner ersten Elbspitze finisht.
 

Ich freue mich auch riesig für Axel und sein blaues. Schade dass Robert beim Finale nicht mehr dabei war, aber sein enormer Einsatz für das Team über die ganzen 740 km hinweg sollten nie vergessen werden.

Einen großen Respekt an alle Finisher, diesjahr waren ganz besonders mentale Stärke und Substanz gefragt, ein echtes Langstreckenevent so zu sagen.

Gedenken wir unser tollen Helfer, die uns 36 Stunden am Feld und in den Pausen alle Wünsche erfüllten, die auch im Regen und Kälte aushalten mussten, die aber auch im Vorfeld viel Kraft und Mühe in unsere Elbspitze gesteckt haben. Vor allem aber haben sie ebenso den Geist und die Leidenschaft der Elbspitze weitergetragen. Ohne Leidenschaft macht das Leben wenig Sinn und ich bin überglücklich diese Leidenschaft bei der Elbspitze mit so vielen Menschen teilen zu können!

In dem Sinne schaue ich nach vorn auf die nächste Elbspitze, ein Jubiläumstour mit der ein oder anderen Besonderheit!

Elbspitze 2012 (Robert)

„Ein Trikot hast du sicher“ meinte Sirko das Wochenende vor der Elbspitze beim letzten harten Bergtraining Krupka, Wittichbaude, Dlouha Louka. Zweifel daran hatte ich auch nicht wirklich, denn die Leistungsfähigkeit war so gut wie noch nie, die Frage war nur welche Farbe. Außer Blau war alles im Bereich des Möglichen. Die Renntaktik war ziemlich offen. Plan war zunächst natürlich das HC-Trikot. Am besten in Moldava die 10 Punkte holen, damit man Plasy auslassen kann, der Rest wird sich zeigen. Doch nach Plan lief nicht viel bei der Elbspitze. Der Start an der Frauenkirche, kein Signal vom Puls auf der Anzeige. Bin ich doch dieses Jahr jeden Radkilometer mit „Puls“ unterwegs gewesen. Nun musste es ohne gehen. Bis zur ersten Bergwertung stieg die Anspannung. Dann ging’s los in Rehefeld. Sofortige Attacke, Sten erstmal im Feld eingebaut und Sirko folgen mit ein paar Metern Abstand und schlossen aber bald auf. Thomas, Rene schon weit weg. Da ging es zu dritt im zügigen Tempo nach Moldava. Sirko musste im Steilstück passen, nachdem Sten das Tempo verschärft hat. Zu zweit ging es in den immer dichteren Nebel über die Grenze nach Moldava. Sten setzte die entscheidende Attacke, war 30 m weg, im Nebel kaum noch zu sehen und holte sich verdient die 10 Punkte. Schnell Getränke nachgefüllt und ab ins Böhmische Becken. Da war ich plötzlich mit F-Alex in der Führung und es fuhr sich sehr angenehm. Noch war der Wind nicht wirklich spürbar. In Branany verabschiedete ich mich von der Spitze und Sirko übernahm. Alex sollte noch etliche km ein sehr zügiges Tempo vorgeben. Der Wind frischte immer mehr auf. Und es lief hinter Most nicht mehr wirklich gut in der Gruppe. Der Wind zu stark von der Seite, die schwächeren Fahrer ohne Windschatten. Die Geschwindigkeit im Mittel deutlich unter 30km/h, die Temperatur dafür nahe der 30°. Die Kilometer bis zur ersten Pause wollten nicht weniger werden. Doch irgendwie wurde der erste Abschnitt doch noch geschafft und wir lagen sogar noch vor dem Zeitplan. Der Wind machte nicht nur uns zu schaffen, sondern auch den fleißigen Helfern, die Probleme hatten, die Schnitten und Pappteller auf den Tischen zu halten. Bei der Punktevergabe stellte ich erstaunt fest, dass ich für den ersten Abschnitt schon 5 Punkte fürs Rote gesammelt habe. Alex hatte verdiente 12 Punkte bekommen. Weiter ging es also in Richtung Plasy. Sinnlos-5 Punkte-Bergwertung. Ich wusste nicht was ich machen sollte. Sten+Addict=Unschlagbar war nach Moldava schon abzusehen. Jens machte gut Druck und fuhr den Bergsprint an, ich hängte mich spaßeshalber in den Windschatten und ging mit. Sirko wollte nicht, also war wieder Sten und ich an der Spitze. Mit dem Gewissen nur 2 Punkte zu verlieren, schonte Sten seine Kräfte und ließ mich gewähren. Ich holte mir also die 5 Punkte in Plasy.

In Richtung Böhmerwald lief es endlich harmonischer im Feld. Nur die Wolken wurden dunkler, doch dieses Jahr hatten wir Glück und bis Salzburg sollte das Wetter annähernd perfekt sein.

  

Bergwertung Böhmerwald. Schnell war die Spitzengruppe dezimiert auf 6 Mann. Eine letzte halbherzige Attacke von mir. Rene, Sten und Sirko nicht abzuschütteln. Nein, das Bergtrikot macht keinen Sinn. Von hier an überließ ich Sten das HC-Trikot kampflos. Ich machte ruhig und von hinten schlossen bald Thomas und Sebastian auf. Entspannt rollten wir zur Bergwertung. Gemeinsam mit Hubertus, Walter, Sebastian und Alex ließen wir es nach Bayerisch Eisenstein rollen. Dort wurde lecker Kartoffelsuppe gekocht. Zwei Teller und 5 Würstchen waren schnell verdrückt, die quitschende Kette geölt und schon tutete es 3 mal zum Start. Ab in den Wind, der es ab jetzt gut mit uns meinte. Alex war ebenfalls wieder an der Front und leistete bis Passau 99% Führungsarbeit. Sella wurde zwischendurch einfach mitgenommen und aus den hinteren Reihen der Kampf um die Bergwertung bestaunt. Schöner Anstieg. Thomas noch angefeuert endlich mal Sten zu besiegen - vergebens. Keine Chance, niemand. Den 400-600 Watt Antritten kann keiner folgen. Am Abend die B85 nach Passau rollte verdammt gut. Die Zufriedenheit im Feld war spürbar. Umso überraschter war ich von Jens Ausstieg zur Abendpause. Mit Blick auf die weitere Strecke wurde es mir aber auch anders. Ich war fest überzeugt im nächsten Abschnitt würden mit Vichtenstein und Rossfeld zwei harte Bergwertungen anstehen. Die Nachtpause hatte ich gedanklich schon komplett verdrängt. Aber so war das alles relativ einfach zu etragen. Auf der Punktetafel lag ich bei Rot immer noch auf Platz 2. Das hatte ich so nicht erwartet. Langsam hielt ich die Variante auf das Rote Trikot zu fahren für sehr realistisch. Alex hatte zwar einen riesigen Vorsprung, aber es war ja gerade erst Halbzeit und noch nichts entschieden. Die 400 hm in Vichtenstein ein Grupetto mit Enno, Steffen und Alex gebildet. Dann kam meine Zeit. Noch 70km bis zur Nachtpause. Die 5 Stück Eierschecke + 1 Stück Streuselkuchen zeigten Wirkung und gaben mir die Energie im flachen Österreich das Tempo zu machen. Immer weiter km für km durch die Nacht bei leichtem Gegenwind. Kein Verkehr, von hinten kaum nervende Rufe das man zu schnell fährt, die Ruhe der Nacht genießend, wohlwissend, dass in den Alpen einen die Hölle erwartet. Die Wettervorherage für Berchtesgaden war schlimm, doch noch war es nicht soweit. Erstmal die Nachtpause. 3 Teller Nudeln. Sehr lecker, so dass ich wahrscheinlich das Kauen etwas zu sehr vernachlässigt habe. Die restliche Pausenzeit musste auch irgendwie rumgebracht werden, also habe ich mich für 20 min hingelegt. Total sinnlos, wenn man nicht schlafen kann. Danach ist die Motiviation immer am Tiefpunkt. Außerdem hatte ich plötzlich ein paar Probleme mit der Verdauung. Im Liegen rutschten die Nudeln anscheinend nicht so richtig durch den Magen. Teilweise waren das richtige Schmerzen, aber sich Übergeben ist kein Ausweg, die Energie für das anstehende harte Programm ist wichtig. Nach der Punktevergabe hatte ich nur noch 3 Punkte Rückstand auf Alex. Mein Ziel war jetzt klar: Alles auf Rot. Wenns geht 50 km Führungsarbeit bis nach Salzburg und damit die Jury beeindrucken. Und es ging. Walter war lange neben mir in der Führung und musste immer etwas eingebremst werden, das nervte mich etwas. Vor Salzburg begann die Nässe. Auf der Abfahrt nach Salzburg musste man sehr aufpassen. Blendender Gegenverkehr und nasse Brille, teilweise sah ich da kaum noch was oder ich sah schon einen Kreisverkehr oder eine rote Ampel wo keine war und bremste mitten auf der Geraden. Hoffe das hatte im hinteren Teil des Feldes keine zu großen Auswirkungen, wobei die Bremswirkung eh gegen null ging. Früh um vier durch Salzburg, so richtig wusste keiner wo es lang ging. Aber Alex hatte zur rechten Zeit einen Platten, genau da wo wir in die falsche Richtung gefahren sind. Glück im Unglück. Nun begann es stärker zu regnen. Die Stimmung wurde schlechter. 15 km bis zum Rossfeld, die Bergwertung schlechthin. 1000hm mit 10%. Darauf hatte ich überhaupt keine Lust. Aber mein Vorschlag das Rossfeld im Kollektiv auszulassen fand zum Glück kein Anklang. Und schon steht man in der 10km langen Rampe. Den ersten km bin ich da noch vorne gefahren, Sten löste sich aber bald. Er wollte unbedingt den Sieg am Rossfeld, es war die Bergwertung auf die er sich am meisten gefreut hat. Thomas und Sirko zogen dann wenig später auch vorbei. Ich nahm immer mehr Druck vom Pedal, fuhr einfach so entspannt wie möglich hoch. Wahrscheinlich war mein Puls am Rossfeld niedriger als auf den flachen 100 km davor. Nach und nach überholten mich fast alle. Mit 34:29 und Schlängellinien versuchte ich den Berg etwas flacher zu machen und Kraft zu sparen. Ich fragte mich nur, warum die anderen sich hier für nichts so schnell hochquälen. Oben endlich angekommen, gab es vom Rennleiter Eckart wärmende Tapete für die Abfahrt.

Mit Axel und Hans ging es gemeinsam nach unten. Ganz üble Abfahrt bei Nässe. Wir nahmen noch den falschen Abzweig und fuhren wieder zum Start des Anstiegsbeginn. Also mussten wir noch zusätzliche km durch das Tal nach Berchtesgaden fahren. Aber alles nicht schlimm. Wieder super Verpflegung, persönliche Betreung von Maurice, Annina und Carsten. Im Bus und mit Decke war es gut auszuhalten. Der Regen wurde immer stärker und fast alle ließen sich davon beeidrucken. Über alles wurde diskutiert. Letztlich hat aber die Vernunft gesiegt und Melchboden wurde als Ziel angesteuert, wenn auch auf etwas leichterer Route über Zell am See nach Mittersil anstelle dem Pass Thurn. Da Alex am Rossfeld die Elbspitze beendet hatte, war mir das Rote Trikot so gut wie sicher. Ankommen, die einzigste Bedingung für Rot und zu diesem Zeitpunkt Motivation genug auch dem Regen zu trotzen. Um die 16 Fahrer stellten sich noch dem Schlussteil. Nach dem Schwarzbachwachtsattel und einer Klopause am Unkenpass, waren es nur noch 12. In Richtung Saalfelden folgten für mich die schlimmsten km. Die ganze Nacht hatte ich keine Probleme mit der Müdigkeit, aber jetzt war mein Kreislauf ziemlich am Ende. Wahrscheinlich war einfach der Puls zu niedrig. Am Ende des Feldes hatte ich Probleme dem niedrigen Tempo zu folgen und ich freute mich schon als jemand sagte, es gäbe einen Reifendefekt. Leider eine Falschinformation, weiter geht es. Da hilft nur eins. Vorn fahren und Brille abnehmen. Dinge ändern um der Langeweile zu entfliehen und den Kreislauf wieder in Schwung zu bringen. Schnell einen Zwischensprint eingelegt und schon war wieder alles in Ordnung. Alles bis auf der Magen und die Speiseröhre. Die Waffeln und Schokoriegeln verursachten brennen. Die Cola schmeckte auch eher besch... und machte so gar nicht süchtig. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass es Cola mit Süßstoff und ohne Zucker war! Keine Ahnung ob es einen Zusammenhang zwischen Sodbrennen und Süßstoff gibt. Zur letzen Pause habe ich noch eine Tafel Schokolade gegessen. Das ging wieder ganz gut. Für mehr war in den letzen 20min Pause auch nicht Zeit, schon musste man wieder in die Pedale einklicken. Der Regen hatte seine Spuren hinterlassen. Seit über 30 Stunden hatte ich nasse Füße, die Haut war aufgequollen und schmerzempfindlich, als würde sie gleich reißen. Gerade die ersten Meter nach den Pausen taten immer besonders weh. Aber alle waren gezeichnet. Ok, alle außer Sten, der frisch wie immer wirkte. Der ursprüngliche Plan von mir war ja soviel Kraft fürs Finale zu sparen, um da noch eine sehr gute Leistung bringen zu können. Aber zum einen war durch die ersten Bergwertungen, die ich voller Leistung gefahren bin und die viele Führungsarbeit in der Nacht, der Akku schon ziemlich leer und zum anderen war da Sten, einer der Gelb nicht wollte, aber im Finale eben immer noch seine 300 Watt bringen kann, wenn er will. Da war ich also sehr zufrieden mit dem erkämpften Rot. Das Trikot, was mir in dem Moment mehr wert war, als das Gelbe, von dem Weißen will ich gar nicht erst anfangen zu reden. Schade, dass Alex nicht ins Ziel gekommen ist, er hätte es verdient.

Der Gerlospass wurde also geschlossen im Grupetto gefahren, nur Sten konnte nicht so langsam. Das Finale auf den Melchboden zu beschränken war die richtige Entscheidung. Schöne Blicke auf die Krimmler Wasserfälle und endlich wieder trockene Straßen. Auf der Passhöhe erwarteten uns alle Helfer und auch alle Fahrer die bisher ausgestiegen sind. Das war ein super Moment. Doch plötzlich Hektik auf der Passhöhe, Sten wartete hier oben doch noch und allen war klar, dass das Gelbe Trikot noch zu vergeben ist. Naja, mir war das egal. Nach der Abfahrt ging es mir mal wieder nicht so gut. Wieder der Magen. Ich konnte nur noch Bananen essen und reines Wasser trinken. An Cola und Süßkram konnte ich nicht mehr ran. In Zell nocheinmal die Verpflegung in Anspruch genommen und Wasser und eine Banane nachgetankt. Axel führte mich dann in den Melchboden. Ich wollte mein Tempo fahren. Einfach oben ankommen. Ohne kalorienreiche Ernährung musste ich sehr aufpassen nicht noch einen Hungerast zu bekommen und das Ankommen zu gefährden.

So kurbelte ich da gemütlich nach oben. Geschwindigkeitssperre eingebaut und dauerhaft 34:29 gekettet. Da war ich nun an drittletzter Position, aber hatte Rot sicher. Der Tacho ging auch nicht mehr, wahrscheinlich war ich sehr langsam. Da kann man sich aber ganz auf die Landschaft konzentrieren. Sehr schön, wirklich. Unterwegs habe ich noch zweimal angehalten. Einmal Wasser an einer Quelle aufgefüllt und ein zweites mal um die Regenjacke auszuziehen. Nachdem ich vielleicht 900 Höhenmeter bewältigt hatte, sind Jens und Axel in ziemlich weiter Entfernung zu sehen gewesen. So ganz wollte ich mich nicht geschlagen geben. Als letzter wollte ich dann doch nicht ins Ziel kommen. Da mein Tacho nicht ging, wusste ich auch nicht genau, wie wie viele hm es noch sind. Ein Schild sagte 1800 m Höhe, Sirko’s Mutti meinte wenig später ebenfalls es seien nur noch 200 hm. Gestimmt hat beides nicht, es waren noch etwa 500 bis 600 hm. Aber mir gab das die Sicherheit, jetzt Druck machen zu können, ohne energietechnisch einzubrechen. Also bin ich so schnell es ging nach oben um noch ein bisschen Spaß zu haben. Angetrieben vom dramatischen Wetter und von Rene Müller, der sicher wieder überragende Bilder gemacht hat, wurde hinten teilweise das 23er Ritzel aufgelegt, Jens und Axel eingeholt. Axel witterte die Chance noch Thomas Rex zu kassieren und damit das Blaue Trikot zu gewinnen. Zusammen fuhren wir in einem sehr schnellen Tempo nach oben. In den letzen Serpentinen tauchten plötzlich immer mehr Fahrer auf. Alle wurden geschla..., nein nur überholt

;-)

Slalom um die Kühe auf der Straße und schon war die Hütte in Sicht. Bei strömenden Regen und ein paar Schneeflocken ins Ziel am Melchboden. Überraschend Platz 4, aber viel wichtiger: Rot gewonnen. Dem ehrenvollsten Trikot? Nein! Ich opferte mich nicht für die Gruppe, sondern vielmehr für den Gewinn des Roten Trikots und weil es sich an der Spitze einfach besser fahren lässt. Reiner Selbstzweck. Teilweise gibt es da schon einen Kampf um die beiden Plätze an der Spitze des Feldes. Ob das gut ist? Meiner Meinung nach braucht die Elbspitze keine besonderen Wertungen einzelner Fahrer. Schwarzbachwachtsattel und Gerlospass haben gezeigt, dass es ohne sehr gut geht. Mir persönlich hat das viel mehr Spaß gemacht als der verbissenene Kampf um die Bergwertungen Moldava und Plasy. Anderseits bin ich natürlich sehr stolz das Rote Trikot des Aktivsten Fahrers tragen zu dürfen, genauso wie alle anderen Gewinner der Wertungstrikots. Großen Dank an die vier Organisatoren sowie die Helfer, die ES12 erst ermöglicht haben.

Elbspitze 2012 (Herr Scott)

Elbspitze 2012 beginnt bei mir mit der Elbspitze 2011. Nach ihrem Ritt zum Timmelsjoch durfte ich Gourmet und den 2060-er am Neumarkt vom Bus abholen und irgendwie hatte ich dort das erste mal den Gedanken, mir diese außergewöhnliche Fahrt auch einmal zu gönnen. Das Problem dabei: ich durfte diese Idee mit niemanden teilen, weil ich immer behauptet und geglaubt habe, für diese Art Freizeitbeschäftigung nicht bekloppt genug zu sein. Über den Winter bin ich Grundlagenkilometer mit der Collo Gruppe gerollert. Das „Intervalltraining“ habe ich mit Cielab Aktivisten heruntergerissen. Im Rehastudio habe ich zweimal die Woche mit Thea, Katrin und Gunther Bauch, Beine, Po und Rücken geübt. Lohn der Mühe: 3. auf dem Eierberg beim Collm-200-ter. Die weiteren Vorbereitungstouren waren eher durchwachsen. Zur HL lief alles super bis sich kurz vor Krupka ein vom Vordermann aufgewirbeltes Plasteteil bei mir zwischen Vorderrad und Gabel verkantete und ich damit zum Auslöser eines Massensturzes wurde. Moralisch schwer angeschlagen fehlte mir dann der Biss, und ich musste mir von Degga kurz vorm Gipfel ein: „Nu Axel, dass würd heute nüscht mit dor Quali“ zurufen lassen (15 sek fehlten) Der nächste Versuch am Meluzina scheiterte, weil ich mit einem netten Rostocker Sportsfreund der irrigen Meinung war, 33 min Zeit zu haben und wir uns das Beinausreißen für den Endspurt ab Augustusburg aufheben wollten. Degga klärte mich auch an diesem Gipfel mit einem unnachahmlichen: „ Das wirdd heut widder nüscht“ über diesen fatalen Irrtum auf. Nach dieser auch in andere Beziehung unglücklichen Tour meldeten sich erstmals, aber dafür hartnäckig, die bisher so zuverlässigen Knie und ich gab nach langem innerlichen Ringen das Projekt Elbspitze 2012 auf. Bei Rotwein und Keksen beglückwünschte ich mich, endlich wieder wie ein normaler Mensch des Nachts den Kühlschrank plündern zu dürfen. Den großen Löffel Leinöl im Morgenkaffee, wahlweise im gekörnten Käse (ein Geheimtipp meines Ernährungsberaters Collonel Müller aus Radeberg) ertrug ich aber tapfer weiter. Die Vorbereitungstour ins Riesengebirge (meine erste Tour über 350 km) fuhr ich mit, weil mit Enno, Klunschi, Bergfex , Mike, Björn, Thomas und Co. fast Alle am Start waren, mit den Langstreckenradeln definitiv immer Spaß macht. Es war eine landschaftlich herausragende Runde und eine richtig harmonische Fahrweise im, wie es Thomas nannte, Elbspitztempo. So kultiviert gerollt sind Vorbereitungstouren definitiv sehr hilfreich, sich an die extrem lange Strecke heranzutasten und im wahrsten Sinne zu „erfahren“, wie der Körper reagiert. Ein Wermutstropfen an diesem schönen Tag: Die Knie dankten mir den an der letzten Rampe gescheiterten Versuch, mit einem 25-Ritzel die Dvoracky-Baude zu erreichen, mit fast totaler Arbeitsverweigerung. Ab hier hatte ich trotzdem hartnäckig Zweifel, ob diese definitive Absage an die Elbspitze 2012 eine weise Entscheidung war. Kurz vor Ultimo, auf einer ambitionierten Cielabrunde mit Sten, Enno und Gourmet über das Mückentürmchen „erreichte“ mich die Info, dass der Skibiker seinen Elbspitz-Startplatz höchstwahrscheinlich nicht in Anspruch nehmen kann. Also noch einmal 3 Tage später Knietest übern Stürmer und „Enno-Schlachten“ am Molchgrund und dann die alles entscheidende Frage an die Orga: Darf ich den eventuell vakanten Startplatz von Björn einnehmen? Ein klares Ja vom Chef und ein nicht ganz so fröhliches Ja von der heimischen Regierung beenden dann dieses ewige Ringen.

Den Startobolus zu entrichten (eine super Geldanlage übrigens) , bei Collos ein 29 Ritzel zu ordern und den Urlaubsantrag zu stellen gingen dann rasant schnell, Vorfreude stellte sich ein, nur leicht gedämpft durch diese unsägliche Wetterprognose.

 Donnerstag vor dem Start: vergebliche Suche nach dem Akkuladegerät für die Lampe und auch die Schutzplaste für das Hinterrad versteckte sich erfolgreich. Alle Turnbeutel leergeräumt und die Waschmaschine gefüttert.

Freitag 9.00: wegen der Wetterprognose vorsichtige Anfrage bei Enno, ob er mir eventuell einen Eiskratzer borgen könnte. Von ihm kam dann die famose Idee, eine Heizdecke mitzunehmen…

Freitag 16.00: das Postamt schließt und die heiße Vorbereitung beginnt. Ein nervöser Auftritt in Gönnsdorf beim Chef bringt Klarheit: der weiße Sack darf mit Sachen für unterwegs gefüllt werden. Auf der Rückreise bestand sein Inhalt dann aus gefühlten 2 Zentner nasser, stinkender Sportklamotten.

Freitag 19.00: Die Startnummer kommt ans Rad und jetzt sehe ich erst warum der Gourmet so auf dieses Stück Plaste hingewiesen hat: Danke Thomas für dieses tolle, gelbe Posthorn! Das war für die ganze Reise eine riesige Motivation.

Freitag gegen 23.00: entgegen aller Wahrscheinlichkeit schlummere ich tatsächlich schon ein.

Sonnabend früh: erst Freude über den gefundenen Schlaf, dann Entsetzen beim Blick aus dem Fenster.

Den Start und die erste Bergwertung spar ich mir jetzt, das haben andere schon schön beschrieben. Bei km 100 habe ich ein erstes mal: „Sche..e, ist das anstrengend“, gedacht. Trotzdem: bis hierhin bin ich nur positiv überrascht, weil an Stelle von VEB Leuna und Chomutov eine liebliche Landschaft durchrollt wurde. Die Sonne schien und die Segler erfreuten sich des Windes. Die 10 km vor der ersten Pause liefen wieder richtig gut und ich war umso überraschter und traurig, dass Björn schon in das Betreuerteam wechseln musste.

Die nächsten zwei Abschnitte waren wie beschrieben einfach schön. Die bedrohlichen Wolken verschwanden noch einmal vom Horizont und ich konnte den Böhmer- und Bayrischen-Wald mit seinen genialen Aussichten genießen. Harte Bergwertungen waren der Job der anderen, ich genoss meine erste Fahrt durch diese Gegend überhaupt. Um auf den ersten 350 km Führungsarbeit zu leisten fehlte mir einfach die Ellbogenmetalität. Da waren die „Jäger des rote Trikots“ gnadenlos am Drücker. Die Bergwertung Solla und die Einfahrt nach Passau fühlten sich wie schönes Feierabendradeln an. Dann verdiente Pause. Drei Stück Mohnkuchen später wieder „Sachenpoker“ Was anziehen für die Nachtfahrt? Nach einer schnellen Passage entlang der Donau die Gewissheit, das die Anzugsordnung passt. Den folgenden Berg trug mich die jubelnde Geburtstagsgemeinde förmlich nach oben. Zur Nachtpause ein Teller Nudeln, einmal komplett gewaschen und umgezogen und dann drei Kaffee und Waffeln dazu ein netter Plausch mit den Helfern. Der nächste Abschnitt dann erstmals richtig anstrengend. Die Kerzen auf der nur mir sichtbaren Geburtstagstorte stellten sich Sekundenbruchteile später als Reflexstreifen an Deggas (von Mutti geborgten) Kopfputz (Helmüberzug) dar. Gegen die Müdigkeit dann nach und nach leckere Müsliriegel zerkaut. Vor Salzburg jagte dann ein Borax vor der Meute her, wurde aber vom Büffel wieder eingefangen, was alle wohlwollend zur Kenntnis nahmen. Salzburg dann viel nackte Haut und Jubel, das baut doch auf. Leider nur für kurze Zeit, weil Regen und das angekündigte Rossfeld die Knie schon leicht schlottern lassen. Ich erpresse den Fahrer des Transporter: „ Das Rossfeld fahre ich nur, wenn ihr mir oben Papier oder Pappe für Bauch und Knie gebt!“ Die Antwort: „Papier hammer, Pappe is da, Zelefantüten gibt’s auch“. Kein Grund also, den Berg nicht anzugehen. Jetzt wieder Rhythmus finden und versuchen, durch den Nebel etwas von der mir aus Wanderungen bekannten grandiosen Umgebung zu erhaschen. Zwischendurch immer Anfeuerungsrufe aus dem vorbeifahrenden Begleittross. Nach einer Pause wegen Kalorienzufuhr Weiterfahrt mit Lars zum Pass.

Die Abfahrt nach Berchtesgaden dann auf Grund der Tapete auf Brust und Knien nicht so dramatisch wie bei anderen beschrieben. Nur das Gefitschel der Bremsbeläge auf Roberts Karbonrädern verbreitete eine nervöse Unruhe. Warme Getränke, ein paar belegte Brote und ein Frühstücksei ließen dann die Lebensgeister wiederkommen, leider nur für kurze Zeit. Dann raubte der einsetzende Starkregen so einiges an wiedergewonnener Energie. Danke an die unermüdlichen JensK, Degga und ThomasR, die haben sich für eine Weiterfahrt stark gemacht. Die ersten km nach Berchtesgaden konnte ich, in dicke WINTERRADHOSEN und WINTERJACKE gewandet für kurze Zeit die Berge genießen, doch dann setzte wieder der Regen gnadenlos ein. Die nächsten km bis zur letzten offiziellen Pause zogen sich zäh auf einer recht stark befahrenen Straße, nix Genussradeln, eher harte Arbeit aber es lief erstaunlich flüssig, nichts tat weh und das erstmals kam bei mir die reelle Hoffnung auf, dass Ziel erreichen zu können. Die leise Anfrage bei Degga, ob bei dieser Pi..e der Melchboden ein Dogma sei hätte ich mir sparen können: „Steht doch auf dem Trikot wo unser Ziel ist“ Jo, alles klar! Dann plötzlich der geniale Vorschlag, eine Tankstelle aufzusuchen. Ich hatte sofort ein riesiges Chiabatta mit Tomaten Mozarella vor dem geistigen Auge und trat mit großer Zuversicht auf die Pedale. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich geschätzte 20 Bananen, 10 Energieriegel, 5 Müsliriegel,15 Gels und 30 Löffel Getränkepulver verkonsumiert und konnte nichts Süßes mehr riechen. Dann plötzlicher Halt: was nun, hier ist doch gar keine Tankstelle? Rückfragen meinerseits brachten die Erkenntnis, dass der Tankstellenhalt gestrichen wurde, der stand sowieso nur wegen der gewissen Örtlichkeit auf dem Plan und das ließe sich ja auch in der freien Natur erledigen. So wie ich zu dem Zeitpunkt muss sich Garfield fühlen, wenn ihm jemand die Lasagne geklaut hat…

Kurze Zeit später dann doch eine gute Pause mit reich und gut gedecktem Tisch. Mit neuem Elan und dicken Knielingen über der Winterhose geht es zur Startaufstellung. Genau dieser, eigentlich von mir überhaupt nicht gemochte Brimborium mit Foto und Film und Sachsenfahne und Winkewinke hat bei mir dazu geführt, dass ich nicht ein einziges mal an Aufgeben gedacht habe. Komische Sache das. Man sollte einmal ernsthaft darüber nachdenken, ob jubelnde Frauen nicht auch auf Arbeit zur Überbrückung von Motivationstiefs „eingesetzt“ werden könnten.

Die Anreise zum Gerlospass erfolgt dann wieder recht unspektakulär und schneller als gedacht. Dann dreimal hupen und ich werde von Sten fasst vom Rad geholt: Platz da für den großen Bergfahrer! Das HC Trikot geht mich nichts an, also soll er machen und ich verkünde, nun einmal anzuhalten wegen Marscherleichterung. Dies ist aber leichter gedacht als getan, Winterhose bleibt Winterhose, aus einer Winterjacke wird nicht einfach so ein Kurzarmtrikot mit Armlingen, ein wenig angenehmer geht es ohne Knielinge und dicke Handschuhe zwar, der Brüller ist das aber nicht und es ist ganz und gar nicht ideal, bei nun immer schöner werdenden Wetter die letzen zwei Auffahrten in dieser Montur in Angriff nehmen zu müssen. Die Beine sind gut, die Anfeuerung wieder nicht zu toppen, ich lasse aber trotzdem abreisen, weil, soviel kann ich gar nicht trinken wie ich schwitzen würde, das ist so schon heftig. In der Gewissheit, hinter mir sind noch zwei, genieße ich den Ausblick auf die Wasserfälle und das Tal und die Berge. Dann sehe ich plötzlich das Crupetto, nein, das sind glatt alle, wieso fahren die dort vorn auf einmal so langsam? Ich schalte zwei Gänge hoch und hoffe auf die Kühlung, die in der Abfahrt erfolgen wird. Am Pass großer Jubel, alle am Getränke fassen und Jacke anziehen. Jacke hab ich schon mehr als genug, trinken kann ich in der Abfahrt sowieso nicht, also ziehe ich durch. Der Büffel und ThomasR sind schnell eingeholt und es wird eine schöne Abfahrt. Nach und nach schließen alle wieder auf. Im Zillertal halte ich am Auto an. Die Vorbereitung für die finalen max. 2 Stunden Fahrt muss sein: Jacke aus, Überschuhe aus, Handschuhe weg, Wasser auffüllen, eine letzte Banane, ein Gel und los geht’s mit Robert in den Anstieg leider nur für kurze Zeit, dann will Roberts Magen nicht mehr so recht, an der nächsten Kehre steht JensK. und fragt mich, ob wir das Finale zusammen angehen. Nein,das geht ja gar nicht, er ist schließlich Wettbewerb ums Blaue. Trotzdem heftet er sich an mein Hinterrad und kurze Zeit später fahren wir ambitioniert aber auch kontrolliert nebeneinander her. Nach einer Stunde Fahrt wundert mich, dass so gar keiner vor uns auftaucht, ich habe gute Beine und wir beschließen trotzdem (degga darf jetzt mal nicht weiterlesen) zusammen bis ins Ziel zu fahren, Scheiss auf Wettbewerb! Dann tönt es plötzlich hinter uns: „Ihr werdet gleich geschlachtet!“ Robert kommt federleicht herangeschossen und in diesem Augenblick erkenne ich ein paar Serpentinen höher plötzlich erst 1 dann 2 dann sogar 4 Fahrer, und wenn das Auge nicht trügt, dann kämpft da der Blaue (ThomasR) mehr als er fährt. Jetzt ist mein sportlicher Ehrgeiz geweckt und ich erkläre Jens, dass unter diesen Bedingungen der Nichtangriffspakt leider gekündigt werden muss. Robert darf nun für mich den Edelhelfer geben und wir fahren zügig zu ThomasR auf. Generös lasse ich Robert ziehen und hole mir, nun schon im strömenden Regen den Büffel. Auch eine Kuhherde hält mich nun nicht mehr auf und ich fahre mit letzter Energie um die nächste Ecke, wo auch schon das Ziel ist. Aus, vorbei, geschafft, tolle Ding! Das Warten auf die anderen Fahrer verbrachte ich mit Zähneklappern und Zittern, trotz drei Jacken und einer Decke.

Das mit dem Verteidigen des Blauen Trikots sage ich mal spontan noch nicht zu. Da denke ich erst mal ein klein wenig drüber nach…

Noch einmal Danke an Alle, die mir dieses großartige Erlebnis ermöglicht haben.

Elbspitze 2012 (Steffen)

Da mein Vorsatz einer deutlichen Gewichtsreduktion auch in diesem Frühjahr recht zeitig zum Scheitern verurteilt war, setzte ich voll auf Plan B - eventuellen Witterungsunbillen mit einer komfortablen, robbenartigen Fettschicht trotzen. Die sich zunehmend verschlechternde Wetterprognose, schien zu bestätigen, daß ich hiermit voll aufs richtige Pferd gesetzt hatte (irgendwie muß man sich ja die Situation schönreden).

Trotzdem war ich doch ein klein wenig angesäuert, als es um 3 Uhr anfing zu regnen. Naja, zum Glück habe ich ja noch ne DVB-Monatskarte, und konnte somit mit der Strassenbahn anreisen. Man muß ja schließlich nicht gleich völlig durchnässt losfahren. Und für den von Sportfreund Borax ausgelobten Titel der „größten Memme“ habe ich dadurch auch schon ein paar wichtige Punkte im Sack…

Zum Start hatte der Regen sich zum Glück schon verzogen, nur von unten wars noch nass und blieb es bis ins Böhmische Becken auch. Dort wehte zwar ein strenger Hecht von der Seite, doch es blieb trocken. Und getreu dem Motto „ jeder trockene Km ist ein guter km“ konnte ich mit dem Wind, der zumindest auf der Nicht-Schokoladen-Seite (rechts), ziemlich unangenehm sein konnte, doch recht gut arrangieren.In Most hatte ich dann einen vorne Platten (damit war übrigens schon 50%der Gesamtquote der Tour erfüllt). Es folgte ein Tour de France mäßiger Wechsel des Vorderrad. Dank Ecki sich einmal wie ein Profi fühlen…

Im Übrigen hatte auch ich große Befürchtungen, daß wir aufgrund der Windprognose zeitlich arg in Verzug geraten. Das dies niemals auch nur ansatzweise eintraf, zeigt schon,daß der Zeitplan keines wegs zu enthusiastisch ausgelegt war, sondern ganz im Gegenteil genügend Puffer berücksichtigte.

Gefühlt zog es sich trotzdem diesmal ganz schön bis zur ersten Pause in Kralovice, die wohl ziemlich viele herbeisehnten. Hier gabs neben leckeren Schnittchen auch mein Vorderrad nebst neuem Schlauch zurück. Das corpus delicti (Glasscherbe) wurde lokalisiert, entfernt und mir incl. löchrigem Schlauch im Ziel überreicht. Unser Rennleiter ist also nebenbei auch noch ein perfekter Mechaniker mit Sinn für originelle Souvenirs.

Nach der Pause empfand ich den Verkehr als sehr aggressiv. Entweder sind sonnabends mehr Idioten unterwegs oder sie fallen bei weniger Verkehrsteilnehmern mehr auf. Gehupe, aberwitzige Überholvorgänge, aus dem Fenster gefeuerte Flaschen – so unangenehme Erfahrungen blieben mir beim geliebten Brudervolk bisher erspart. Zu allem Überfluss kreuzte zur Flaschenauffüllpause in Klattovy auch noch die Polizei auf und stellte unsern Rennleiter zur Rede. Vielfache Entschuldigungen, etliche eingestreute tschechische Brocken (sowas kommt immer gut an, es lohnt sich diese faszinierende Zisch-Sprache zu lernen) die Aussicht, dass nach 30km der ganze Spuk sie eh nichts mehr angeht und eventuell auch ein kleines großes Herz für den Radsport stimmte sie wohl offensichtlich milde. Jedenfalls durfte das Peloton ungestraft von dannen ziehen.

Danach kam dann schon bald der Böhmerwaldanstieg, mit dem ich mich wohl nie so richtig anfreunden werde. Landschaftlich absolute Oberklasse, aber irgendwie so eine Steigung die für mich weder Fisch noch Fleisch ist. Seltsamerweise fällt es mir da immer schwer einen vernünftigen Rhythmus zu finden. Glücklicherweise konnte ich mit Jochen zusammen reinfahren und es hätte auch eine wunderbare sportlich/moralische Allianz sein können, wären bei mir nicht nach gut der Hälfte des Anstiegs die Lichter ausgegangen. Ennos Kommentar (der kurze Zeit später an mir vorbeirollte) „Batterie leer?“ traf die Sache auf den Kopf. Ich musste anhalten und mir trotz aufkommender Übelkeit erst mal ein Schokocrossiant einverleiben. Die Fettschicht liefert also doch nicht so ohne weiteres, ab und zu muss man wohl auch mal was essen. Zum Glück ließ die Wirkung des Schokocrossiant nicht lange auf sich warten und meine Weiterfahrt wurde durch die Strassenüberquerung einer 5-köpfigen Marderfamilie gekrönt. Zumindest das hatte ich schon mal exklusiv.

Die folgende Pause mit leckerer Kartoffelsuppe, praller Abendsonne und Blick auf den großen Arber bildete den würdigen Auftakt auf das was nun folgen sollte: Kaiserwetter, ruhige Straßen, Rückenwind, liebliche Landschaft, ein rassiger CZ-Anstieg mitten in Bayern, Schussfahrt-Einrollen nach Passau, Samstagabende-Flanier-Atmosphäre in Passaus Altstadt und ein Zucker-, Streussel-,Eierschecken-,Rhabarberkuchenbuffet zur Abendpause.

Als es danach bestens gestärkt in die Nacht ging, war mein Fazit bis dahin: egal, was jetzt noch kommen mag, entgegen der allg. Wetterprognosen haben wir jetzt schon so viel schöne Stunden im Sack, da kann man sich eigentlich nicht beschweren. Nach einer wunderschönen Einrollphase entlang des durch beleuchtete Kirchtürme teilweise illuminierten Innufers ging es in den Knaller der Nachtfahrt : Bergwertung Viechtenstein. Erst sanfte Kehren im Wald, dann tolle Aussichten auf die Lichter am Inn, dann trügerische Sicherheit in der Ortsdurchfahrt und dann nochmal ein forderndes finales Steilstück. Tat auch im Grupetto weh. Uns oben ein unerwarteter, euphorischer Empfang. Österreich ist mir ab jetzt ein kleines bisschen sympathischer.

Bis zur Pause rollte es dann recht harmonisch über welliges Terrain, welches die Nachtfahrt bis dahin doch recht kurzweilig gestaltete. Nach dem üblichem Teller Nudeln gönnte ich mir dann doch mal ein Viertelstündchen im „Ruheraum“. Ganz besonderes Ambiente der Marke weißgekachelte Ausnüchterungszelle. Beeindruckend zu sehen, welche unterschiedlichen Entspannungskonzepte da so praktiziert werden. Mein Favorit war der im Duschraum alle viere von sich gestreckt, Betonschlaf frönende Büffel! Schon klasse wenn man so auf Knopfdruck schlafen kann. Ich hoffe auf zahlreiche ausdrucksstarke Fotos!

Was nun folgte, war zu erwarten, wurde befürchtet und wohl auch hinreichend beschrieben. Feucht, nass, nässer und ab kurz vor Salzburg ordentlich Regen. Sehr originelle Stadtrundfahrt in Salzburg. Wir kamen gerade recht zum Disko-Kehraus. Auf die miniberockten Spagettiträgermädels müssen wir wohl ganz schön surreal gewirkt haben. Es gab auch ein Motivationstänzchen von einer leicht alkoholisierten Öse aufm Zebrastreifen für uns. Der Junge hatte bestimmt ne genauso harte Nacht hinter sich wie wir.

Nun wurde aber Kurs aufs Rossfeld genommen. Das kurzzeitige Geplänkel „Rossfeld fahren/Rossfeld nicht fahren“ war wohl von niemandem so richtig ernst gemeint – schließlich bogen wir alle zusammen in den Anstieg ein. Ist schon ein ordentliches Brett nach über 500km. Selbst mit 33/29 war das bei mir kein Pedalieren mehr, sondern nur noch Gedrücke. Aber immerhin ließen sich unterwegs zeitweise Fahrgemeinschaften mit Alex (das arme Schwein hatte aufgrund eines Plattens und Laufradwechsels sein 29 gegen ein 25er Rettungsring eintauschen müssen) Enno, Christian und Sebastian bilden. Oben kam ich dann mit dem letzten tropfen Sprit an. Und obwohl Rossfeld nicht der Brocken ist hätte man gut H.Heine zitieren können-„(viele Steine), schwere Beine, Aussicht keine“- um meine Stimmungslage zu charakterisieren.

Recht zuversichtlich, gestärkt mit einer vom fürsorglichen Eckart gereichten Tapete für die Abfahrt, begab ich mich auf selbige. Ist ja gleich Pause, und unten ist bestimmt besseres Wetter usw.. Als jedoch auf der Abfahrt der Regen einsetzte, welcher unten angekommen zu einem ausgewachsenen Platzregen mutierte. War bei mit so ziemlich der Riemen runter. Mit der Aussicht weiter stundenlang im Regen zu fahren, wieder auf das Rad zu steigen – diese Härte und dieser Wille ist mir einfach nicht gegeben. Wie sich herausstellte, durften die Eisernen, die weiterfuhren noch bis ca. 14.00 auf die Sonne warten.
Dann durften Sie aber wenigstens noch den Gerlospass bei Kaiserwetter genießen. Wir Busfahrer hingegen bestaunten bei einem Parkplatzstopp mit Blick auf die Krimml-Wasserfälle den lächelnd den Berg hoch fliegenden Sten und nahmen auf der Passhöhe den zukünftigen Beendern die Parade ab. Für mich der emotionale Höhepunkt der Tour. Irgendwie war klar, von denen lässt sich das jetzt keiner mehr nehmen, die kommen alle oben an, egal wie.
Auch wenn’s nicht sonderlich originell klingt, nochmal Dank an alle- vom Orga Team bis zu allen Begleitern/Helfern - die uns diese großartige Erlebnis ermöglicht haben. Die familiäre Atmosphäre während der Tour sucht seinesgleichen.
Ob ich noch mal einen dritten Anlauf in Sachen ES unternehme, steht noch in den Sternen. Vorerst konzentriere ich mich mal wieder auf meine Kernkompetenz der erlebnisorientierten Entspannungstouren

P.S.:
Hier mal meine ganz persönliche Top-Erlebnis-Liste der Tour:

-Geräusch des Tages:“Ole´ Ole´ Ole´ we are the champs Ole´”(kurzerhand als Fanblock rekrutrierte Geburtstagsfeier in Viechtenstein)

-Understatement des Tages:“ also ich habe im Moment überhaupt keine Vorstellung, wie das hier irgendwie weitergehen soll“ (ein leicht desorientierter Herr Scott in Salzburg)

-Bild des Tages: Ein vor einer Tabak-Trafik in Salzburg auf dem Oberrohr seines Rades eingeschlafener Bergfex.

-Doping des Tages: selbstgedrehte Fluppe vom Bergfex 3km unterhalb vom Rossfeld; O-Ton“danach habsch wieder 20 Schläge mehr Puls“
 

Elbspitze 2012 (Sten)

Die Wetterprognosen versprachen nichts Gutes, als ich 3.30 Uhr die Balkontür öffnete. Es begann gerade zu regnen. Toller Mist! Zum Glück hörte es pünktlich um 5.30 Uhr zum Start der Elbspitze 2012 auf. Die Stimmung unter den Fahrern war trotz des Wetters hervorragend. Alle freuten sich auf den Ritt in die Alpen. Ich freute mich besonders auf die Bergwertung am Rossfeld, wollte ich doch dieses Jahr um das Bergtrikot fahren. Ich hatte mir vorgenommen, an allen Anstiegen zu attackieren und so viele Punkte wie möglich zu sammeln. Wir näherten uns dem Beginn der ersten Bergwertung in Rehefeld. Gleich wird unser Rennleiter Ecki drei Mal Hupen und die Fahne schwenken. Ich versuche mich in Position zu bringen und schon ertönt die Hupe. Von hinten schießt Robert an mir vorbei. Ach du scheiß.., das geht ja super los. Ich versuche Robert zu folgen, auch Sirko geht mit. Wir können zu Robert aufschließen. Zu dritt heizen wir den Grund hinauf. Ich versuche das Tempo noch einmal zu verschärfen und am Abzweig nach Moldava sind Robert und ich übrig. Wir nehmen etwas Tempo raus, um zu verschnaufen. Das wird ein harter Kampf um die erste Bergprämie. Spätestens seit Bernsbach weiß ich, wie stark Robert ist. Wir passieren die Zollanlage und gehen in den Schlussanstieg. Auf einen Zielsprint will ich es nicht ankommen lassen und attackiere. Erfolgreich. Ich kann eine Lücke reißen und bis zur Bergwertung halten. Was für ein Auftakt. Danach geht es hinab ins Böhmische. Der Seitenwind bläst das Fahrerfeld mächtig durch. Nix mit ausruhen im Windschatten, hohe Konzentration ist bei dem böigem Wind gefragt. Alle Fahrer sehnen sich nach der ersten Pause. Im zweiten Abschnitt das Gleiche, viel Gegenwind und Alex Akel ständig in der Führung. Dann endlich wieder Berge, der Böhmerwald – ein Berg für Sirko. Er macht Druck und nur Rene und ich folgen. Ich versuche weg zu kommen, doch die beiden lassen nicht locker und holen mich nach 1km wieder ein. Vor der letzten Senke attackiere ich noch einmal und diesmal mit Erfolg. Der Zielsprint bleibt mir zum Glück erspart. Gemeinsam rollen wir zur 2. Pause nach Bayrisch Eisenstein. Wir setzen uns in die wärmende Sonne und genießen den Blick zum Großen Arber. Nach dem vielen Gegenwind erhellt sich die Stimmung im Fahrerfeld mit jedem Sonnenstrahl und die Kartoffelsuppe mit Würstchen geht runter wie Öl. Das war mit Abstand die beste Pause der Elbspitze 2012. Der anschließende wellige Abschnitt durch den Bayrischen Wald nach Passau sollte das landschaftliche Highlight werden, denn von den Alpen war dieses Jahr nicht viel zu sehen. Bei Kaiserwetter nähern wir uns der Bergwertung i n Solla. Ich denke außer dem Orga-Team hatte niemand im Feld eine Ahnung was uns da erwartet. Von weitem konnte man schon eine steile Rampe sehen und die Hälfte des Fahrerfeldes hat bei dem Anblick bestimmt gedacht, hoffentlich geht´s dort nicht hoch. Als das Rennleiter Auto rechts abbiegt und dreimal hupt, ist Stimmung im Feld. Thomas attackiert sofort und ich gehe mit, Sirko folgt. Ich habe keine Ahnung wie lang der Anstieg ist und versuche im steilsten Stück weg zu kommen.  Die Lücke ist da und mit viel Mühe kann ich mir die Bergwertung sichern. Anschließend folgt die lange Abfahrt Richtung Passau. Die Stadtdurchfahrt ist das kulturelle Highlight der Tour und die Kuchenpause mit Eierschecke, Bienenstich und Mohnkuchen ein Gedicht. So langsam wurde es dunkel  und die Beleuchtung wurde montiert. Nach 10km entlang der Donau war unsere nächste Bergwertung bereits zu sehen. Die Kirche von Vichtenstein leuchtet im letzten Abendrot  400m über der Donau. Da müssen wir hoch, sagt Sirko und ein lautes „Geil“ tönt durch´s Donautal. Nachtbergwertungen sind irgendwie was Besonderes, die Stille, das Blitzlicht unseres Fotographen und noch Publikum. Also ich bin für eine zweite Nachtbergwertung, am besten kurz nach der Nachtpause. Dann ist man wieder richtig munter.

Unser Muntermacher kommt  kurz vor Salzburg und heißt Landregen. Das Wetter hat so lange gehalten und uns von stärkerem Regen verschont, aber jetzt scheint unser Glück aufgebraucht. Höhepunkt ist die Dusche des halben Fahrerfeldes durch einen Kleintransporter, der eine große Pfütze über uns entleert. Völlig durchnässt nähern wir uns Berchtesgaden und somit dem Rossfeld. Meine Hoffnung, einen traumhaften Sonnenaufgang am Watzmann zu sehen, hatte ich bereits beerdigt. Dennoch war ich motiviert die Bergwertung zu gewinnen und hoffte auf rege Beteiligung. Aber einzig Robert attackiert am Einstieg und wir fuhren die erste Rampe gemeinsam. Dann nahm er raus. Die vielen Führungskilometer in der Nacht hatten ihn Kräfte gekostet, aber auch dem roten Trikot näher gebracht. Ich versuchte mein Tempo weiter zu fahren und drehte mich immer wieder um, ob noch jemand aufschließen kann. Plötzlich sehe ich rechts neben mir Sirko´s Vorderrad. Ich erschrecke und drehe mich um. Wo ist er? Anscheinend nur eine Einbildung, der Erlkönig lässt grüßen. Nebelschwaden ziehen über die Almwiesen und alles scheint noch zu schlafen. Nur unsere treuen Helfer sind bereits bzw. immer noch auf den Beinen und erwarten uns bereits auf dem Rossfeld. Nach mir erreichen Sirko und Thomas die Bergwertung und wir begeben uns bei  7° und Regen in die lange Abfahrt zur Frühstückspause. Im Tal angekommen begeben  wir uns sofort in den Bus und werfen uns eine wärmende Decke über. Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt und der Regen wird immer stärker. Nach und nach treffen alle Fahrer ein und es wird über das weitere Vorgehen beraten.  Abbruch? Noch mal zum Rossfeld und dann Schluss, oder doch ins Zillertal? Wir entscheiden uns erst einmal weiter zu fahren, da der Regen auch etwas nachgelassen hat. In langsamem Tempo geht es zum Schwarzbachwachtsattel und weiter Richtung Lofer. Der Tankstellenstop an der Grenze schafft große Erleichterung. Das hatte ich in Berchtesgaden völlig vergessen. Dann gleich der nächste Halt, anscheinend ein Platten. Robert steigt vom Rad und wirft sich völlig demotiviert ins nasse Gras. Oh je, denke ich.  Nicht auch noch Robert! Kurz vorher war schon Thomas ausgestiegen, aber Robert macht weiter und geht an die Spitze des Feldes, um seine Müdigkeit zu bekämpfen. Es regnet mittlerweile wieder heftig und im verbliebenen Fahrerfeld herrscht Stille. Ich verliere auch langsam die Lust. In Berchtesgaden hatte ich noch die Hoffnung auf Wetterbesserung, aber mittlerweile glaube ich nicht mehr daran. Bei schönem Wetter sieht man in Saalfelden erstmals das Kitzsteinhorn, aber wir sehen nur Wolken. Ich gehe jetzt an die Spitze um Tempo und Puls hoch zu halten. Mit Spass hat das nichts mehr zu tun. Einfach nur noch stupides Treten in die Pedale. Der psychische Tiefpunkt kommt  bei der letzten Pause. Ich hatte gehofft, dass wir aufgrund des Wetters Melchboden weglassen und bereits am Gerlospass Schluss machen. Aber Sirko und Alex wollen jetzt durchziehen und die meisten anderen Fahrer auch. Ich finde das angesichts des Wetters  nicht besonders vernünftig. Noch drei Stunden im Regen, was soll das bringen außer kaputte Knie? Gefrustet steige ich wieder aufs Rad. Wäre ich dem Bergtrikot nicht so nahe, säße ich schon längst im warmen, trockenen Bus. Aber aufgeben kommt nicht in Frage, schließlich habe ich keine körperlichen Beschwerden. So fasse ich den Beschluss, so schnell wie möglich zum Hotel zu fahren, auch wenn es mich das Bergtrikot kostet. Sehnlichst erwarte ich das Hupen von Ecki. Mit dem Hupton trete ich aus dem Feld an und touchiere dabei noch Axel. Mit Volldampf geht´s bergan. Plötzlich fährt das Rennleiter Auto neben mich und Ecki fragt was los ist, die Bergwertung ist doch noch gar nicht eröffnet. „Ich bin sauer! Ich finde es unvernünftig bei dem Wetter noch auf den Melchboden zu fahren! “ erwidere ich. „Na dann hättest du was sagen müssen“ meint Ecki. Wir halten an und ich steige vom Rad. Ecki hat Recht. Ich habe nichts gesagt und somit gibt es auch kein Grund sauer zu sein. „Aber wieso ist die Bergwertung noch nicht eröffnet, du hast doch drei Mal gehupt?“ „Ich habe gar nicht gehupt“ sagt Ecki. Ich hatte mich schon gewundert, warum er keine Flagge geschwenkt hat.  Wir warten gemeinsam auf die anderen Fahrer. Es stellte sich heraus, das ein Fahrzeug hinter unserer Gruppe die Hupe verbotener Weise nutzte, um auf sich aufmerksam zu machen. Nun waren alle Unklarheiten beseitigt und die Bergwertung konnte endlich eröffnet werden.

Plötzlich war die Lust am Fahrrad fahren wieder da. Vielleicht lag es an der Sonne, die mittlerweile zwischen der Wolkendecke durchschaute, oder an den imposanten Krimmler Wasserfällen. Jetzt war erst einmal Sightseeing  angesagt. Nachdem die herabstürzenden Wassermassen bestaunt waren, setzte ich mich an die Spitze und fuhr dem Grupetto davon. Es folgten die schönsten Kilometer der Elbspitze. Zuerst standen unsere weiblichen Helfer und Andrea an der Seite und feuerten mich an. Weiter oben an einem Aussichtspunkt sah ich bereits unseren Bus stehen. Und plötzlich waren sie alle da, Alex, Bergfex, Thomas und die anderen ausgestiegenen Teilnehmer und Helfer der Elbspitze. Alle wieder vereint am Gerlos. Motiviert von den Anfeuerungen forcierte ich das Tempo. Kurze Zeit später überholte mich der Bus wieder mit einem freundlichen Hupton. Die letzte Bergwertung der Elbspitze 2012 nahte. Und wieder standen alle an der Straße und klatschten. Ein tolles Gefühl, Vielen Dank! Auch wenn mittlerweile die Sonne schien, wäre der Gerlos ein würdiges Finale für die ES gewesen. Ein spannender Kampf ums gelbe Trikot, geringe Zeitabstände  und alle Helfer und Teilnehmer am Pass vereint.  Anschließend eine gemeinsame Abfahrt ins Zillertal und zum Hotel. Was meint ihr? War Melchboden als Finale „besser“ oder darf es auch ein weniger steiler und kürzerer Anstieg sein? Jetzt kamen die nächsten Fahrer und es wurde wieder kräftig angefeuert. Thomas Rex kommt als zweiter zur Passhöhe und hält an. Plötzlich schießt Alex an mir vorbei! Na holla, was ist das? Jetzt ist bei den Burschen wohl doch noch das Rennfieber ausgebrochen? Ich schwinge mich wieder auf´s Rad und versuche den Ausreißern zu folgen. Nach wenigen Kilometern in der Abfahrt ist die Lücke geschlossen und immer mehr Fahrer können aufschließen. Sirko bestimmt das Tempo auf der Abfahrt ins Zillertal.  Wir lassen es ordentlich rollen, da kommt Freude auf. Im Tal angekommen verfahren wir uns kurz, bevor es in den finalen Anstieg geht. Ich sehe wie Axel und Robert anhalten, um sich anscheinend zu verpflegen und ein Paar Sachen auszuziehen. Schade, Robert scheint tatsächlich keine Kraft mehr für den Kampf um Gelb zu haben. Das hatte er mir schon in der Abfahrt vom Gerlos gesagt. Und Axel wird wohl kaum Grand Master werden. Zu stark war Thomas Rex  am Gerlos. Ich konzentriere mich auf Sirko, der nach dem Ausscheiden von Thomas  Hoffmeister wahrscheinlich die besten Chancen auf Gelb hat. Das Tempo ist hoch und bereits nach wenigen Metern hat Sirko alle distanziert, nur Lars kann noch folgen. Gleichauf fahren beide Kehre um Kehre bergauf.  Bisher ist das Tempo sehr homogen, beide sind sich einig. Ich hoffe, dass dieser Zustand noch lange anhält, das sorgt für Spannung. Nach ca. 1/3 des Anstieges schnauft Lars laut. Anscheinend hat er Probleme Sirkos Tempo zu halten. Tatsächlich, eine Lücke von zwei Metern tut sich auf. Sirko merkt das und versucht noch mal zu forcieren. Aber Lars kämpft und lässt die Lücke kaum größer werden. Ich versuche ihn zu motivieren. Er sieht noch gut aus und der Tritt ist flüssig. Dennoch baut Sirko seinen Vorsprung Zentimeter um Zentimeter aus. Wir verlieren langsam den Blickkontakt zu Sirko, das ist wahrscheinlich die Entscheidung. Ich setze mich von Lars ab und schließe zu Sirko auf. Mir fällt auf, dass er keine Luftpumpe bei sich hat. Meine habe ich wegen dem Dreckswetter nicht moniert. Was passiert wenn er jetzt einen Platten hat? Natürlich bekommt er mein Rad. Aber welches Pedalsystem fährt Sirko? Ich fahre neben ihn, aber kann es nicht erkennen. Egal, dann Tauschen wir eben noch die Schuhe.  Bis ins Ziel wird das schon gehen.  Die letzte Verpflegung unterbricht meine Gedanken. Björn ruft von einer Kehre weiter oben, ob wir noch etwas zu trinken benötigen. Unsere Helfer und ausgestiegenen Fahrer versuchen uns bestmöglich zu versorgen. Eure Unterstützung während der letzten 36 Stunden ist wieder einmal HC. Endlich nähern wir uns dem Ziel, noch 1km bis Melchboden. Sirko wird die Elbspitze 2012 gewinnen, weil er der Stärkste Fahrer aller Teilnehmer ist. Er hat nie dran gezweifelt, dass wir Melchboden erreichen, war bei allen Bergwertungen vorn dabei, hat neben Robert die meisten Führungskilometer geleistet und versucht immer die anderen Fahrer zu motivieren. Ein würdiger und verdienter Träger des Gelben Trikos!
 


Elbspitze 2012 (Sylvi (Betreuerin))

Drei für uns unvorstellbare Tage begannen am Samstag früh morgen um Sechs Uhr in Olbernhau bei der "Vereinszentrale" des Schwimmteams bei Familie Steiner. Nach Beladung eines Klein-LKWs mit Unmengen an Verpflegung und mehreren Bierzeltgarnituren starteten wir Richtung Böhmen.

Unser erster Versorgungspunkt wurde mit viel Euphorie aufgebaut. Nachdem Mengen an Schnittchen für die Fahrer bereit standen, mussten wir aufpassen, dass uns der starke Wind nicht das Essen vom Tisch wehte. Schneller als wir dachten viel ein Schwarm hungriger Radler, die bereits 150 Kilometer vom Startpunkt an der Dresdner Frauenkirche in den Beinen hatten, über das Buffett. Am meisten mussten wir über einen jungen Fahrer - Christian - schmunzeln, dessen Hunger größer war, als sein dünner Bauch.

Nach Abbau des ersten Versorgungspunktes bei Kralovice konnten wir die Fahrer in Pilsen in voller Aktion live erleben. Leider konnten wir es nur kurz geniesen, um rechtzeitig Bayerisch Eisenstein - den zweiten Rastpunkt - zu erreichen. Dort wurden wir mit weniger Freundlichkeit empfangen, da die Kommunikation bezüglich Benutzung des dortigen Vereinsgeländes etwas fehl geleitet wurden war. Dank gilt dem Platzwart, dass wir doch noch unbeschwert die warmen Suppen und Würstchen für die Fahrer zubereiten konnten. Trotz der vielen Kilometer (280) waren die Jungs für uns überraschend gut gelaunt.

Dank der Versorgungsfahrt konnten wir die schöne Natur und den Flair der schönen Dreiflüssstadt Passau geniesen. An der Donau am ehemaligen Zollamt wurde ein großes leckeres Kuchenbuffett aufgebaut, welches von den Sportlern komplett innerhalb weniger Minuten nach Eintreffen an der Verpflegungspause verschlungen war.

Nun stand uns eine längere Nachtfahrt nach Mauerkirchen in Österreich bevor. Erneut wurde der LKW mit den Bierzeltgarnituren beladen, im Eiltempo zur nächsten Pause versetzt um dort wieder einen neuen Verpflegungspunkt aufzubauen. Mitten in der Nacht bereiteten wir das Pastabuffett vor und warteten auf unsere hungrigen Pedaleure. Da der Verpflegungspunkt etwas Abseits und meine Trainerkollegin Annett sich schon sorgte, setzten wir uns in den Multivan, in der Hoffnung die Fahrer rechtzeitig einfangen zu können. Auf einmal schoss ein Schwarm von Lichtern an uns vorbei. Unser Schwimmteam Coach Alex, der wie jedes Jahr an der Elbspitze teilnimmt, hatte uns als erstes ausgemacht und leitete nun das Feld hinter uns zum abseits gelegenen Sportplatz. Nie hätten wir erwartet, dass die Makkaroni komplett verputzt wurden. Trotz der der 18 Stunden Bewegung von Sportlern, Betreuern und Helfern herrschte beste Laune und kaum Müdigkeit.

Nun begann die große Regenschlacht.
Unsere Fahrer traten wieder kräftig in die Pedalen und ließen sich nicht vom schlechten Wetter beeindrucken. Zielstrebig setzten sie ihre „ Reise“ nach Berchtesgaden fort. Unsere Verpflegungsteam konnte sich dieses Mal mehr mit dem Ab und Aufbau Zeit lassen.

Auf dem Weg nach Berchtesgaden, über Salzburg,  trafen wir wieder auf unsere Pedaleure. Schnell wurde Alex Steiner, welcher immer noch voller Kräfte fuhr,  mit Kaugummi aus dem fahrenden Multivan versorgt.

Der Regen wollte in dieser Nacht überhaupt nicht enden. Unmengen an Regenwasser schüttetete der Himmel aus und an vielen Stellen bildete sich Aquaplaning . Ab und zu kamen Sorgen um die Fahrer auf. Gegen 04:00 erreichten wir den „ neuen Verpflegungspunkt“. Zum 1. Mal mussten wir die Zelte aufbauen, um ein trockenes Plätzchen für die Sportler zu schaffen. Mit voller Spannung warteten wir auf die Männer. Trotz der schlechten Witterungsbedingungen kamen die Fahrer früher als geplant bei uns an. Warme Steaks., Brot, Gemüse, Tee und Kaffee versorgten die Pedaleure mit Energie. Unmut und ein wenig Ernüchterung kamen unter den Fahrern auf. Einige überlegten die Tour abzubrechen. Als  jedoch wiedermal das Signalhupen zum Start erklang, stellten sich die Kämpfer wieder in Position und fuhren erneut mit den Bikes los. Bewunderung und Anerkennung wurden den Fahrern von uns geschenkt.

Zum Vorletzten Mal machten wir uns wieder daran alles Abzubauen, Einzuladen, um uns auf dem Weg zum letzten Versorgungspunkt in Mittersill zu machen. Auf dem Weg dorthin genossen wir das vernebelte Alpenpanoramo des Wilden Kaisers, der Kitzbühler Alpen und der Hohen Tauern. In Mittersill half uns die östereichische Polizei den letzten Versorgungspunkt im Schwimmbad Mittersill aufzufinden. Mitte Juli bei 15 Grad und Dauerregen waren wir die einzigsten Besucher. Aus den Restbeständen eines zu Beginn voll beladenen LKWs zauberten wir für die Fahrer eine letzte Mahlzeit. Von den den 26 in Dresden gestarteten Elbspitzlern waren hier noch elf Fahrer im Rennen. Die ausgestiegenen Fahrer - die in einem Reisebus transportiert wurden, warteten mit uns auf das geschrumpfte Feld.

Vor dem grossen Finale erwartete uns - unser Dreiteam Annett Möller, Sylvia Mildner und Wolfgang Steiner eine grosse Überraschung. Zum ersten Mal durften wir die Pedaleure direkt an der Gruppe begleiten. Bei gegebener Möglichkeit überholten wir die Sportler um uns am Strassenrand aufzustellen und die Radler mit Laolawellen und Anfeuerungen über die letzten beiden Anstiege zu tragen. Die Jungs freuten sich immer riesig über diese Gesten und belohnten uns mit herzhaften und dankbaren Lächeln. Am Scheittelpunkt der Gerlosspasses bildeten alle ausgestiegen Fahrer, Helfer, die begleitenden Medien ein riesiges Spallier.

Nach gezahlter Mautgebühr mussten wir ganz schön aufs Gas drücken um das Feld auf der 33 Kiometer langen Abfahrt ins Zillertal einzuholen. Plötzlich sichteten wir alle Alexander Steiner vor einer Polizeistreife mit Laserpistole. Uns durchfuhr ein kurzer Schreck. "Unser Alex" hatte sich postiert um uns vor der Geschwindigkeitskontrolle zu schützen. Nun ging es mit teilweise weit über 80 Sachen wieder der Gruppe hinter her. Im Tal war der Zusammenschluss des Feldes wieder hergestellt.

Jetzt standen die letzten elf Kilometer mit 1400 Höhenmetern der Zillertaler Höhenstrasse zum Melchboden als Abschlussschmankerl auf dem Programm. Putzmunter, voller Adrenalin fieberten wir der Ziellinie entgegen. Ich war fasziniert, wo die Sportler nach 1 1/2 Tagen Höchstleistung noch die Kraft hernahmen, diese extrem steile Steigung zu bewältigen. Wir taten alles dafür die Fahrer mit Energie und Flüssigkeit zu versorgen. Im letzten Drittel des Anstieges gehörte die volle Aufmerksamkeit unserem Vereinschef, Motivator, Trainer und gutem Freund Alexander Steiner. Sofern meine Kraft reichte, joggte ich neben ihm her und motivierte ihn mit aufbauenten Worten und Traubenzucker. Ich war über die Kondition, dem Ehrgeiz und den Kräften die er auf den letzten Metern aufbringen konnte überwältigt. Das Ziel war schon in Sichtweite als eine Herde Kühe die Gebirsstrasse versperrte. In Windeseile wurden die Kühe von unserem Weg vertrieben. Kurze Momente später sprintete Alex über die Ziellinie, entledigte sich seiner Rades und wir lagen uns in den Armen. Mir war es in diesem Moment unbegreiflich, dass die Elbspitze in diesem Augenblick schon Geschichte war. Die Erlebnisse schreien nach baldiger und dauerhafter Wiederholung.

Elbspitze 2012 (Thomas)

Traditionell beginnt die Vorbereitung auf die Elbspitze im Oktober. Als Mitglied des Orga-Teams legen wir die Strecke fest und verteilen unsere Aufgaben untereinander. Mit dem Ziel Melchboden konnte ich mich als Bergmarathoneuse auf Anhieb anfreunden und so begann mein sportliches Aufbautraining bereits im November mit ersten Grundlageneinheiten, die ich im Januar und Februar trotz widriger Kälte auf der Straße und der freien Rolle konsequent durchzog. Eine schwere Knieverletzung Mitte Februar machte allerdings diese Strapazen zunichte und die Diagnose Meniskusriss mit nachfolgender OP und Reha bescherte mir eine Auszeit von ca. 10 Wochen. Damit war mein Ziel, das Bergtrikot zu verteidigen faktisch gestorben. Durch meinen Willen und die professionelle Unterstützung meiner Physiotherapeutin Susi Käst vom ARC Dresden gelangen mir schnelle Fortschritte und ich kam tatsächlich schon in den Genuss Anfang April erstmals auf dem Fahrrad Platz zu nehmen. Zirka 5.000 km bis zum Start der Elbspitze konnte ich somit noch abspulen und ich fühlte mich in guter Verfassung. Die Referenzeiten an den Bergen lagen knapp unterm Vorjahr und auf der Elbspitze zählen ohnehin Werte wie Wille und Disziplin. Das letzte Körnchen ist da eher unentscheidend. So versprach ich mir schon zumindest im Finale einen Auspacken zu können. Bis dahin jedoch wollte ich ganz einfach nur mitrollern, da mir eben viele Grundlageneinheiten fehlten und ich somit nicht ganz sicher war, ob ich genügend Ausdauer besitze um die ganze Elbspitze um alle Bergwertungen mit zu fighten.

 

Die Wetterfrösche prognostizierten schon seit langem sehr wechselhaftes Wetter und ich hoffte mit voranschreitendem Kalender auf Sommer zur Elbspitze, was jedoch nach hinten losging. Kaltfront, Regen, Sturm man musste sich also auf alles gefasst machen und so plotterte der Starkregen auch aufs Dach, als bei mir am 14.07. um 2:30 der Wecker klingelte und ich die ganze Nacht nur hin und her wälzend im Wachschlaf verbracht hatte.

 

Bei Regen fuhren Maurice, Jens und ich zur Frauenkirche und bauten den Startplatz auf, wo alsbald immer mehr Gewusel entstand und dann doch um 5:30 Uhr ohne Regen mit 26 Leuten gestartet wurde. Es war also soweit und wir befanden uns nach ca. 50km in der Bergwertung, wo sich mein Papa wie im letzten Jahr postierte und dem zügigen Velo-Tross zujubelte. Leider erwischte uns der Regen bereits hier zum ersten mal und die anschließende Abfahrt ins Böhm. Becken war mithin kein Hochgenuss. Auf dem folgenden Streckenabschnitt war bis auf den heftigen Gegenwind alles im Lot, das Wetter stimmte, die Stimmung war prächtig, meine Beine spulten km um km ab und ich fühlte mich stark. Elbspitze war geil. Wie persönlich vorgenommen, lies ich die Beine baumeln und beteilgte mich nicht mehr an Bergwertungen, so dass ich sehr relaxt und trocken den Böhmerwald erreichte. Das Wetter war wiedermal besser als prognostiziert und fortan waren wir auf neuer Route unterwegs was die unendlich vielen Kilometer durch Bayern erträglich machte. Sirko unser Routenersteller hat hier ganze Arbeit geleistet. Zur Abendpause in Passau verließen mit Jens und Mike zwei Fahrer das Peloton und ich befürchtete eine öde Nachtfahrt, da mich Jens auf den zurückliegenden Elbspitzen stets gut unterhalten hatte und ich auch zu Mike inzwischen ein gutes Verhältnis hatte. Aufgrund des Teamfunks verflog die Nacht aber wie von selbst. Mit Ecki und Mikes Schwiegervater gab es immer zu schnacken und die Navigation wurde bravourös aus den Begleitfahrzeugen ins Peloton durchgegeben. In Salzburg begann dann die unangenehme und harte Seite der Elbspitze 2012. Bei km 500 Dauerregen, Temperatursturz und Hochgebirge machen Rad fahren zur Hölle. Pünktlich vorm Rossfeld, dem 1.000 hm-Einstieg in die Alpen der denkbar ungünstigste Zeitpunkt für Sauwetter, aber genau so kam's. Die Befahrung des Rossfeldes wurde eine Qual, nicht das man dort nicht hochkam, aber es war nass und ekelig. Die Abfahrt war saukalt, die Finger waren halbtaub und die Bremsen waren nur schwer zu dosieren. Beim Hören der Wetterprognose in Berchtesgaden war mir eigentlich schon klar, dass ich hier Schluss mache und in den warmen Bus steige. Nicht etwa die fehlende Kraft war hier ausschlaggebend, nein mir macht Rad fahren bei diesen Bedingungen keinen Spaß. Und noch waren 200km zu fahren bei diesen Drecksprognosen. So ließ ich mich nur durch Maurice nochmal aufbauen und stieg dennoch aufs Rad zumal es vorübergehend nachließ zu regnen. Doch schon 20 km nach dem Los ereilte uns der nächste Guss. Dummerweise habe ich mich nur unzureichend bekleidet in der Pause und die Abfahrt vom Schwarzbachwachtsattel brachte mir saukalte Muskeln. Jetzt war die Messe endlich gelesen, ich wollte das einfach nicht mehr machen. Gleichwohl ich mir durchaus noch Chancen auf Gelb ausrechnete, war es mir in diesem Moment nicht wichtig genug dran zu bleiben. Ich stieg ins Auto und beendete die Elbspitze. Heute bin ich unentschlossen, ob das so ok war, immerhin war der Ausstieg nicht unumgänglich und Organisatoren sind Vorbilder –müssen quasi finishen-. 2010 und 2011 wäre ich nie ausgestiegen, da hatte ich feste Ziele, die umzusetzen waren. Aber 2012 war vieles anders, meine OP war ein guter Grund nicht stählern zu sein. Es gab für mich im Moment des Ausstiegs 1.000 gute Gründe good buy zu sagen. Klar hätte Sten es verdient ordentliche Konkurrenz an Bergen zu haben und Sirko wäre vielleicht auch gern ein engeres Finale gefahren, aber in so einem Moment entscheidet man spontan. Im Nachhinein ist vieles anders, aber darüber muss man nicht philosophieren. Klar würde ich gern Gelb tragen oder HC klar wäre ich gern Finisher, aber der Preis war einfach hoch. Zu hoch und so trage ich weiter mit Stolz HC 2011 und greife bestimmt 2013 auf der Jubiläumselbspitze wieder an.

 

Im Fazit haben die stärksten Fahrer gefinisht und ich als Nichtfinisher bin beeindruckt von eurer Moral. Mit Sten hat der stärkste Bergfahrer verdient HC geholt, Sirko ist der verdiente Sieger und Robert hat in meinen Augen eine sehr clevere Strategie gewählt, indem er erst abends begann unendliche Führungskilometer abzureißen und dem ersten Fegefeuer von F-Alex zuschaute, womit er schlussendlich rot holte. Ich habe nachts auch geführt, aber mich nach angemessenen Zeiten wieder ins Niemandsland verabschiedet. Robert war gefühlte Ewigkeiten im Wind und damit logisch aktivster Fahrer der ES 2012. Wiederum beeindruckend war die Leistung aller Helfer. Angefangen bei Wolfgang und seiner Verpflegungscrew, den Begleitfahrzeugen um Rennleiter Ecki, unsere tollen Busfahrern von der VGM, Fotograf Rene Müller und Videomann Siegbert Uhlmann und allen anderen, die die Durchführung der Elbspitze unterstützt haben.

(05.07.2012) .... noch wenige Tage bis zum Showdown

Liebe Elbspitzler, bald gehts los. Unser Peloton besteht aus 25 Fahrern und der eisernen schweizer Lady Andrea. Im Prinzip sind wir nun durch organisiert. Startnummern, Trikots, Säcke, Autos, Helfer, Verpflegung, Hotelbetten alles ist parat und die Elbspitze steht unmittelbar bevor. Spätestens am Wochenende senden wir Euch das detaillierte Roadbook zu. Bitte packt Euch für die Nachtpausen eine Decke ein und trennt Euer Gepäck in zwei Tranchen. Eine für die Tour (Decke, Regenkleidung und insb. ordentliche Beleuchtung, Pannenset) und eine weitere Tranche für den Zielort. Diese zweite Tranche transportiert unser Bus, den wir jedoch erst wieder am Tag 2 in Österreich sehen werden. Insofern steht Euch Tranche 2 auf Strecke quasi nicht zur Verfügung. Wir freuen uns riesig auf den Start und Euch.

Sport frei!

Thomas vom Orgateam

(21.05.2012) 400er Trainingsrunde ins Riesengebirge am Pfingstmontag

So das Wetter mitspielt, besteht am Pfingsmontag die Möglichkeit mit einigen Marathonisti aus dem Elbspitze-Dunstkreis ins Riesengebirge zu fahren. Ziel ist es gegen Mittag die Cerna Hora zu erreichen (siehe Foto) und die 407km an einem Tag zu bewältigen. Heißt wir müssen früh los und kommen erst spät zurück. Licht ist zwingend erforderlich. Mittag gibts in einer böhmischen Kneipe. Radmarathontaugliches Tempo ist veranschlagt. In den letzten Jahren standen im Schnitt immer um die 29km/h zu Buche. Alles weitere findet ihr hier http://www.cielab.org/forum/comments.php?DiscussionID=14324&page=1#Item_0

[19.05.2012] Die Vorbereitungstouren sind vorrüber, die Generalprobe steht noch aus!

Die Elbspitzvorbereitungstouren sind mittlerweile vorrüber. Wir haben uns sehr über eure rege Teilnahme gefreut. Wer dabei war weiß, dass die Neuelbspitzler teilweiße hunderte Kilometer weite Anreisen hatten, um schon einmal vor unserem großen Ziel Mitte Juli Elbspitzluft zu schnuppern, das hat uns erneut sehr beeindruckt.

Alles begann mit der Verlegung der Heimat Light auf ein Wochenende, an dem die Temperaturen tatsächlich so waren, dass man am Mückentürmchen auf das Sammeln des Teams warten konnten. Die löchrige Strecke wurde diesmal ohne Durchschläge gemeistert und es gab eine richtige "Spitzengruppe", die aber fast immer hinterherfuhr. Das liegt natürlich daran, dass die "auslassenden" Fahrer eher am Qualifikationsberg sind. "Fast" aber deshalb, weil es noch eine zweite Finishergruppe gab, die das höherer Tempo nicht halten konnte und dank minimierter Standzeiten für die gesamte Strecke kaum eine halbe Stunde länger brutto brauchte, und damit aber mindestens genauso gut den Elbspitzgedanken weiterträgt: Finishen durch entspanntes Fahren unter einem strengen Zeitregime.

Am Ende des Tages hatten 9 Fahrer die Light gefinisht, davon fünf oder sechs Fahrer die Qualifikationszeit geschafft. Die schnellste Zeit von diesen Fahrern war 22:45 (und unterbot die Qualizeit um gute 8 Minuten). Ein Zeit, die ab jetzt in Stein gemeiselt ist und den Teilnehmer an diesem Tag den Atem stocken lies.

Die nächste Tour mit viel Wind und sommerlichen Temperaturen ging zum Jested. Durch die herrlichen Landschaften des Zittauergebirges erreichten wir verspätet trotz der großen Arbeit unserer Arbeittiere und Anwärter auf das rote Trikot das Jeschkengebirge. Leider verhinderte eine Autorally das Befahren des ersten richtigen Berg des Tages, und wir mussten diese Hürde leider auslassen. Ein Feld starker Fahrer fuhr geschlossen über den Sattel des Kristofovo Udoli hinunter in Richtung Eröffnung des Qualiberges. Der wurde vom ersten Meter weg in der Spitzengruppe auf Anschlag gefahren, sodass bis 2 km vor dem Gipfel noch 4 Mann beisammen waren. Unter enormen Krafteinsatz konnten sich dann noch 2 Fahrer lösen und sich für den Rest des Tages so erfolgreich "ruinieren". Wiederrum wurde die Qualifikationszeit um gute 8 Minuten vom schnellsten Bergfahrer unterboten, und wiederrum erreichten etwa 7 Mann die Qualizeit.

Mit viel Rückenwind traten wir verspätet den Heimweg an, der im zweiten Teil sehr hüglig wurde und die Gruppe mehrfach zerstreute, teilweise auch von unseren neuen Tempomachern von der Spitze weg. Meine Güte haben die einen Druck in der Ebenen. Gefinisht haben an diesem Tag trotzdem alle, chapeaux!

Die letzte Qualitour ging zur Meluzina, einem der höhenmeterreichsten Anstiege des Erzgebirges. Das Teilnehmerfeld fiel aufgrund der Wetterprognose diesmal deutlich kleiner aus, dabei blieben wir aber bis auf eine 5 minütige Nieseleinlage trocken. So hatten sich also etwa 10 sehr starke Fahrer (29.5 km/h auf 295 km mit 4850 Hm bei mäßigen Wind) getroffen, um bei km 135 in den Qualiberg einzureiten. Wiederum gab es eine vierköpfige Spitzengruppe, die sich dann bis 2 km vor Gipfel auf zwei reduziert hatte. Die Qualifikationszeit wurde von den Spitzenfahrern diesmal sogar um 9 Minuten unterboten (entspricht 20.5 km/h im Schnitt), was aber durch die annehmen Bergfahrtemperaturen nicht so schwer war wie am Jested.

Einigen hatten die kühlen Temperaturen und das schwere Vorprogramm auf den ersten 80 km stark zugesetzt, sodass die Gruppe nach unseren gemeinsamen Mittagspause sich nach "hinten" verabschiedet hatte. Ab da blieb das homogene Feld weitestgehend zusammen und praktizierte auf den letzten 60 km nicht das angekündigte "Rennen offen", sondern viel mehr gepflegtes Elbspitztempo bis nach Dresden.
 

Alles in allem haben wir von unseren Neulingen viel positive Rückmeldung bekommen, es scheint also Spaß gemacht zu haben. Wir freuen uns darüber, und auch über die hervorragenden Leistungen die ihr gebracht habt. Im Orgateam sind wir nicht ganz zufrieden mit den Vorbereitungstouren. Uns scheint allein durch die Namensgebung und unser Regelwerk - alles wo "Qualifikations..." drinsteht also - zuviel Wettkampfcharakter eingezogen zu sein. Der Elbspitzgedanke stand also nicht im Vordergrund, auf einer letzten gemeinsamen Vorbereitungstour am Sonntag dem 1. Juli wird das anders sein. Auf dieser 400er soll es knackige Pausenzeiten mit vielen Kalorien geben, aber dazwischen eben gemäßigtes Tempo, so wie bei der Elbspitze. Wenn wir permanent Zweierreihe fahren ist das Ausdruck für eine entspannte Atmosphäre im Feld und ein angemessenes Tempo. Unser Ziel wird die Umrundung Prags mit abschließenden Hürden am Erzgebirgssüdhang sein. Euch erwartet die landschaftlich abwechslungsreichste Vorbereitungstour. Mehr zu unserer Generalprobe findet ihr in der Kategorie Vorbereitunstouren.

Uns erhalten in letzter Zeit viele Absagen, aber nur teils krankheitsbedingt. Die Qualifikationszeiten waren hoch angesetzt (keine 10 verschiedene Mann haben sie überhaupt geschafft), aber im Einklang mit unseren anderen "Anmeldekriterien". Wir wollten niemanden damit abschrecken. Sie waren allein dafür gedacht, den vermeintlich besseren Fahrern die Teilnahme zu ermöglich, falls unser Team zu groß wird. Das ist jetzt nicht der Fall, wir sind ein kleines Team, ihr seid Teil dieses Team und fiebert hoffentlich eurer Teilnahme ebenso entgegen wie wir.

euer Elbspitzteam

[12.05.2012] Meluzina 2012 4. große Elbspitzevorbereitungstour

Trotz Eisheiligen gingen wir mit reichlich zehn Fahrern um 7 Uhr in Dresden auf die Reise. Nur ganz kurz bei km 45 in Frauenstein erwischte uns der Nieselregen etwas und ab da wurde es eine schöne aber verdammt harte Vorbereitungstour. Das permanente Auf und Ab und die Temperaturen von 4 - 12 Grad machten uns etwas zu schaffen. Nach km 130 steuerten wir im böhmischen Egertal einen Supermarkt an um vor dem großen Berg Meluzina nochmal kurz zu verschnaufen. Danach gings mehr als 700 hm hoch auf über 1.000 hm. Da es da oben zog wie Hechtsuppe verweilten wir nicht lang und fegten im Mannschaftszeitfahrstil ins Tal. Die 20km bis Jöhstadt brannten in den Schenkeln aber wir belohnten uns danach alle in einem Cafe mit heißen Getränken, Bockwurst, Gulaschsuppe oder Torte. Ab nun trennten sich die Wege so langsam. Eine langsamere Gruppe zog es vor sich nicht mehr dem Tempodiktat der Schnelleren zu beugen und beschloss die verbleibenden 100 km ihren eigenen Weg zu rollern, was auch völlig ok war, da Streckenkenntnisse vorhanden. Die schneller Gruppe feuerte über Augustusburg gen Landeshauptstadt und erreichte Dresden gegen 19:30 Uhr. Angekommen standen zwischen 290 - 310 km auf dem Tacho bei ca. 29 km/h und knappen 5.000hm.

Wir werden voraussichtlich am 1. Juli noch eine längere 400km Vorbereitungstour drehen, die wir rechtzeitig online stellen und Euch wie gehabt auch per E-Mail ankündigen werden.

Sport frei!

Thomas

Trikots 2012

Anbei möchten wir Euch die finalen Trikotdesigns 2012 vorstellen und uns für die Unterstützung unserer Sponsoren bedanken.

   

Team 2012

 

Gelb für den Sieger

   

Bergkönig

 

Aktivster Fahrer

   

Grand Master

 

bester Jungfahrer (bis 25 Jahre)

[11.01.2012] Elbspitze-Vorträge

Für das Event 2012 wird uns der deutschlandweit bekannte Fahrradhändler XXL Emporon unterstützen und dafür sorgen, dass das Projekt Melchboden

ein voller Erfolg wird. Schon jetzt möchten wir die Zusammenarbeit festigen und Euch herzlich zu unserem gemeinsamen Vortrag einladen.

Am 18. Januar (Chemnitz) bzw. 19. Januar (Dresden) habt Ihr die Gelegenheit, die großen sächsischen Langstreckenevents Elbspitze und Fichkona kennenzulernen.

In den kostenlosen  Vorträgen im Fahrrad XXL Emporon wird das komplette Elbspitze-Orgateam über Hintergründe, Aktuelles und Vergangenes berichten und zum Gespräch bereitstehen. Wir freuen uns auf eine rege Teilnahme! Mehr Informationen gibt es hier.

                                 
   

TRAINING

[03.03.2012] Saisonauftakt Langstrecke zum Collm


Nachdem wir nun aufgrund des schlechten Wetters die Tour um eine Woche geschoben hatten, wurden wir für das Warten auf den ersten 200er am vergangenen Samstag, den 03.03. mit allem nur Denkbaren belohnt. Zwar bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, dafür bei strahlendem Wetter standen am Treffpunkt 25 Mitstreiter, die es nun wissen wollten.

Wir hatten die Runde vorab ein wenig „B“-reinigt und so ging es nur morgens ein längeres Teilstück auf der Bundesstraße Richtung elbabwärts nach Niederwartha. Den

ersten Anstieg aus dem Elbtal hinauf nach Weisstropp wurde noch in Manier gefahren. Es schien also eine gesittete Ausfahrt zu werden. Im geschlossenen Feld zogen wir

nun linkselbisch unsere Bahnen über hügliges Terrain Richtung Nossen. Der Rückenwind bescherte uns ein hohes Tempo und gute Stimmung innerhalb der Truppe. Auf kleinen Nebenstraßen hielten wir unseren Kompass auf Rosswein, nach Döbeln gewährte uns die flache Landschaft endlich Einblick in der Ferne auf das, was den

Wendepunkt darstellen sollte – DER COLLM. Er wollte und wollte aber nicht näher kommen, da wir natürlich nicht den direkten Weg gewählte hatten. Bei km130 nahmen

dann die Hungerhaken und Bergflöhe auf einmal Fahrt auf.

Nun wusste Jeder, um was es geht – 1.Platz auf dem 312m hohen Collm. Schnell war das Feld auseinander gerissen. Einige versuchten sich noch im Windschatten der Bergfahrer zu verstecken, denn der Wind blies von vorn. Aber auch das war irgendwann vergebens, denn Mike, Sirko, Alex und Axel machten Druck. Nach der Einbiegung zum Collm begann nach einem kurzen Plattenabschnitt die Pflastersteinpassage, der blanke Hass für die Meisten. Einige Kehren waren es dann doch noch bis zum Ziel,

Einer nach dem Anderen traf mehr oder minder angeschlagen oben ein.

Die Ersten schrien nach einer Pause in Oschatz, denn bis zum Collm wurde durchgefahren. Wir entschieden uns dann für das 18km entfernte Riesa, so dass der zweite Teil der Runde etwas kürzer war. Irgendwie wollten wir doch auch motivieren. Tja, und dann passierte das, was in so einer großen Gruppe auch abzusehen war. Aufgrund einer nicht geplanten Abkürzung durch den Stadtwald ließen sich die vornewegfahrenden GPS-Besitzer nicht beirren und fuhren den eingezeichneten Weg weiter. Kurze Verwirrung, aber in Riesa waren dann alle wieder zusammen, nachdem sich eine Supermarktsuche als das größte Problem des Tages herausgestellt hatte. Sirko schaute auf die Uhr, legte eine Pausenzeit von 30 Minuten fest und Jeder hielt sich dran, 13:30 Uhr saßen wir wieder im Sattel. Die Pause war bitternötig, der Gegenwind und die Distanz zeigte erste Schwerverwundete, die sich aber im flacher werdenden Terrain bis Riesa im Windschatten verstecken konnten.

Nun hieß aber wieder Fahrt aufnehmen in Richtung Großenhain, dem Wind trotzen, aber immer im Hinterkopf- DER EIERBERG. Führungsarbeit wollten also nur Wenige machen, die üblichen Rolleure und Arbeitstiere verrichteten Ihren Dienst im Sinne der Gruppe, während sich andere gedanklich die Angriffspläne für den letzten Fight zurechtlegten.

Dann war es soweit, Jens nutzte den Moment des Führungswechsels und zog nach Höckendorf das Tempo an, im Glauben, der nächste Ort sei Mittelbach. Martin, Alex, Axel und Robert erkannten die Flucht und zogen mit. Letzterer war an diesem Tag nur mit einem Ziel zu dieser Tour angetreten: Sieg am Eierberg. Als Jens dann merkte, dass vorm Eierberg noch eine Pflastersteinrampe vor Großnaundorf dazwischen war, resignierte er und ein wenig später auch Martin. Die restlichen Drei verschärften das Tempo, denn von hinten eilte Sirko mit Björn im Schlepptau herbei. Nun war der Fight im Gange. Jeder am Limit und das bei km180 Anfang März. Mittelbach war erreicht und bald auch der Ortsausgang. Jeder wusste, Kurve rechts und der kurze knackige ca. 1km lange Anstieg offenbart sich.

Auf einmal, Alex schreit: „Zieh durch Robert, Sirko kommt!“ Robert tritt an, ein Loch ist gerissen. Er hält das Tempo hoch, Keiner kommt mit. Alle Versuche der Anderen scheitern, Tagesziel für Robert geschafft. ERSTER AM EIERBERG, der seinem von uns verliehenen Namen wieder einmal alle Ehre gemacht hat, wo er doch eigentlich Eichberg heißt.

Geschlossen ging es nun nach Hause, mit dem Wissen, nicht mehr weit von der Heimat entfernt zu sein. Das reizte Jens am Radeberg-Sprint. Die kleine Welle, kurz nach Leppersdorf, wurde Druck gemacht, Martin und Robert hatten immer noch nicht genug und machten mit. Als der Druck nach der Bergkuppe nicht nachließ, wusste Martin, was ich im Schilde führte und erhöhte nochmals den Druck. Robert  hängte sich in seinen Windschatten, ich mich in Roberts. Es ging abwärts, das gelbe Schild wurde immer größer, ich wartete den Sprint von Robert ab, er zog raus, ich hinterher und mit schmerzenden Beinen und verzehrten Gesicht überfuhr ich die Linie 2m eher. Geschafft, Danke an Martin.

Am Ende standen 220km mit 1500hm auf dem Tacho, reine Fahrzeit 8 Stunden und ohne Platten super durchgekommen. Fazit: Ein gelungener Saisonauftakt und wie ich persönlich finde, ein adäquater Ersatz für die F60-Auftaktrunde. (Jens)

 
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Treff am Terrassenufer 08:00 Uhr

 

Kein Bock auf Abfahrt, lieber quatschen

 

Weisstropp - erster Anstieg geschafft

 

Der 312m hohe Collm

   

   

   

Jens Köppel steht im Wind

 

traditionelle Supermarktpause

 

Erholen auf der Koma-Bank am Eierberg

 

Verabschiedung in Ullersdorf

[22.02.2012] Skitour von Zinnwald nach Mühlleithen von Alex und Sirko

Morgens 6.30 Uhr am Lugsteinhof in Zinnwald, die vermeintlich letzte Chance ruft, die Kammloipe diesen Winter unter die Ski zu nehmen. Ganz ehrlich, 110 km bis zum Fichtelberg hätte mir auch gereicht, aber dank Alex' Elan wird nun also also ein Zug gehen, ich springe auf, an einem Tag von Zinnwald bis Mühlleithen zu fahren, 152 km.
Der Eisregen der vergangenen Nacht ist auf der Schneedecke herrlich gefroren, bei 10 Meter Sicht und Dämmerung geht es erstmal gerade rein in die hellgraue Wand, bis die Loipe auf tschechischer Seite das erste mal unter unseren Füßen aufkreuzt. Wir sind zunächst bis Lesna mit Skatern unterwegs, Alex leiht (oder drängt mir auf ;-)) mir ein Paar perfekt präparierte Ski, und sofort wird mir klar, von welchem Geschwindigkeitsunterschied hier immer geredet wird. In der ersten leicht verharschten Abfahrt erreiche gleich den Maximalpuls des Tages, bei ca 40 km/h reißt es die Ski hin und her, und ich habe Angst zu Stürzen, meine Schulter gibt mittlerweile nicht mehr viel her was Stürze angeht. Das Adrenalin lässt die Pumpe auf 177 Touren kommen, interessant. Also Geradeauslauf haben Skater keine.
Die Kilometer verrennen ruck zuck, mühelos fährt man eher 15 als 10 km/h, ich bremse mich trotzdem ganz bewusst und lasse Alex am Berg immer wieder ziehen. Grundlagentechnisch bin ich noch nicht sehr weit diesjahr. Wenn man da einmal den Motor zerplatzt hat, kann man gleich einpacken!
Mittlerweile ist es richtig hell, aber leider noch alles vernebelt. An der Flaje spühren wir das erste mal, dass schon heute der erste warme Tautag ist, der Schnee ist sehr weich, und etwas tiefer als mir das lieb ist. Hinter der Flaje hinauf zum Göhrener Tor ist nicht maschinell gespurt, aber das wussten wir vorher. Schon 100 Hm über der Flaje trägt die Schneedecke den gleitenden Ski wieder. Bis Mnísek ist es schon richtig warm beworden, die Ärmlinge kommen runter, da bleiben sie bis Medenec. Der Nebel lichtet sich, heute soll schließlich ein richtig schöner Tag werden. Diesmal folgen wir der Loipe entlang der Windräder von Nova Ves und enden im oberen Ort und müssen nur wenige hundert Meter die Ski tragen. Das im Autolassen der Trinkflasche zahlt sich jetzt so richtig aus, der Durst kommt, das Blut wird dick und im Anstieg hinauf zum Lesna steigt der Puls immer weiter an. Oje, genau das wollte ich vermeiden, die Rumpstabilisatoren melden sich auch langsam, meine bisher längste Skiskatingstrecke waren 30 km, jetzt haben wir schon 45 weg, Mahlzeit.
Alex fährt im tieferen Schnee voraus und macht ein paar Fotos. Wolfgang, Chefkoch der Elbspitze und heute unser Edelverpfleger steht zusammen mit Angela in Rudolice bereit zur ersten Pause. Es ist 11 Uhr und wir sind sehr gut im Zeitplan, aber so richtig fühle ich mich nicht nach "noch vier mal solang".

   

Sirko in der Nähe vom Göhrener Tor

 

Kirche in Kalek

Egal, jetzt kommt die Sonne raus und weiter gehts auf klassischen Ski. Letztere sind eine absolute Notwendigkeit für den Abschnitt zwischen Rübenau und Bozi Dar, vor dem wir uns eher fürchten als dass wir uns freuen. Vor zwei Jahren hatten wir uns heldenmütig an der Pressnitztalsperre in der Streckenwahl vertan, diesmal war der strikte Plan, die 23 nach Medenec zu fahren klar, gegen 18 sollten wir frühestens in Bozi Dar sein, das war zumindest mein Gedanke. Also weiter, Alex Ski rutschen wie Sandpapier, und wiederum - wie auch vor 2 Jahren -  wittere ich meine Chance, die Pumpe zu erholen und zu stabilisieren, anstatt endgültig zu platzen. Der Himmel ist jetzt tiefblau, die Sonne brennt, alle Trikots sind geöffnet, in Rübenau sind 7°C im Schatten, und die Ski kleben teilweise in der Loipe. Es macht aber trotzdem richtig Spaß, die Spuren sind gut präpariert, und eine kurzer Getränkestopp in Reitzenhain bremst uns nicht aus. 14.15 Uhr geht es hier weiter auf bis zur Grenze, wo die Loipe gegen eine Traktorspur getauscht wird, die sich hinunter und um die Pressnutztalsperre herum zieht. Am Wiesenhang Richtung Medenec sieht man den Frühling schon in Vormachtstellung, mehr grün als weiß präsentiert sich die Fläche hinauf zur Bahnschiene. Die letzte Abfahrt vor der Wiese passiert dann doch noch das gefürchtet Malheure, schnelle Eisbahn, dann plötzlich Sonne, und die Ski versinken bei rasanter Geschwindigkeit vollständig im Schnee. Die Schulter kugelt sich glücklicherweise schnell wieder ein behinderte mich den restlichen Tag nicht wirklich.

   

Alex am Hirtstein

 

Blick vom Hirtstein Richtung Klinovec und Fichtelberg

   

Und nochmal die beiden Berge 20 km weiter ...

 

Der Meluzina wird bei Dämmerung passiert.


Ab hier dient die Bahntrasse der Orientierung, es geht jetzt auf geradestem Weg auf das Klínovec-Fichtelberg-Duo zu. Gesehen hatten wir die beiden Berge bereits 2 Stunde vorher vom Hirtstein, und sie waren noch immer nicht viel größer geworden. Um Medenec tauchte das erste Stück ehemalige Loipe auf, und weiter Richtung Horní Halze waren dann endlich frische Skispuren mit Motorschlittenuntergrund. Die Kammstraße nach Haj war für Autos gesperrt, stattdessen gingen 2 Loipenspuren die lange Steigung hinauf zum Vysoka Sec. Das war für uns ein Riesenvorteil, denn die Straße spart einige Meter und erlaubte endlich wieder höhere Geschwindigkeiten. Die Sonne war längst hinter dem Keilberg verschwunden, als wir am Meluzina vorbei fuhren; in Haj war es dann endgültig dunkel. Wir arbeiteten uns die Skihänge und Wälder am Klinovec gen Westen, und immer höher, und wunderten uns, dass wir noch immer nicht auf der eigentlichen Loipe waren, die sich aber wirklich erst auf gut 1150 m Höhe befand. Nun war es auch zu spät, das Waldgestapfe hatte einige Zeit gekostet und schon 10 Minuten später waren wir an unserer zweiten Pause bei Wolfgang und FAlex.
"Alex, ich mach das hier nicht mehr mit, wie stellst du dir das vor, wann ihr da ankommt in Mühlleiten". Wolfgang war etwas entnervt, es war mittlerweile schon nach 19 Uhr und noch 48 km zu fahren. Aber mit guter Pausenstimmung war das bald vergessen, Alex war sich eh sicher, dass mit den Skatern jetzt Wunder entstehen würden. Da hatte ich erhebliche Zweifel, die letzten km liefen zwar sehr gut, aber ein großes Tief war eigentlich in meinem persönlichen Tagesplan vorgesehen. FAlex stieg auf das Thema Hungerast und Notaus in Weiterglashütte ein und in mir wuchs die Anspannung. Robert würde wahrscheinlich auch recht behalten, dass wir unser Ziel nicht vor Mitternacht sehen. Das fande ich schon ziemlich schlimm.

Also schnell wieder raus aus dem Auto und nach fünfminütigem Rumgepeile am Straßenrand und auf Parkplätzen war die frisch gemachte Loipe gefunden und durch unsere Stirnlampen erhellt. Die Skater liefen wie Sau, und vielleicht würde jetzt alles sehr einfach werden. Gut war, dass ich die Strecke ab Spicak auswendig kannte und wir den Tag also tatsächlich ohne Verfahren beenden könnten. Gerade in den schnellen Abfahrten nach Pernink und Abertamy kann man schnell mal eine Kreuzung übersehen und kilometerweise Zeit vernichten. Und schnell war die Strecke ... man stelle sich 6 Stunden Tauwetter vor, und dann minus vier grad, da ist sofort klar, wie schnell die Piste wirklich war, HC. Sowas hatte ich noch nicht erlebt.
Ich bremste mich am Berg trotzdem bewusst, der Pulsmesser war zwar längst abgelegt, aber wollte ich Alex' Tempo am Berg nicht mitgehen, irgendwie traute ich dem körpereigenen Frieden nicht, wenigstens bis zur Grenze wollte ich mich zurückhalten.
Aber noch vor Jeleni war auch dieses Projekt abgelegt, es machte einfach zu viel Spaß, und ruckzuck stand plötzlich das Sachsenschild vor unserer Nase, wie ging denn das? 22.15 Uhr, Wahnsinn, ich kannte die Strecke nur unter Qualen auf Reibeisen, aber noch nicht mit richtig guten Ski. "Das ist wie Rennrad fahren" sagte Alex richtigerweise immer wieder. Die Ski waren so gut, dass wir eigentlich permanent nur Schneeflug gefahren sind, wenn es mal wieder bergab ging. Gerade wenn wieder ein Nebelfetzen die Sicht auf 3 Meter verkürzte, war das natürlich eine äußerst vertretbare Maßnahme. Leider verkrampfte sich mein linker Fuß bei jedem Schneeflugeinsatz, aber ab jetzt waren das Peanuts, denn jetzt gings nochmal richtig rund. Die Urgewalt Alex immer wieder vornweg, aber ich versuchte ab nun dranzubleiben, es waren ja nur noch 20 km, jetzt noch mal volle Hütte, genial, nur noch Rausch, die Kilometer verflogen wie auf der Autobahn, nochmal alle Kräfte für die Steilabfahrt kurz vorm Aschberg zusammengenommen, dann reingeknallt in den Gegenansteig und dann noch 2 km Vollgas. Die Laktatwellen zogen sich lang, herrlich, aber leider war gleich das Ziel erreicht. Schon wurden die lauten Jubelschreie in die Nacht von Wolfgang und FAlex erwidert. 23.32, Einritt auf der Skibrücke in Mühlleiten, noch ein lautes "Leck mich, Robert" in die Nacht geschrien und so endet der genialste Tag auf Ski im totalen Rausch!

   

Wiedereintritt nach Sachsen bei Johannstadt

 

FINSIHED!



Unser aller größten Dank haben Wolfgang und FAlex verdient, die uns der Vorhaben so sehr erleichtert und viel mehr noch überhaupt erst möglich gemacht haben. Danke an Alex für dieses fantastische gemeinsame Erlebnis und die respektlose Idee, das Ding durchzuziehen.

Übrigens seid ihr an genau dieser Stelle eingeladen, uns an euren Trainingserlebnissen und Vorbereitungstouren teilhaben zu lassen. Mail sie einfach an sirko@elbspitze.de oder jens@elbspitze.de.
 

 





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