ElbSpitze 2026
Bei besten äußeren Bedingungen und ohne Zwischenfälle haben 29 von 36 gestarten Fahrern das Ziel der Elbspitze 2026 auf dem Passo Giau nach 788 km und knapp 12000 Hm erreicht. Darunter befanden sich erstmals drei Frauen, sie allesamt die komplette Strecke absolvierten. Herzlichen Glückwunsch an alle Teilnehmer und besonders den Wertungstrikotgewinnern.
Unser mit jeweils mehrjähriger Erfahrung ausgestatteter Begleittross um Ecki, Steffen, Vincenz, Robert, Markus, Jakob, Philipp, Torsten, Alex, Alex Jr., Tom, Sven und Tina hat den Teilnehmer ermöglicht, sich voll und ganz auf das Radfahren zu konzentrieren, ein dickes Dankeschön dafür!
In diesem Jahr dürfen wir uns für die Gastfreundschaft der Pausenstützpunkte FC Künzing, Turnverein Obing, Erlebnisbad Schwaz und des Sportverein Klausen bedanken, die uns selbstlos ein Dach über den Kopf und alle Infrastruktur boten, die man für eine ordentliche Verpflegung benötigt! Außerdem erinneren wir uns gerne an die Auszeichnung des Šumava-Königs durch unseren treuen Fan Vaclav.
Unser Sponsoren DieDachklempner Schöne+Fischer, Immo-Partner BasisD, Bäckerei Pfützner, Nautische Instrumente Mühle, Baugeschäft Geißler, Ökosanierung Zeibe sowie die DOGMA Steuerberatung Vyhnalek haben uns auch diesjahr wieder kräftig unter die arme gegriffen, um den Teilnehmerbetrag moderat zu halten.
| Name | Platzierung | Zeit | Bergpunkte (*Master) | Rote Punkte |
| Henning Geerken (Sieger + Grand Master) | 1 | 33:48:00 | 31* | 0 |
| Patrick Ritschel | 2 | 00:02:00 | 84 | 6 |
| André Fischer (Sonderwertung) | 3 | 00:04:00 | 30 | 0 |
| Sirko Kamusella | 4 | 00:10:00 | 72 | 17 |
| Axel Marquardt (Ativster Fahrer) | 5 | 00:29:00 | 13 | 41 |
| René Eschler (Berg Master) | 6 | 00:36:00 | 177* | 1 |
| Daniel Slobodin | 7 | 00:39:00 | 27 | 0 |
| Max Hebeis | 8 | 00:41:00 | 40 | 2 |
| Marcel Gundel | 9 | 00:43:00 | 32 | 2 |
| Jacob Tippelt | 10 | 00:49:00 | 15 | 0 |
| David Stiehl | 11 | 00:55:00 | 3 | 0 |
| Martin Lindt | 12 | 01:00:00 | 58* | 3 |
| Albrecht Kaufmann | 13 | 01:02:00 | 0 | 1 |
| Henriette Beil (Siergerin + Bergkönigin) | 14 | 01:03:00 | 0 | 0 |
| Felix Kersten (Bergkönig) | 15 | 01:06:00 | 136 | 0 |
| Jörg Wimmer | 16 | 01:15:00 | 46 | 1 |
| Dustin Mühle | 17 | 01:16:00 | 0 | 3 |
| Jonas Rabenstein | 18 | 01:21:00 | 25 | 7 |
| Max Herzog | 18 | 01:21:00 | 5 | 0 |
| Hagen Schanze | 20 | 01:43:00 | 35* | 0 |
| Therese Grimm | 21 | 01:47:00 | 0 | 0 |
| Paul Vincent Rosch | 21 | 01:47:00 | 0 | 3 |
| Michael Lüdecke | 23 | 01:49:00 | 102* | 0 |
| Nico Böhme | 24 | 01:51:00 | 4* | 18 |
| Michael Möckel | 25 | 02:00:00 | 3* | 0 |
| Eva Dengler | 26 | 02:04:00 | 0 | 0 |
| Stephan Thomas | 27 | 02:04:01 | 12* | 0 |
| Mario Budig | 28 | 02:06:00 | 9* | 0 |
| Gunnar Schramm | 29 | 02:11:00 | 19* | 1 |
Wie immer seid ihr angehalten und eingeladen eure Erlebnisse hier zu veröffentlichen! Einfach eine Email an info@elbspitze.de, dann erscheint eure Geschichte hier.
Es folgen die bisher eingetroffenen Berichte von
ElbSpitze 2026 (Eva)
=== Vorbereitung ===
Die Elbspitze ist etwas, was sowohl mich als auch Jonas, meinen Freund, schon länger fasziniert. Seitdem wir im Winter 2021/2022 drübergestolpert sind nach unserer ersten 500km-Tour, hat es mich nicht mehr so ganz losgelassen: das muss ich irgendwann mal fahren! Für das Jahr 2022 waren wir auch beide angemeldet - jedoch hat uns dann Verletzung und Krankheit einen Strich durch die Rechnung gemacht. Und ehrlicherweise denke ich jetzt im Nachhinein, dass ich damals noch nicht genug Lebenskilometer gehabt hätte, um es so genießen zu können, wie es dieses Jahr dann passiert ist. In den Jahren dazwischen standen bei uns dann allerhand andere sportliche Ereignisse am Schirm: Langdistanz- und Extrem-Triathlons, einige Übernacht-Fahrten von Erlangen nach Potsdam und zurück, viele Kilometer und Erfahrungen auf langen Touren, und natürlich das Verfolgen des Livetickers der Elbspitze ;-)
Im Herbst 2025 stand dann die Frage im Raum, ob man das mit dieser Elbspitze im kommenden Jahr nochmal angehen möchte: Ich hatte im Oktober eine OP am Fuß, das hieß dass im kommenden Jahr die Triathlons besser etwas warten sollten und ein verstärkter Fokus aufs Radfahren wunderbar passte. Ich hab länger mit mir gehadert, ob es nun schon an der Zeit ist, es nochmal zu probieren. Bei der V4, der wir 2025 beigewohnt hatten, war ich ja ganz gut mitgekommen (wenn auch am Ende des Feldes). Ein bisschen hin und her, und die Entscheidung war dann doch gefallen: Es wird angemeldet, sobald es geht! Das Jahr selbst bis dahin bestand aus vielen längeren Touren am Wochenende, 2 Wochen auf Mallorca, und die Teilnahme an einigen V-Touren, um die Gruppe kennenzulernen und mir zeigten, dass durchkommen drin sein sollte!
Fast forward zu Anfang Juli: In der Woche davor schön brav eine Liste geschrieben und alles in eingepackt. In viele schöne Beutelchen, damit man in der Pause schnell fertig ist und lecker Kuchen konsumieren kann! Aber: Wie soll das in den 30L Packsack passen?! Mein 80L Rucksack war schon mehr als halb voll.. aber gut, wird schon werden, das ist gerade mal die Packliste und nicht wirklich irgendwie mehr. Aber naja, sonst muss ich mir in der Früh dann eben noch was überlegen. Die Anreise am Donnerstag Morgen mit der Deutschen Bahn lief erstaunlicherweise (und positiverweise!) problemfrei. Dann hatten wir noch den ganzen Donnerstag, um die Frauenkirche auch von innen zu besuchen, zu entspannen und Reis zu essen. Auf Tipp von Max H. (welcher wohl?) gab es noch ein lecker Schoko-Eis, bevor es ab ins Bett ging.
Die Nacht selbst war dann erstaunlich gut, bis auf ein paar Albträume: Mein Allerwertester brennt und ich kann nicht mehr sitzen; meine Hände sind taub und ich kann nicht mehr bremsen; und, der allerschlimmste: Es hat dreimal gehupt und ich such noch meinen Helm... Kaum wach, war die Nervosität wieder da. Schaffe ich das? Das ganze Jahr darauf trainiert, extrem viel Grundlagenkilometer und das andauernde Fahren im "roten Bereich" -und sich davon wieder erholen- geübt (~3.6 W/kg Schwelle sind halt nicht die optimalerweise gewünschten >= 4 W/kg...), aber wird es jetzt wirklich was? Aber eine andere Option als Losfahren gab es jetzt nicht mehr. Und wer nicht probiert, der wird es ja nie wissen, gell? Ich stand also gut nervös mit meiner besseren Hälfte Jonas an der Frauenkirche mit meinem 80L großen Reiserucksack an der Frauenkirche. Nach und nach trudelten alle Fahrer ein, einige kannte man schon von den V-Touren, wo man gemeinsam jedes Mal schon eine tolle Zeit erlebt hatte. Es war schon einfach echt schön, wie viele Leute sich an uns aus Erlangen erinnert haben und persönlich uns Glück gewunschen haben - danke an euch alle, das war wirklich schön, wie man willkommen geheißen wurde :)
Also als nächstes den Packsack abgeholt und alles eingeladen. Gleich auch das schöne Elbspitztrikot angezogen, wirklich angenehmes Trikot! Glücklicherweise war mehr als genug Platz in dem Beutel, und alle Tüten haben problemlos reingepasst. Beutel abgegeben, und der letzte Angst-Besuch der Toilette im Hotel. Zurück, gings schon auch gleich los in die Radschuhe und Richtung Foto vor der Frauenkirche. Fahrrad geholt, und nach der Ansage der Rennleitung gings auch schon los mit einer Runde um die Frauenkirche. Schon etwas unreal: Geht es jetzt wirklich schon los? Ja, das Feld bewegt sich weg über das Kopfsteinpflaster hin zur ersten Ampel. Die Elbspitze hat gestartet.
=== Etappe 1 ===
Die erste Etappe führte uns als Feld erst einmal durch Dresden und leicht wellig aus dem Stadtgebiet raus in Richtung Dresden. Die Gruppe rollte schön, ich hatte mir einen Platz in der vorderen Hälfte des Feldes gesucht. Das Tempo war angenehm, deutlich angenehmer, als es auf den V-Touren gefahren wurde - es hat sich sehr gut angefühlt! Für den Kontext aber: Jede Kuppe war bei mir über meiner Schwelle. Langsam wechselte die Nervosität zu Vertrauen, dass ich es wirklich schaffen kann, wenn es jetzt so weiter rollt. So ging es konstant "locker" weiter, man hatte schöne Gespräche in der Gruppe und lernte nach und nach ein paar Mitfahrer*innen kennen. Am Zinnwald angekommen, ging es nun in der Gruppe gut lang bergab. Uff. Eigentlich dachte ich, ich bin keine super schlecht Abfahrerin, aber das zählt halt nur im Kontext von Triathleten. Reihenweise schossen die anderen Radler an mir vorbei, obwohl ich selbst mit 70-80km/h auf der nassen Straße unterwegs war. Das sollte sich auch im weiteren Verlauf durchziehen und nicht besser werden, doch hierzu später mehr...
Dadurch, dass ich die Abfahrt vorsichtiger gefahren bin, war ich nun mit Max am Ende der Gruppe angekommen. In Tschechien mussten wir nun in Einer-Reihe fahren, was natürlich hieß, dass wir ganz am Ende der Gruppe jetzt den besten Zieharmonika-Effekt einer 40-Mann-Gruppe in vollen Zügen erleben durften. Die Bundesstraße war zudem leicht wellig, was diesen Effekt nochmals verstärkt hat. Hier musste ich laut meiner Aufzeichnungen am meisten Körner liegen lassen. Immerhin war ich mental ja bestens auf solche Abschnitte vorbereitet, und dann tut es auch gar nicht mehr so weh. ;-) Nach der Bundesstraße ging es dann wunderschön wellig weiter durch Tschechien. Jedes Mal wieder einfach nur geil zum Radfahren, ich beneide die Dresdner Radgruppen immer wieder um diese Nähe zur Grenze. Zwei Bergwertungen warteten noch auf uns, welche ich schön entspannt als Besenfrau gefahren bin, um Körner für den Rest der Tour zu sparen, und wir fuhren bei mehr oder weniger perfektem Wetter weiter bis zur Pause.
Nachdem ich nicht genau einschätzen konnte, wie lange die 30 Minuten denn dann wirklich sind, hab ich erstmal zügig das Notwendige zum Weiterfahren erledigt: die Flaschen mit Zuckerwasser nachgefüllt sowie mich mit Sonnencreme eingecremt, die Ärmlinge verstaut usw. Danach ging es ab ans Buffet, wo ich mich erstmal nach ein paar Brötchen mit Apfelsaft durchs Kuchenbuffet durchprobiert habe. Bevor es weiterging, blieb auch noch genug Zeit, sich entspannt auf eine Bank zu setzen und bei nettem Gespräch auf den Start in die zweite Etappe zu warten.
=== Etappe 2 ===
Die Beine fühlten sich nach wie vor gut an, und das war auch wichtig, denn die ersten beiden Etappen sollten die stressigsten für mein Fahrerprofil sein - was mir auch Sirko in der Pause meinte, wenn ich hier durchkomm, dann ist das Schlimmste geschafft. Wellig fuhren wir weiter durch Tschechien, wobei ich weiterhin die Devise "in der Gruppe mitfahren was sein muss, am Berg bei ~85% FTP so tun als wäre es entspannend" durchgezogen habe. Als dann das Pannenfahrzeug hinter mir an der nächsten Bergwertung sogar noch meinte, ich könne theoretischerweise sogar noch langsamer, fiel langsam der Rest der Anspannung ab: Ich kann es jetzt wirklich einfach genießen und bin nicht hinter der Karenzzeit - danke an Robert und Vince, auch wenn ich nicht langsamer gefahren bin, war das sehr beruhigend und meiner guten Stimmung zuträglich. Der Flüssigkeitsbedarf auf den Etappen passte bei mir glücklicherweise auch genau zu den Flaschen, die ich selbst dabei hatte. Durch meinen kleinen Rahmen war ich leider auf 2x 750ml Flaschen begrenzt (mehr geht nicht rein), die ich in den Pausen immer mit jeweils 120g KH beladen wollte. Und trinken muss man ja eh. ;-) Bis zur Pause rollte das Feld auch hier schön weiter, und im Nu hatten wir die zweite Pause erreicht.
=== Etappe 3 ===
Kurz vor der Weiterfahrt gab es jetzt die Durchsage, dass die Fahrer in der ersten Reihe durchaus noch etwas entspannter fahren können, da es aus dem Feld schon kleine Beschwerden gab. Die erste Person hatte auch in der zweiten Etappe schon die Gruppe verlassen müssen. Ich hatte kein Problem damit, noch etwas Energie aufzusparen, war aber ehrlicherweise überrascht, dass nicht ich das Wort ergreifen musste - ich hatte mich aber auch präventiv gut in der Gruppe platziert und hatte neben der Zieharmonika-Fahrt auf der Bundesstraße nahezu immer eine sehr gute Position in der Gruppe halten können. Das spart natürlich extrem Kraft, vor allem bei dem bisher welligen Profil, und ich ziehe meinen Hut vor jedem, der im hinteren Teil des Feldes mitgekommen ist.
Jetzt kam aber nach 10km Anfahrt die Auffahrt zum Böhmerwald. Ich dachte, dass diese Auffahrt wohl so wird wie die letzten: Ich als Besenfrau und rotes Licht der Gruppe. Doch auf dem längeren Anstieg war das Tempo hinten im Feld etwas niedriger als an den Anstiegen davor, und ich konnte die Auffahrt größtenteils mit Max H. (welcher wohl :D) verbringen - danke für deine Zeit! Zu zweit ging es gleich leichter, und wir sind auch im Laufe des Anstieges auf eine weitere Gruppe aufgefahren. Langsam merkte ich die gute Erfahrung auf langen Touren: auch nach mittlerweile c.a. 10 Stunden konnte ich noch gut konstant treten, ohne dass sich signifikante Ermüdungserscheinungen eingestellt hätten. Das war natürlich mental extrem gut - ich hatte ja von Anfang an gesagt, ich brauch nen guten Tag, dann wird das. Und ich hatte nicht nur einen guten, sondern bislang einen nahezu perfekten Tag erwischt. :D Weiter gings mit einer schnellen Abfahrt nach Bayern. Jetzt sah alles wieder eher so aus, wie wir es von daheim kennen. Witzigerweise sind wir durch Regen gefahren, wo ich mit 7 Jahren meinen ersten Eiskunstlaufwettkampf außerhalb des Heimatvereins absolviert hatte. Schöne Erinnerungen auf jeden Fall ;-) Danach kam noch eine Doppelbergwertung, jetzt war die Abschlussgruppe am Anstieg schon etwas größer und wir konnten uns gut über die verschiedenen Typen von Autofahrern unterhalten, die man klassischerweise so sieht. Münchener Kennzeichen = Achtung, LKW-Fahrer = können Auto fahren, ... Wissenschaftlich fundiert waren unsere Studien zwar nicht, aber der Anstieg ging so schnell vorbei. Oben erinnere ich mich noch, dass es extrem viele Fliegen gab. Gut, dass wir nicht so lang warten mussten wie die ersten... :D
Die letzten Kilometer bis zur Nachtpause sollten jetzt eigentlich recht entspannt werden: Abfahrt, und dann nur noch flach zur Pause rollen. Aber Gottchen, hat mir diese Abfahrt einen Schreck eingejagt. Der gute Rückenwind, der uns bisher auch zügig durch den Tag befördert hatte, war in diesem Abschnitt ein guter Seitenwind. Für mich als kleinere Fahrerin auf dem Aerorad mit tiefen Felgen war diese Kombination dann irgendwie nichts... mein Vorderrad fing plötzlich bei 60 Sachen das Schwingen an wie ich es noch nie hatte. Sch****. Und ich fahr auch noch recht weit vorne in der Gruppe... Irgendwie versucht, das unter Kontrolle zu bekommen, ein Sturz meinerseits würde ja auch die ganze Gruppe lahmlegen. Alle fuhren an mir vorbei, bis ich mich wieder gefangen hatte. Puh. Glück gehabt. Es wurde flacher, ich traute meinem Rad wieder. Ich musste jetzt allerdings einen Vollsprint hinlegen, um wieder an die Gruppe zu kommen. Aber diese Erfahrung mit dem Wind, das war echt gruselig. Und es tat mir auch echt leid, dass ich alle Fahrer*innen so ausgebremst hatte, weil ich das Bergabfahren einfach nicht hinbekommen hatte. Leider war das dann auch nicht die letzte Abfahrt, die schnell werden konnte. Und ich hatte ab dem Moment einfach nur Angst, wieder so eine Böe zu erwischen, was natürlich nicht förderlich ist, wenn man noch knapp 500km zu fahren hat. Noch mit dem Kopf in der Abfahrt rollten wir dann über eine breite Straße mit ein paar roten Ampeln weiter, und langsam legte sich der Schock aus dem Moment wieder: Was blieb mir jetzt denn auch anderes übrig, als einfach weiter zu fahren?
In der Pause war wieder unser bestes Verpflegungsteam da und erwarteten uns schon. Da waren alle Sorgen wie weggeblasen. Und es gab Suppe mit Würstchen. Und extra Würstchen. Mann war das gut! Davor noch alles zum Weiterfahren fertig machen, sonst bin ich immer so nervös, dass ich was vergesse. Am Fußballplatz gab es auch noch ein Wasserbecken, also die klebrigen Flaschen und das klebrige, salzige Gesicht frei waschen. "Salz, gutes Stichwort" dachte ich mir, mein Körper signalisierte mir, dass ich da doch etwas mehr bräuchte. Also gleich bisschen Salz in die Flaschen, zusammen mit der Suppe war das dann auch wieder im Lot. In dieser Pause mussten wir dann auch unsere Lichter montieren, denn auch wenn wir deutlich vor dem Zeitplan waren, sollte es in diesem Abschnitt dunkel werden. Was ich auch sehr positiv fand: ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch ohne irgendeine Art von Koffein durchgehalten. Der Plan war, das weiterhin, so gut es geht, hinauszuzögern. Noch sollte es gut gehen. Es kam auch die Frage, wer beim Zeitfahren dabei wäre. Ob ich Bock auf sowas gehabt hätte? Ja! Ob ich danach noch mitgekommen wäre? Nein! Ob ich irgendwas gerissen hätte? Nein! Hab ich es dann klugerweise sein lassen? Ja!
=== Etappe 4 ===
Aber damit auf auf die Anfahrt zum Start des Zeitfahrens. Jonas hatte zwar etwas Husten seit Mitte der Woche, aber wollte sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen. Also einmal viel Erfolg gewunschen, als die Zeitfahrer stehen geblieben sind, während das Feld weiterfuhr. Sirko kam als erster am Feld vorbei, schön im Einteiler und mit gut Druck. Kurz danach folgte Jonas, worauf ich mehrmals angesprochen wurde mit Aussagen wie "Is das dein Männchen? Der war ganz schön schnell!". Und ja, das ist mein Männchen, das gut Druck machen kann :D Auch wenn er am Ende André den ersten Platz lassen musste, war die Leistung definitiv stark, und die Aussagen berechtigt! Kurz danach kamen André und Max quasi zeitgleich an uns vorbei. Max hatte vorhin mit mir am Böhmerwald noch darüber philosophiert, dass das doch dumm sei, und er nur unnötig Energie verschießt, aber er hat halt Bock und wills machen. Also war es ihm da eigentlich schon klar, dass er das machen wird. Aber dennoch hat er lang gezögert, ob das ne kluge Idee ist. Nein, ist es nicht. Aber ist die Elbspitze eine kluge Idee...? Die Gruppe kam am Ziel des EZF zum Stehen, und einer der Zeitfahrer fehlte noch: Albi. Er kam auch bald an - und verlangte umgehend nach Klopapier. Was er damit genau angestellt hat... wir werden es nie erfahren ;-)
Die Gruppe, jetzt wieder vereint, rollte durch den Sonnenuntergang. Bis zur nächsten Pause sollte es recht flach und dadurch ereignisfrei werden. Ein paar Stats und kleinere Ereignisse: (a) Mir gings noch gut, der Rücken tat nicht weh (typische Schwachstelle bei mir), keine Druckstellen, Eva happy. (b) Das "Training", übermüdet durch Brandenburg zu fahren, ist nicht nutzlos: man kann sich auf solchen Etappen irgendwie doch noch motivieren, einfach mitzurollen. (c) Gunnar hat ein echt krasses Rücklicht, sodass er erstmal am Ende der Gruppe fahren musste, bis er den Modus gewechselt hat. (d) Einmal haben wir uns auf ner Auffahrt verfahren und wären fast in die andere Richtung auf die Bundesstraße aufgefahren. (e) Jörg hat irgendwann seine Kette verloren, der Reparaturwagen hat ihn aber glücklicherweise recht schnell wieder zum Fahren gebracht.
Bei der Pause in Obing wurden wir dann von einer Wuidsau in Empfang genommen. Nachdem wir durch den Rückenwind wirklich flott unterwegs waren, wurde die 4. Pause auf 1h20min verlängert: wir durften nicht zu früh bei der nächsten Pausenstation ankommen. Also erstmal geduscht, nachdem uns der dortige Verein netterweise extra eine Dusche für uns Damen aufgesperrt hatte. Danach lecker Nudeln mit Tomatensauce und Würstchen. Endlich wieder was Deftiges! Durch die lange Pause war dann neben dem Duschen auch noch Zeit für einen Powernap - ob der wirklich gut war, weiß ich aber nicht. Man hatte es versucht. ;-) Plötzlich wars auch ziemlich kalt. Eigentlich wollte ich nur Knielinge anziehen, aber ich hatte mich dann doch für das volle Set aus Beinlingen und langer Jacke entschieden. Beim Verpflegung einpacken machte ich aber einen Fehler: "Ich war ja vor der Pause noch fit und wach, dann brauch ich auch jetz noch kein Koffeingel mitnehmen!". Ein böser Trugschluss...
=== Etappe 5 ===
Man rollte wieder an, was nach so einer langen Pause doch immer einfach keinen wirklichen Spaß macht. Aber es ging erstmal noch zu einer Bergwertung, um wieder aufzuwachen und sich aufzuwärmen. Die war eher kurz, dafür steil. Und oben am Ziel ging es auch steil: in der dortigen Hütte war wohl eine kleine Party und ganz viele Blinkelichter, wo ein paar der Partygäste uns etwas argwöhnisch beobachteten. Lang hatte ich nichts davon, und es ging gleich weiter in eine etwas reudige Abfahrt: Schlaglöcher, unebener Teer... Nachdem der Hügel aber nicht so hoch war, gings auch nicht so weit bergab.
Auf den folgenden Abschnitten merkte ich aber immer mehr die Nachwirkungen der langen Pause: ich war müde! Wenn Jonas+ich zu zweit unterwegs sind, heißt das, dass man sich aus seinem Gepäck irgendein Koffeingel sucht oder die nächste Tankstelle anfährt. Option 1 war nichts, ich hatte ja keins mitgenommen. Option 2 war auch nichts, wir waren ja jetzt erstmal noch 100km bis zur nächsten Pause unterwegs. Aber ich war müde! Also nächster Trick, die Mitfahrer um mich rum angesprochen dass ich müde bin. Sie waren es auch. Damit war das Gespräch recht kurz, und der gewünschte Effekt eines wachhaltenden Gesprächs nicht vorhanden. Bald war Jonas an meiner Seite, den ich dann fragte, ob er klüger gewesen sei als ich und eventuell etwas Koffein abzugeben hätte. Mein allerbester Freund hatte zwei Gels eingepackt, und würde mir im Fall der Fälle eins abgeben. Puh, Glück gehabt. Auch Max H. (welcher wohl? :D kleiner Hinweis, derselbe wie davor!) hatte mir ebenfalls ein Koffein-Gel angeboten, doch ich versuchte noch stark zu bleiben und selbst mit meiner Fehlplanung klarzukommen! Aber, ich wiederhole mich, ich war müde! Es ging zwar erst noch leicht konstant bergauf, was zur Wachheit beitrug, doch als wir dann ins Inntal hineinrollten, rollte Jonas nur mit einem Gel in der Hand zu mir und sagte: "Nimm, das wirkt!". Es war eins der Maurten Koffeingels. Maurten als Getränk funktioniert bei mir prima, aber die Gel-Konsistenz, die ist sowas von furchtbar. Und die Gels sind ja geschmacksfrei, das heißt man schmeckt in voller Wucht das Koffein raus. Buäh - allein die Konsistenz und der bittere Koffeingeschmack haben mich in dem Moment vollkommen wach gemacht. Und so ekelhaft ich die Gels finde, sie waren in dem Moment meine Rettung. Aber ich war halt echt müde, doch das Gel brachte mich mit ausreichend Aufmerksamkeit für das sichere Fahren in der Gruppe zur nächsten Bergwertung, die ja einfach durch die Anstrengund wieder wach macht. In Kombination mit dem Gel und dem kontinuierlichen Knabbern an einem Riegel (Erkenntnis: man kann da echt lang dran rumknabbern) und der Vorstellung, dass ich mir dort erstmal eine Flasche mit Cola voll machen kann, hat es dann zur nächsten Pause gereicht.
An der Pause angekommen! Also Cola in die Flaschen, wer braucht schon überteuerte Sportgetränke. Dann noch ein Schnitzel, eine Gurke mit viel zu viel Salz, etwas Rührei, und nochmal ein kleines Nickerchen auf dem warmen Boden. Faszinierend ist aber im Nachgang, wie viele Erinnerungen ich noch an diese Etappe habe, auch wenn sich diese hauptsächlich auf die Grundessenz "müde" zurückführen lassen. Für die Folgeetappen war ich aber klüger, und packte mir sowohl Koffeingummibärchen als auch Gels zu der Cola dazu in meine Taschen.
=== Etappe 6 ===
So. Es ging auf zum Brenner. Nach der auch hier etwas längeren, aber nicht ganz so langen Pause ging es nun wieder deutlich besser. Langsam wurde es auch wieder Tag, was bei mir immer die Laune nochmals steigert. Nach etwas Warmrollen ging es dann den ersten Anstieg dieser Etappe hoch, den Patsch. Mir war aber schon länger klar, dass ich einmal kurz im Wald verschwinden musste. Also Gelegenheit gleich genutzt! Danach ging es deutlich schöner weiter. Besonders schön war aber, dass mich meine bessere Hälfte seit dem EZF an den Anstiegen begleitet hatte und auf meiner Höhe blieb, um Energie für die Schlussetappe zu sparen. Oben angekommen, hatte ein weiterer Fahrer die Elbspitze beendet, und ein anderer war stark am Kämpfen. Was es nicht leichter machte, war die folgende Fahrt zum Start des Anstiegs zum Brenner. Aber was ein toller Blick. Die Sonne kam langsam hinter den Bergen hervor, und die ganzen kleinen Straßen durch die Dörfer, einfach toll. Mit den ganzen Kurven und hoch-runter war dieser Abschnitt jedoch alles andere als leicht zu fahren und die Gruppe zerriss in mehrere Teile. Max und David versuchten, den Fahrer wieder zu motivieren, aber sie mussten feststellen, dass "nur noch 100km mit 4500hm" nicht motivierend klingt, wenn man schon vollkommen am Ende ist. Also leider nochmal ein Fahrer weniger auf dem Anstieg zum Brenner. Langsam konnte ich aber mein Zuckerwasser nicht mehr sehen. Es war einfach nur klebrig, und es schmeckt auch einfach nur nach Zucker. Aber meine klugerweise eingepackten Gels waren noch lecker. Auf den Brenner ging es mit der extra Energie nochmal richtig gut!
Jetzt kam für mich persönlich einer der schlimmsten Abschnitte auf der Tour: die Abfahrt der Demütigung. Ich erinnere an meine Probleme mit dem flatternden Vorderrad, und nun standen eine mittelsteile, ewig lange Abfahrt auf breiter Straße mit viel Fläche, wo der Wind durchziehen kann, am Programm. Und ich hatte einfach Angst, mein Vorderrad würde wieder nicht tun, was ich von ihm möchte. Alle schossen bergab. Nur ich nicht. Es war zu viel. Vermutlich kam auch noch die Übermüdung hinzu, die den blasenden Wind in meinen Ohren noch lauter hat wirken lassen. Danke an dieser Stelle, dass die Gruppe unten nach dem steileren Teil auf mich gewartet hat, danke danke danke. Ab hier ging es nun etwas flacher bergab weiter, sodass ich wieder die Geschwindigkeit der anderen gut halten konnte. Mit dem beginnenden Tag wurde es nun auch schlagartig wärmer, und in immer noch langer Jacke und Beinlingen war es jetzt gut warm. Zur Pause, die gefühlt direkt nach der Abfahrt kommen solte, waren es aber immer noch gut 30km, also noch ne Stunde. Dieser Streckenteil fühlte sich einfach ewig an, vermutlich auch durch den starken Verkehr vom Brenner bergab. Das ging zum Glück alles gut. In einer Situation war es jedoch recht knapp, als ein Bus einfach vor uns reingezogen ist - zwar verständlich, dass 30 Radfahrer die Straße schon gut blockieren, gefährlich war es jedoch allemal.
Und dann waren wir bei der letzten Pause angekommen. Unreal. Jetzt "nur noch" die letzte Etappe... mit 90km und 3800hm. Erstmal nicht drüber nachdenken, sondern ab zum Essen! An dieser Stelle möchte ich noch einmal den Kuchen hervorheben, der doch besonders lecker war, auch nach über einem Tag Radfahren konnte man diesen noch genießen! Ansonsten war jetzt ja Zeit für Frühstück mit Schokomüsli, Wassermelone und ner Flasche Cola. Die kam auch gleich wieder direkt aufgefüllt ans Rad, ebenso die für Jonas, der als einer der vier schnellsten vom EZF 10 Minuten früher auf die Strecke ging. Für den Rest des Feldes hieß es dann aber noch kurz durchatmen und eincremen, denn die Sonne war jetzt wieder richtig stark. Im Kopf war die nächste Etappe immer noch nicht ganz angekommen, was das eigentlich für ein Brett ist. Aber wird schon, jetzt sind wir bis hier her gekommen, jetzt hält uns nichts mehr auf!
=== Etappe 7 ===
Die Taschen nun vollgestopft mit Werkzeug (der Reparaturwagen wird durch das verteilte Feld nicht immer in der Nähe sein) und Verpflegung (wir sind ja doch noch ein paar Stunden unterwegs bis zum Ziel) sowie Windweste und Ärmlinge für die Abfahrt, ging es auch für den Rest des Feldes auf die Etappe. Kurz nach der Weiterfahrt, vielleicht 2km, flog mir ein unbekanntes Fliegetier ins Gesicht. Ich schlug es mit meiner Hand aus meinem Gesicht, was das Fliegetier wohl nicht so toll fand, und mich direkt in den Oberarm stach. Aua. Problem an der Sache: Meine Hyposensibilisierung aufgrund einer Wespengiftallergie war zwar abgeschlossen, aber sicher ist man damit nie, deswegen hatte ich auch die ganze Fahrt schon meinen Epipen im Trikot dabei. Die Stelle fing an zu pochen. Das kanns jetzt nicht sein, dass mich das zum Aufhören zwingt... Aber gut, pragmatisch gedacht, was will ich jetzt machen? Ich entschied mich für Warten und Beobachten, der Epipen ist da, im schlimmsten Fall bin ich ja nicht weit weg vom letzten Verpflegungsstopp. Kurz darauf ging der Anstieg zum Sellajoch los, dort hatte ich direkt zu Beginn etwas Tempo rausgenommen und beobachtete die klassischen Reaktionen auf einen Stich. Schlucken ging klar, die Lippen wurden nicht pelzig, das Jucken blieb akzeptabel und breitete sich nicht auf den ganzen Körper aus. Nach einer halben Stunde hatte sich nichts an dieser Situation geändert - ein Glück, jetzt sollte nichts mehr passieren.
Am Anstieg selbst kam es Stück für Stück zur Grüppchenbildung, ich selbst war irgendwann in einer Gruppe aus 4 Leuten unterwegs. Gunnar meinte irgendwann, er wollte aufhören. Davon hatten wir nichts gehalten, das schafft er jetzt auch noch! In der Auffahrt kam mir erstmal die Frage in den Sinn, ob ich jemals schon 1700hm so konstant am Stück gefahren bin. Und es war warm. Hier ein großer Dank an das Team, das uns unterwegs immer wieder mit Wasser, Cola und Kofola versorgt hat! Und landschaftlich wurde es immer besser, was ein geiler Ausblick! Oben am Sellajoch sagten uns auch Robert und Vince, wir seien gut im Zeitplan und sollen einfach weiterfahren. Das klang gut. Unterwegs hatte ich es auch noch irgendwie geschafft, meine Maurten-Flasche leer zu trinken - das Angebot auf etwas Kofola im Austausch war einfach zu verlockend ;-)
Danach ging es erstmal in die Abfahrt. Nach den bisherigen Abfahrten konnte ich die leider nicht so wirklich genießen, im Hinterkopf noch das Schlingern. Aber dann halt etwas langsamer den Berg runter, gewinnen werd ich hier eh nichts. Im Tal unten war es dann auch wieder gut warm - oben hatten wir noch die Windwesten anziehen müssen. Und auf zum nächsten Pass! Der Fedaja war deutlich einfacher zu fahren, meist irgendetwas um die 6-7 Prozent bergan. Oben nach ein paar Tunneln wartete dann wieder unsere Kofolalieferung - wirklich top! Und danach der Blick auf den See dort oben. Ich hätte schon gute Lust, da reinzuspringen, aber wir waren ja wegen etwas anderem hier. Den Fedaja runter wurde das Abfahren auch nicht besser: zu steil, dadurch zu schnell, zu viel Wind, zu wenig Konzentration durch zu lang wach -> ungute Gesamtkombi. In diesem Zug umso mehr Dank an die anderen aufs Warten unten im Tal, von dort als Team weiter zu fahren war schon nochmal richtig gut! Unten wartete aber neben meinen Mitstreitern auch ein Brunnen auf mich, und die Stimmung ging direkt wieder hoch mit dem kalten Wasser. Und jetzt muss ich ja nich mehr bergab, wa?
Den finalen Anstieg zum Giau ging es zunächst flach, und wir haben zu dritt noch etwas gequascht. Nach dem ersten Teilstück, vor den finalen 9 steilen Kilometern, hieß es nochmal am Brunnen stoppen und Flaschen mit Wasser beladen sowie den Kopf in den Brunnen tunken und auf ins finale Stück. Es war echt faszinierend, wie konstant die Steigung über die letzten 9km war: konstant 9-10%, bis auf zwei Brücken über einen kleinen Bach. Und es hörte auch einfach nicht auf. Hier teilte sich unsere Gruppe auch etwas auf, je nach Gangwahl am Rad. Ich war froh um meine Kompaktkurbel mit 11-34er Kassette hinten, das Glück hatte nicht jeder, und einer unserer Gruppe stiefelte im Stehen die Kehren mit einem 36er vorn und einem 28er hinten hinauf. An sich war die Auffahrt aber genial: ein toller Blick! Da haben die Dolomiten schon einfach was faszinierendes, für mich war es auch das erste Mal in dieser Gegend. Und das Gefühl, man sei gleich da: nach so einer langen Reise, nach der Vorbereitung das ganze Jahr, körperlich wie mental, den ganzen (schönen) V-Touren, der Frage, ob es nicht nur theoretisch, sondern auch tatsächlich umsetzbar ist, und jetzt nur noch einstellig Kilometer bis zur Ziellinie, und wir hatten noch mehr als genug Zeit, um uns nicht gestresst hochkämpfen zu müssen. 3km vor Ende begann mein Fuß -der Operierte- plötzlich ekelhaft zu brennen an - jeder Druck tat weh. Aber was soll man jetzt tun? Wenn man stehen bleibt, wird es ja auch nicht besser. Zu diesem Zeitpunkt war ich zusammen mit Stephan unterwegs, was nochmal motivierte einfach weiter zu drücken, Mario musste nach seiner langen Partie im Stehen mal kurz eine Pause einlegen und Gunnar holte sich auf den Kehren zum Giau nochmal moralische Unterstützung von seiner Frau, die uns alle anfeuerte und Extramotivation mitgab. Dann dachten Stephan und ich, jetzt sei es gleich geschafft - die Bergkuppe in Sicht, noch 1.5km verbleibend. Um die Kurve gefahren und wir sahen unser Ziel. Leichtes Gefluche von meinem Mitfahrer, dass es doch noch so weit sei - und ehrlicherweise hätte das Haus auch noch ein paar Meter näher sein dürfen :D
Die letzten Kehren waren in der Tat magisch: Wir haben es gleich geschafft, es ist so verrückt, es wird wahr. Sooooo verrückt! Oben gab es einen wunderschönen Empfang: Mein Schatz hatte es auch überlebt und konnte mich oben mit einer Umarmung in Empfang nehmen. Die ganze Rennleitung, das Pannenfahrzeug, alle gratulierten uns zum Finish, wie souverän ich das durchgezogen hätte, immer mit einem Lächeln im Gesicht. Mal Hand aufs Herz, ohne diese Begleitung und Unterstützung hätte ich das so nicht machen können. Ein grandioses Event! I did it! Und damit hatten es auch alle drei Damen geschafft, die an den Start gegangen waren.
=== Etappe 8 ===
Wir warteten noch auf die anderen beiden unserer Gruppe. Mir ging es auch noch unerwartet gut, dafür, dass wir jetzt knappe 36h unterwegs waren. Alse viel Gewalt hatten die Beine nicht mehr, aber die Euphorie übers Geschafft-Haben hat das wohl ganz gut überspielt. Damit ging es jetzt noch die 20km ins Tal hinunter zur Unterkunft. Auf der Abfahrt musste ich 3x stehen bleiben um meine Schuhe lockerer zu machen und immer wieder die Hände ausschütteln. Die Abfahrt hatte auch gesamt noch 17 Höhenmeter intus. Das mag zwar vor allem im Vergleich zu der bisherigen Tour lächerlich klingen, aber die ganze Gruppe schlich förmlich diese minimale Steigung hinauf und man hörte vermehrt Beschwerden über die schweren Beine. Ich traute mich auch langsam wieder ans Abfahren - langsam, aber sicher ankommen als Ziel, was auch wunderbar geklappt hat. Im Hotel haben Jonas und ich dann beschlossen, der Aufzug sei besser geeignet um aufs Zimmer zu kommen, und erstmal geduscht. Wie zwei neue Menschen gingen wir beide dann zu den anderen Mitfahrern, und wir tauschten uns alle über unseren einzigartigen Erfahrungen aus. Viele Leute musste man auch erst neu kennenlernen: Ohne Helm und Sonnenbrille waren einige nicht mehr zu erkennen... :D
Hier möchte ich auch meinen Bericht beenden, nachdem wir das Radfahren hinter uns gelassen haben, und noch ein paar abschließende Worte verlieren: Es war eine wunderbare Ausfahrt, wo für mich nahezu alles gepasst hat - und ein Grund, wieso ich doch auch immer gute Laune hatte ;-) Das war aber nicht nur meine Leistung, sondern ein ganz besonderer Dank gilt auch meinen Mitfahrer*innen und dem gesamten Orga- und Begleitteam. Ich hab im ganzen Jahr auf den V-Touren und vorallem auch bei der Elbspitze selbst so viele neue Leute kennengelernt und Eindrücke sammeln dürfen. Das Orga-Team hat wirklich keine Wünsche offen gelassen, stets freundlich, hilfsbereit, motivierend und hatten alles da, was man in den jeweiligen Momenten gebraucht hat.
Ein ganz besonderer Dank gilt auch meiner besseren Hälfte, und zwar in mehreren Punkten, die ich hier auch gar nicht alle auflisten kann, deshalb hier ein kleiner Auszug: Er hatte sich als erster von uns beiden die Elbspitze als Ziel für 2026 gesetzt, während ich noch am Zögern war, ob ich denn gut genug sei, um erfolgreich ins Ziel zu kommen. Dass die Entscheidung so gefallen ist, dass man es ja irgendwann mal probieren muss, erzählen die oberen Absätze ja von selbst - und es war eine wunderschöne Erfahrung. Dadurch konnte ich die Elbspitze schon dieses Jahr das erste Mal erleben. Die gemeinsame Vorbereitung über das ganze Jahr hinweg war auch extrem cool, dass man sich als Paar auf dasselbe Ziel fokussiert und dadurch auch die vielen Kilometer für die ausreichende Grundlage zusammen absolviert hat. Vorallem sei aber auch die Unterstützung während der Elbspitze selbst erwähnt: Jonas ist die Elbspitze zwar als eigenes Rennen gefahren, war aber dadurch immer wieder als vertraute Person an meiner Seite und man konnte sich unterwegs unterstützen. Besonders schön war auch, dass wir nach dem EZF auch die Bergwertungen zusammen gefahren sind, was an die vielen gemeinsamen Stunden in der Vorbereitung erinnert hat.
Es wird sicherlich auch nicht die letzte Elbspitze gewesen sein: Die Kombination aus Extremdistanz und Gruppenfahrt ist einfach einzigartig und hat mich nachhaltig begeistert. Mal sehen, vielleicht zum 20-jährigen Jubiläum ja wieder... ;-)
PS: Das Ende der Geschichte mit dem Flattern des Vorderrades: Ich fahr jetzt einen breiteren Lenker mit 38cm anstatt 36cm Breite (das Neuverlegen der innen verlegten Züge und Schaltkabel hat sich wirklich gelohnt, was das Fahr+Sicherheitsgefühl angeht!), und bei windigeren Bedingungen die flacheren 42mm Felgen anstatt der Aero-Felgen mit 58mm. Man wird immer wieder schlauer, was für einen selbst funktioniert. ;-)
ElbSpitze 2026 (Patrick)
Von der Idee zur Anmeldung
Meine persönliche Elbspitz-Geschichte beginnt im Jahr 2025 genau ein Jahr vor der eigentlichen Teilnahme. Durch ein paar Freunde bin ich damals auf den WhatsApp-Channel aufmerksam geworden und das Interesse war schnell geweckt. Rund 800km und 12.000hm am Stück – wer macht so etwas?! Verstehen konnte ich das nicht wirklich, umso neugieriger und gespannter war ich aber, als es los ging. Der Live-Ticker war klasse, man konnte die durch die vielen Details, die kurzen Interviews und permanente Updates gefühlt live dabei sein. Den ganzen Freitag hatte ich das Renngeschehen verfolgt, Samstag Morgen nach dem Aufstehen das erste: checken, was in der Nacht passiert ist. Und so blieb es bis zum Ende, man hatte sich innerhalb dieser wenigen Stunden von „ich weiß, was Elbspitze ungefähr bedeutet“ zu „wäre es nicht cool, sich dieser Herausforderung mal selbst zu stellen?“ weiterentwickelt…
Die Gedanken sollten mich nicht mehr loslassen, aber der Respekt war immens und der Glaube, gut genug für eine Teilnahme 2026 zu sein, war nicht wirklich in mir. Im Spätsommer ergab sich diese Diskussion mit ein paar meiner besten Freunde, allesamt auch leidenschaftliche Radfahrer. Einer davon war von der Idee so angetan, dass es schon bald kein Zurück mehr gab: Marcel war genau so angefixt wie ich, aber er hatte weniger Bedenken. Für meinen Vorschlag, das Frühjahr 2026 mal rankommen zu lassen und je nach Form über eine Teilnahme zu entscheiden, hatte er wenig bis kein Verständnis. „Das ist doch Quatsch! Lass uns gleich im Oktober anmelden, dann müssen wir, dann gibt’s kein Zurück!“ Und so ists dann auch gekommen. Kaum war das Ziel bekannt gegeben und die Anmeldung möglich, gab es kein Zurück. Unmittelbar vorher hatte ich mir sämtliche Seiten auf der Elbspitze-Homepage durchgelesen. Und wieder kamen kurz die Gedanken: ist das wirklich eine gute Idee?! Ein paar Minuten später eine Nachricht von Marcel: „bin angemeldet“. Okay, damit blieb kein Raum mehr für Zweifel – meine Anmeldung ging ebenso raus. Wichtig dafür war auch die Unterstützung meiner Frau: dass im ersten halben Jahr das Radfahren volle Priorität haben würde, war auch ihr klar, aber sie stand voll hinter mit. Schließlich hatte ich ihr von Anfang an versprochen, dass das eine einmalige Aktion werden würde…
Die ausgiebige Vorbereitung
Die konkrete Vorbereitung sollte dann ab Neujahr starten. Nachdem ich am 31.12.2025 erstmals die 10.000 Jahreskilometer vollmachen konnte, war klar, dass es in 2026 deutlich mehr sein muss, um mit gutem Gefühl an den Start zu gehen. „Wenigstens 8.000km bis zur Elbspitze“ – so sah der Plan aus. Erfahrungsgemäß finden bei uns oben im Gebirge in den ersten 3 Monaten nicht allzu viele km draußen statt. Rolle war also das Mittel der Wahl, und es war ätzend. 4-5 mal in der Woche, viel Grundausdauer, stinkende Radklamotten und irgendwann hatte man gefühlt auch Youtube einmal durchgespielt. In dieser Zeit hatte es keinen Spaß gemacht, aber das Ziel war klar und der Ehrgeiz war groß genug. Umso schöner, als es endlich wieder raus ging und die ersten großen gemeinsamen Touren anstanden. Die erste große Runde war traditionell die V1 – und damit viele bekannte Gesichter nach einer langen Indoor-Saison. Die Eierbergrunde bin ich auch in den Vorjahren mitgefahren, doch dieses Mal hatte es sich anders angefühlt - die Motivation war eine andere. Es folgten weitere 300+ Kilometer Runden bei den nächsten V-Touren sowie andere, ziemlich bescheuerte Touren. Ein Beispiel: der Spreewald-Marathon im April. 8 Uhr Start – bedeutete für Marcel und mich 2 Uhr nachts Abfahrt in Altenberg. Hier und da stand schon die Frage nach dem Sinn im Raum, aber 8.000km bis zur Elbspitze müssen ja auch irgendwie zusammen kommen.
Die weitere Vorbereitung ließ nach und nach die Zweifel geringer werden. 6 straffe Tage auf Malle Anfang Mai, mehrere Stoneman, und V4: die vorletzte Tour zum Keilberg sollte auch die allerletzten Zweifel beseitigen, Max Hebeis hatte zudem keine Chance ausgelassen, mit maximalem Optimismus in die letzten Vorbereitungswochen zu gehen (danke Max!). Am Wochenende der V5 wollten wir in großer Gruppe (Freunde und Familie) mal bei der Fichkona mitrollen. Schließlich war das nochmal eine gute Möglichkeit, die Tauglichkeit für Langstrecke, Müdigkeit, Dunkelheit und Gruppenfahrt (und Fahren bei verdammt beschissenem Wetter) zu checken. Das Thema Müdigkeit war ausbaufähig – ein gutes Learning aus einer ansonsten sehr zähen Veranstaltung, und in keinster Weise mit der Elbspitze vergleichbar! Zu guter Letzt stand spontan noch ein Stoneman mit Axel und David auf dem Programm – ein finaler Härtetest. Alles lief perfekt, die Form stimmte, die Vorfreude war groß – auch weil die Tour mit meinen beiden Mitfahrern riesigen Spaß gemacht hat. Aus den 8.000km bis zur Jahreshälfte sind es am Ende sogar 10.800km geworden, also im halben Jahr mehr als meine persönliche Bestleistung.
Etappe 1
Und so sollte es am 3. Juli endlich so weit sein. Zahlreiche Freunde, Familie und Arbeitskollegen hatten sich bereit erklärt, morgens mit an der Frauenkirche zu starten und uns bis nach Hause nach Altenberg zu begleiten. Die Stimmung war fantastisch, das Wetter sollte es gut mit uns meinen und das Abenteuer konnte beginnen. Und auch die letzten Bedenken waren ausgeräumt: das Elbspitze-Trikot hatte gepasst! Los ging es also in Richtung Gebirge, und die Herangehensweise war auch klar: zurückhaltend fahren, im Feld mitrollen, keine unnötigen Kräfte verschießen. Schließlich hieß das einzige Ziel: Ankommen! Finishen! Alles andere wäre Bonus. Aber jeder, der mich kennt, weiß auch, dass solche Pläne schnell mal über den Haufen geworfen werden – und auch diesmal hielt der Plan nur bis zur ersten Bergwertung: „irgendwo in Altenberg stehen noch ein paar Freunde, da kann ich doch nicht hinten im Feld ankommen“. So kamen schon dort die ersten Punkte in der Bergwertung auf das Konto, und damit auch der erste Anschiss meiner Frau: „du wolltest doch langsam fahren an den Bergen, und nicht angreifen“. Naja, so war der Plan :D So ging es ab Altenberg ohne Begleiter über die Grenze nach Tschechien und damit begann die Elbspitze nun wirklich, das Einrollen war beendet. Etappe 1 rollte sich bis zur Pause ziemlich gut, die Gruppe brauchte aber etwas Zeit, um ein gutes Tempo zu finden.
Etappe 2
Nachdem man sich ordentlich gestärkt hatte, ging es weiter in die wunderschöne Landschaft des böhmischen Beckens. Sich im vorderen Feld aufzuhalten, war hier Gold wert – das wellige Profil sorgte weiter hinten im Feld immer wieder für den klassischen Ziehharmonika-Effekt: man musste schon ordentlich Watt anlegen, um der Gruppe zu folgen. Zwei Bergwertungen und eine wirklich tolle Kulisse zierten diesen Teilabschnitt, an dessen Ende es zu Pause 2 an der Tankstelle ging. Also wieder Akkus aufladen, ordentlich verpflegen und hier und da ein paar Gespräche führen. Zwischenfazit: Wetter perfekt, Strecke herrlich, Gruppe fantastisch, Beine voll im Soll!
Etappe 3
Zum Start in Etappe 3 gab es nochmal den Hinweis, ein bisschen rauszunehmen, um die weiter hinten fahrenden nicht zu stark ans Limit zu bringen. Allerdings stand ohnehin erstmal die Bergwertung zum Böhmerwald auf dem Programm. Erstmals hatte ich hier ein Auge auf ein paar Bergpunkte geworfen. Dass sich Felix die Gesamtwertung holen würde, war schnell kein Geheimnis. Dahinter hab es aber den ein oder anderen Punkt abzustauben. Als kleine Gruppe mit Rene Eschler und Michael Lüdecke fuhren wir weite Teile gemeinsam und kamen recht schnell oben an. Es folge wenig später die Doppelbergwertung Rusel/Hainstetten, und das ganze Spiel wiederholte sich. Zudem sammelten sich hier einige Bergpunkte an, und mir kam der Gedanke, dass ein Platz unter den ersten 3 in der Bergwertung auch ganz nett wäre. Bringt zwar nichts, aber schön wärs trotzdem… Pause 3 in Künzing war auch bald erreicht.
Etappe 4
Wichtigster Punkt hier: auf Nachtmodus umbauen. Also Licht ran, Kette mal nachwachsen war auch eine gute Idee. Verpflegen, Flaschen auffüllen, frisches Trikot, Toilette – die Zeit war schnell rum und als es weiter ging, habe ich bemerkt, dass ich fast der Einzige im kurzen Trikot war. Keine Armlinge, keine Weste, nichts dabei. Kurze Panik, doch schon ging es weiter, es musste bis zur nächsten Pause funktionieren! Der 4. Teilabschnitt war herrlich, die Abendstimmung war beruhigend, die Sonne stand tief, kaum Berge. Einige Kilometer zum genießen. Die 5 Verrückten beim EZF haben es ordentlich krachen lassen, absolut beeindruckend. Dass ich daran nicht teilnehmen würde, konnte mir auch Ecki in der vorangegangenen Pause nicht ausreden! Erst zum Ende der Etappe wurde es merklich frisch und so kam die nächste Pause zur rechten Zeit.
Etappe 5
Die Nachtpause wurde aufgrund der guten äußeren Bedingungen und des damit verbundenen hohen Tempos ein bisschen verlängert. Zeit genug also, um zu duschen und sich richtig warm für die Nacht anzuziehen. Außerdem gab es eine ordentliche Stärkung: 2 Teller Nudeln mussten rein! Bei der Weiterfahrt hatte kurz der Garmin gestreikt, Erinnerungen an die Fichkona kamen hoch (dort ist mir der alte Garmin im Regen schon bei der Anfahrt zum Fichtelberg abgesoffen…). Nach einigen Augenblicken ging es dann aber doch problemlos weiter. Es folgte die Rampe zur BW Stocka mit über 10% im Schnitt – ich konnte als Erster anschlagen. Durch die Nacht kam ich zum Glück ohne große Müdigkeitsprobleme, ein paar Gespräche und die ein oder andere Koffein-Tablette haben gute Dienste geleistet. Es folgte noch eine Bergwertung auf dem Weg zur nächsten Pause in Schwaz, bevor es langsam wieder heller wurde.
Etappe 6
Pause 5 am Schwimmbad in Schwaz war etwas zäh: viele nutzten die Zeit für einen kurzen Powernap, mir war in dem Moment aber nicht nach Schlafen, das Rührei zum Frühstück war großartig :D ein nächstes Zwischenfazit fiel auch hier positiv aus, die Nacht war gut überstanden, Ernährung und Verdauung (die 2 für mich großen Unbekannten) hatten ebenso keine Probleme gemacht. Und Beine und Hintern fühlten sich auch noch super an. Auf Teilabschnitt 6, dem letzten vor dem Finale, wartete der zweigeteilte Anstieg zum Brenner und ich hatte mi hier als Ziel gesetzt, den zweiten Platz hinter Felix Kersten in der Bergwertung abzusichern. Kurz vor Innsbruck ging es also hinauf nach Patsch, anschließend gleich weiter hinauf zur italienischen Grenze, wo mich Max Hebeis in bester Sprintermanier ein paar Meter vor der Ziellinie noch angefangen hat – Platz 3 am Brenner. Von Dort sollten die nervigsten Kilometer folgen: der Radweg wurde abgewählt, es sollte über die Straße nach Klausen zur letzten Pause gehen. Die Italiener waren nicht allzu begeistert, umso zufriedener waren alle, als die letzte Pause erreicht wurde. Hier galt es nochmal Akkus aufladen, Trikottaschen gut füllen und auch an den Sonnenschutz musste man denken, inzwischen war es extrem heiß.
Etappe 7 – Sellajoch
Mit 10 Minuten Rückstand auf die vier erfolgreichen Zeitfahrer ging es also auf den siebten und letzten Teilabschnitt. Von Klausen bis zum Ziel auf dem Passo di Giau warteten nun „nur“ noch 93km und knapp 3800hm – und die wichtigste Frage galt es schon vorher zu beantworten: mit welcher Taktik geht man ins Finale? Nach kurzen Gesprächen mit Marcel und Max in der Pause war ich auch nicht viel schlauer, nur eins war klar: keine eigene Attacke, höchstens mitfahren, wenn es möglich scheint. Die letzten 7 flachen Kilometer des Tages war direkt Feuer drin. Felix drückte mächtig aufs Gaspedal, dahinter eine größere Gruppe von schätzungsweise 10 Leuten in Einerreihe. In Waidbruck verließen wir dann die Brennerstraße und es ging in den 30km langen Anstieg zum Sellajoch. Kurz nach Beginn hatte Felix seine Arbeit getan – er nahm raus, die Bergwertung war ihm ohnehin nicht mehr zu nehmen. Von nun an also in gemäßigtem Tempo weiter? Natürlich nicht, Max ging direkt in die Offensive, so wie er es in der Pause angedeutet hatte. Ich ging mit, dazu Henning und Marcel. Das Tempo war enorm, über 300 Watt, um Max‘ Hinterrad zu halten, waren eigentlich zu viel. „Bleib dran, wir müssen nur erstmal ne Lücke reißen, danach können wir ein bisschen rausnehmen“ waren seine Worte. Zu viert konnten wir uns schnell ein gutes Stück absetzen, die Lücke war da. Dann aber fiel Marcel hinten ab und konnte nicht mehr mitgehen. Zu dritt wechselten wir uns gut in der Führungsarbeit, aber ich hatte selbst auch den Eindruck, dass ich bei der verbleibenden Distanz ein Stück rausnehmen sollte… Henning hingegen sah noch gut aus – ich ließ ihn kurz später davonfahren und wollte mit Max ein gutes Tempo finden. Zu meiner Überraschung hatte er aber auch den Anschluss verloren und war in dem kurvigen Streckenabschnitt nicht mehr zu sehen.
Also ab jetzt solo weiter? Eine andere Option ergab keinen Sinn, die Lücke zu Henning wurde größer und größer, das letzte mal hatte ich ihn weit vor mir auf den langen, geraden Abschnitten nach St. Ulrich gesehen. Meine gesetzten Ziel-Watt musste ich zudem immer weiter nach unten korrigieren, es war zäh. Es ging durch St. Christina und Wolkenstein in die letzten 8 Kilometer und kurz nach dem Abzweig zum Grödnerjoch hatte ich wieder jemanden im Sichtweite: Max Herzog und damit einer der vier Zeitfahrer. Nach ein paar Worten und einem „wir sehen uns auf dem Passo Giau“ fuhr ich vorbei und alleine weiter zum Sellajoch. Ziemlich fertig oben angekommen wurden am Teamfahrzeug schnell die Flaschen aufgefüllt und es ging in die rasante Abfahrt nach Canazei. Der Verkehr verlangte ein gewisses Risiko, aber Zeit in der Abfahrt zu verlieren, war auch keine Option – schließlich ist der Spaß auf solchen Streckenabschnitten immer besonders hoch. 😊 Außerdem wusste ich, dass meine Frau Julia mit unserem Hund Yoshi an der Strecke stehen und nochmal anfeuern wird.
Etappe 7 – Passo Fedaia
In Canazei angekommen ging es direkt in den vorletzten Anstieg zum Passo Fedaia. Im Vergleich angenehme 600 Höhenmeter und nicht zu steil – der Fedaia fuhr sich einigermaßen gut und ereignislos. Am Pass angekommen sollten noch ein letztes Mal die Flaschen aufgefüllt werden, zu meiner Überraschung traf ich nicht nur das Teamfahrzeug an, sondern auch Sirko, unmittelbar vor mir oben angekommen ist. Auch hier ein paar Worte, viel reden konnte ich aber nicht, der Körper war längst im Energiesparmodus, und es wartete mit dem finalen Anstieg ja noch eine echte Hausnummer. Gemeinsam mit Sirko ins Tal nach Caprile und den Giau hoch – das schien ein guter Plan. Geschafft haben wir es gemeinsam aber nur den Fedaia-See entlang bis zum Beginn der Abfahrt, und in dem Moment fiel mir der Satz von Dustin vom Vortag ein: „die Abfahrt vom Fedaia ist geil, da kannst du über 100 fahren“. Der Verkehr war überschaubar, das Wetter perfekt, wieso also nicht? Also doch wieder mit voller Attacke in die Abfahrt. Sirko hatte ich dadurch verloren, in Caprile angekommen war er nicht mehr in Sicht.
Etappe 7 – Passo Giau
Im Kopf hatte ich immer wieder meine Position im Rennen versucht, einzuordnen. Platz 4 also, als es in den finalen Anstieg ging (dass das am Ende falsch war, wusste ich in dem Moment nicht). Den Giau hatte ich vor einigen Jahren beim Stoneman Dolomiti schon einmal von der gleichen Seite befahren, damals aber halbwegs frisch und nicht mit 770km in den Beinen. Dementsprechend waren die Erinnerungen daran gut, die Realität hingegen war ernüchternd. Die ganzen steilen Streckenabschnitte nach Selva di Cadore verlangten dauerhaft den Rettungsring, 230 Watt waren das Ziel, und der Blick ging nahezu ununterbrochen zum Garmin – immer die verbleibenden Höhenmeter im Blick. Knapp 6km vor dem Ziel dann die Überraschung: auf einmal waren Andre und Henning wieder in Sichtweite. Die Gedanken in meinem Kopf waren in dem Moment völlig verrückt: ich wünschte mir, sie nicht gesehen zu haben und nicht zu wissen, dass sie direkt vor mir sind. Einfach weiter meine 230 Watt bis zum Ziel treten, das erschien mir in der Situation als die bessere, entspanntere Option. Aber klar, die Lücke musste unbedingt geschlossen werden, da war auf einmal ein Platz auf dem Podium drin (immernoch in der Annahme, auf Platz 4 zu sein). Das Schließen der Lücke waren vielleicht die schlimmsten Minuten der ganzen Elbspitze, die Motivation aufgrund des möglichen Podiums hat mich völlig überziehen lassen, aber zumindest war ich an den beiden dran. Andre sah in etwa so aus, wie ich mich gefühlt habe – völlig leer und auf der letzten Rille unterwegs. Allzu lange waren wir dann aber nicht zu dritt unterwegs. Henning und ich konnten das Tempo noch einmal ein Stück erhöhen und uns absetzen, Andre fiel zurück. Das gleiche Schicksal ereilte mich aber ein paar Kurven später, Henning konnte nochmal nachlegen und somit wieder ein paar Meter zwischen uns bringen. Absolut am Limit musste ich ihn ziehen lassen, gleichzeitig war es mir in dem Moment aber auch völlig egal, ob es am Ende der zweite oder der dritte Platz ist. Einfach noch die letzten Meter durchhalten und dann ist es geschafft, Podium in Reichweite.
Ziel
Die letzten Meter waren dann doch fast nochmal zum Genießen, schließlich war klar, dass es am Ende nicht nur für ein Finish und damit für meine persönliche Zielsetzung reichen würde, sondern das auch noch auf Platz 3. Umso größer war meine Überraschung, als die letzte Kehre hinter mir lag und Ecki und das Team mich oben in Empfang genommen hatten: überglücklich und völlig leer war das Ziel erreicht, und dann stand da Henning - mit dem Siegerkranz! „Hast du etwa gewonnen?!“ fragte ich und beglückwünschte ihn daraufhin. Nach kurzer Auswertung waren dann auch die Fragezeichen in meinem Kopf ausgeräumt: Jonas, der ebenso mit 10 Minuten Vorsprung auf das letzte Teilstück gegangen war, muss wohl mit Problemen irgendwo am Streckenrand gestanden haben, während ich ihn überholt habe. Mitbekommen hatte ich das nicht.
Die Freude über das Erreichte war in dem Moment grenzenlos, es war einfach eine perfekte Tour! Einziger Wehrmutstropfen für mich: da wir so viel schneller unterwegs waren, als es die Marschtabelle vorgegeben hat, war ich eher im Ziel als Julia, die mich eigentlich am Gipfel zusammen mit Yoshi in Empfang nehmen wollte. So kam sie gute 10 Minuten nach mir oben an. Die nächsten Fahrer erreichten nach und nach das Ziel und jeder war sichtlich gezeichnet von den Strapazen der letzten Etappe. Besondern gefreut hat mich der Zieleinlauf von Marcel, schließlich hatten wir uns im vergangenen Herbst mehr oder weniger zusammen dazu entschieden, die Elbspitze in Angriff zu nehmen, das erste halbe Jahr 2026 umfangreich als Vorbereitung zu nutzen und dafür ach komplett auf Alkohol zu verzichten. Es hatte sich in diesem Moment zu 100% gelohnt – und wir uns mit dem ersten gemeinsamen Bier in 2026 belohnt!
Eine letzte Abfahrt vom Pass bis nach Cortina d’Ampezzo blieb uns aber noch: und die wurde standesgemäß genossen. Mit Vollgas und den letzten Kräften zusammen mit Marcel und Max Hebeis gings nochmal ordentlich zur Sache, der perfekte Ausklang meiner Elbspitz-Premiere. Mit den beiden in eine Abfahrt zu gehen, ist einfach ein Traum!
Ein großes Dankeschön zum Schluss an alle Beteiligten hinter der Elbspitze – es war von ersten bis zum letzten Meter perfekt organisiert und wird ein unvergessliches Erlebnis bleiben.
Meine 5. ElbSpitze! (Steffen)
Aber nicht falsch auffassen. Ich bin die ElbSpitze nie als Teilnehmer regulär gefahren. 2022 begann es damit, dass ich nach vielen Jahren Verfolgung des Traums, dieses Monument zu schaffen, mit einer „leichten“, „silbernen“ Variante, bei der wir die Strecke mit einer Zwischen-Übernachtung in 2 ½ Tagen zu dritt gefahren sind. Wen das interessiert, kann es im Bericht nachlesen.
Seitdem bin ich Teil der Orga und war zweimal in der Verpflegung und dieses Jahr zum zweiten Mal in der Rennleitung bei den Helfern mit dabei.
Am Anfang war das für mich sehr aufregend und im letzten Jahr war ich der Meinung, dass es in der Rennleitung überhaupt am anstrengendsten sei. Wir hatten kaum je Zeit auch nur für eine kurze Pause und Ecki setzte mehrfach seine große Erfahrung als Rettungssanitäter ein, um mit dem Auto schnell genug am nächsten Punkt unserer Aufgaben einzutreffen. Ich fühlte mich überfordert und habe alles wie eine einzige Grenzerfahrung empfunden.
Und in solchen Situationen einfach ruhig und besonnen bleiben, das schaffe ich wohl nie. So fuhr ich in diesem Jahr nach dem Start erst mehrfach falsch, bis wir endlich aus Dresden rauskamen. Wir nahmen die direkte Strecke auf der B170 und warteten hinter Possendorf oben in Rundteil auf das Feld.
Trotzdem war es dieses Jahr vom Start weg viel entspannter für mich. Wir hatten als Orga in den letzten Jahren mehrere Abläufe der Planung und Teile der ElbSpitze selbst besser organisiert. Es war alles gut vorbereitet und klarer, auf was es immer wieder genau ankam. Das Auto von Jörg Wimmer von Basis d war etwas kleiner als der Transporter im letzten Jahr aber übersichtlich eingeräumt und so fühlte ich mich fast schon ein wenig routiniert auf dem Weg zur ersten Bergwertung kurz vor Altenberg.
Der Aufbau des Ziels der Bergwertungen war immer wieder hektisch und manchmal kaum zu schaffen, zumal wir die jeweiligen Orte auch immer erst vor Augen hatten, wenn wir dort kurz vor dem Feld ankamen und entscheiden mussten, wie wir es dieses Mal machen wollten. Ecki ist es trotzdem oft gelungen, noch den Zielstrich mit Kreide zu markieren und wir haben die Fahnen und meist auch die Gasse aufgebaut, um die Einfahrt in der richtigen Reihenfolge notieren zu können.
Robert haben wir einmal beobachtet, wie er die Nummern einfach ins Telefon sprach. Früher gab es Versuche, Videos aufzunehmen. Die Auswertung hat aber viel Zeit gebraucht. Doch die Reihenfolge als Sprachnachricht oder auch als Textnachricht ins Telefon zu sprechen haben wir von da an immer wieder genutzt und das ging richtig gut.
Für die Rennfahrer ist es bestimmt wenig nachvollziehbar, warum wir sie oben angekommen erst noch durch eine Gasse zwängen. Aber manchmal kam eine Gruppe von 5 oder mehr gemeinsam oben an und wenn die Gruppe dann durchrauscht, kann man keine Nummer erfassen. Inzwischen habe ich die gewiss nicht neue Idee, vorn am Rad eine Startnummer zu montieren, um mehr Zeit für die Erfassung der Nummern zu haben.
Ecki und ich haben uns als Fahrer laufend abgewechselt. Ich bin meist nach der Pause gefahren und nach der ersten Bergwertung habe ich die Reihenfolge der Fahrer in unsere Tabelle eingetragen. Wer möchte, kann sich diese gern mit dem Link ansehen. Um die 3 Damen an den Bergwertungen separat zu erfassen, hatte ich die Tabelle nochmals erweitert. Aber ich war mir sicher, dass alles funktionieren würde, und ich freue mich, mit den Bildern, die die Zwischenergebnisse mit den Wertungstrikots und damit mit unseren Sponsoren verbinden, einen Beitrag für unseren öffentlichen Auftritt im Kanal zu leisten.
So habe ich alles dieses Mal viel entspannter empfunden und war weit weg von einer Grenzerfahrung. Und ich war erfreut und beeindruckt, wie kompakt und geschlossen das Feld in diesem Jahr unterwegs war. Immer wenn wir hinter dem Feld fuhren, sah es aus wie eine Perlenkette, keine Lücken, keine Fahrer, die mühsam am Ende des Feldes die letzten Körner verschossen und verzweifelt den Anschluss behalten wollten. Ja, Tomasz musste sehr zeitig aussteigen, aber dann hatte ich den Eindruck, wir würden alle ins Ziel bringen.
Und die Frauen rollten mit viel Humor souverän mit dem Feld mit. Henriette kam bei 3 giftigen Anstiegen sogar vorn auf Platz 6 oder 7 an der Wertung an. Wir freuten uns sehr, dass auch dieser Teil der ElbSpitze so gut funktionierte.
Und dann flog uns die Situation nach der langen Bergwertung Patsch auf dem Weg zum Brenner auf einmal um die Ohren. Das Feld war zerrissen, manche fuhren alleine weiter und und zu einem Fahrer hatten wir ganz den Kontakt verloren. Sirko hatte vorausgesagt, dass das Feld entlang der Ellbögen schwer um den Zusammenhalt würde kämpfen müssen. Es war nicht gelungen. Auch ich war gezeichnet von der Nacht ohne Schlaf und kam an meine Grenzen.
Im Nachhinein muss ich gestehen, dass ich in dieser Lage nicht mehr alle Teilnehmer im Blick hatte. Irgendwie wollte ich auch vor allem nur noch ins Ziel und hätte mit meinen Argumenten auf der Suche nach Lösungen einige Fahrer einfach zurückgelassen. Doch wir haben uns in diesen Momenten wieder gut verständigt, das Feld wurde zum Sammeln angehalten, einzelne Fahrer fanden wieder Anschluss, der Verlorene tauchte wieder auf und die Bergwertung zum Brenner lief wieder geordnet und noch mit reichlichem Polster zum Zeitplan.
So wie schon in vergangenen Situationen andere für mich eingesprungen waren, als ich mich gleich zu Beginn der Bergwertung hoch nach Stocka auf den schmalen Wegen durch den Wald verfahren hatte, Ecki daraufhin die Fotokarre schnell und ruhig instruierte und Torsten mit seiner Besatzung die Bergwertung erstklassig abgenommen hatte, als wir endlich hinter den letzten Fahrern auf den engen Wegen oben angekommen waren.
Diese Ereignisse machen die ElbSpitze für mich in diesem Jahr mit am wertvollsten und ich komme dabei nicht an meiner Arbeit (Sondermaschinenbau) vorbei, bei der in die Projekte von unzähligen fragwürdigen Leitern reingeredet und dabei immer wieder normale Situationen zum Chaos hoch gepuscht werden.
Wir haben bei der ElbSpitze keinen Leiter oder gar Vorgesetzte. Es gibt keine Hierarchie. Aber in allen kritischen Situationen gab es sofort genügend Helfer oder Teilnehmer, die gemeinsam eine Lösung gefunden und sich dafür eingesetzt haben. Nie gab es schlechte Worte über jemanden. Ich glaube, auch diese gemeinsam aufgebaute und gehaltene Energie macht die ElbSpitze für alle zu einem so großartigen Erlebnis.
Infantiler Narrsinn (Paul)
Es ist eine Bürde, die an der eigenen Lebensphilosophie zerrt, diese auf den Kopf stellt und ins Wanken bringt. Eine wankelmütige Idee.
Eingeklemmt wie ein Pfefferkorn im Mahlwerk der Mühle, gebrochen mit jedem Mahlschritt, zerborsten mit jedem weiteren. Das Leben gewürzt mit einer Bitterlichkeit, die ins Angenehme führt.
Wenigstens ein Hauch von Dilettantismus und infantiler Naivität führen zum Start. Für diese Traglast ist kein Körper ausgelegt; die Gefahr des Einsturzes schwebt bereits weit vor dem Beginn wie ein Damoklesschwert an einem Rosshaar befestigt über dem Thron des Rades.
Die ElbSpitze: 30 Stunden vorspulen, um am Ende die Zieleinfahrt zu sehen. Dabei kommt und fällt die Tiefe genau in diese Zeit, die man sich vorzuspulen wünscht. 101.853 Pedalumdrehungen, aber nur die letzten 1.000 finden Beachtung. Jede einzelne Pedalumdrehung erzählt eine eigene Geschichte, hat eine eigene Biografie und ist so vielfältig. Doch jede weitere Umdrehung macht die vorherige Geschichte zunichte. Mit etwas Glück behält man sich einige davon im Gedächtnis. Aber diese für das ganze Leben.
Die ElbSpitze: Kafkaesker, surrealer, romantischer Dadaismus.
Ankerpunkt (Sirko)
Steffen stieg mit in die Programmierung des BTP ein. Die Haupthürde unseres Jahresauftakts war das verkehrsgerechte Routen zwischen zwei Ankerpunkten unter Beachtung von Verkehrsregeln. Ich war aufgeregt wie ein kleines Kind, als wir die Schlüsselstelle, die die erste Code-Version zum Scheitern verdammte, mit der Elbspitze in Echt unter die Räder nahmen. Oh ja, das war es wert, den ganzen Graphen um mehrere Schichten aufzublähen, nur um den kürzesten, legalen Weg rund um Blovice zu finden. Das Feld streckte sich in Einerreihe lang auf der E49. Noch einmal das Gefühl, unser Realleben, unser Fleisch und Blut in die Hände eines Algorithmus zu legen, den man selbst erschaffen hat – völlige Kontrolle. Steffen genoss das Gefühl ebenso, Informationen strukturiert zu verarbeiten, Neues zu schaffen, Produktivität zu steigern. Uns unterscheidet ein wichtiger Punkt in diesen Zeiten des schöpferischen Arbeitens: Der eine scheidet bald aus, in die wohlverdiente Rente, der andere muss sehen, was die kommenden Jahre bringen. Nur eines kann ich im wirtschaftlichen Umfeld dieses Jahr klar sehen: eine große Verunsicherung, was geistige Arbeit noch wert ist. Als Designhilfe für unser Trikotmotiv hatte Gemini klar die Nase vorn gegenüber ChatGPT; das Gleiche kann ich über Python-Programmierung und CAD-Konstruktion berichten. Immerhin ein Konzern, mit dem ich in den letzten 15 Jahren „das Gute“ verbunden habe. Die Essenz des aktuellen Umbruchs (frei nach „Torten der Wahrheit“ der ZEIT), was uns KI wirklich abnimmt: kreative Prozesse, schöpferische Arbeit, geistige Genugtuung. Was sie dagegen (noch) nicht (ausreichend) kann: Auseinandersetzung mit menschlicher Schwäche, Geschirrspüler ausräumen, Wäsche zusammenlegen, Kinder erziehen. Jedoch, sind andere Bereiche nicht längst durch diesen Prozess gegangen? Warum lerne ich Klavierspielen? Längst sind Musiker doch abgelöst durch Musikspielautomaten, unlängst komponiert es sich AI-gestützt doch viel leichter. Wird Hans Zimmer der letzte große Musikschaffende sein? Vielleicht, aber dennoch werden Millionen von Menschen sich das Erlernen eines Instruments aufbürden, um dem ganz eigenen Selbst, seiner Begabung oder Passion ein Wirken zu entringen, was einem ein gewisses Alleinstellungsmerkmal, eine Rolle im Umfeld, in dieser Welt gibt, es ermöglicht, ein Individuum zu sein und nicht nur ein Konsument oder Anwender.
Oh großer Radsportgott, wir sind verdammt zur Tat, denn nur die Tat wird uns nicht genommen werden. Wir sind verdammt zum Training. Oh mein Ankerpunkt Elbspitze, wie liegst du nur da, so makellos und rein, stets erfrischend, überraschend, anfordernd, trägst du mich von Jahr zu Jahr durch meine Lebensmitte – zumindest ein paar wenige Wochen des Trainings im Frühjahr.
In den vergangenen Jahren habe ich mir das Stereotyp „5 Wochen spezifisches Training reichen“ eingehandelt. Belege für die Richtigkeit dieser Aussage waren für mich Podiumsplatzierungen und Wertungstrikot-Gewinne bei der Elbspitze. In zunehmendem Maße interessierte mich nun, was geschähe, wenn man doch mal wieder einen richtigen Rennradfrühling durchführt. Zahlt sich das aus, zumal im gehobenen Sportleralter von 38 Jahren?
Kann man überhaupt die Zeit zurückdrehen? Man wird die KI nicht mehr abschaffen können. Genauso wenig kann ich einfach das Familienleben mit zwei kleinen Kindern wegzaubern. Familienleben bedeutet für das Sportleben: (1) Mangel an Zeit und (2) Mangel an Gesundheit. (1) wird gemildert durch meine 32-Stunden-Teilzeit einerseits und andererseits durch das unermüdliche Engagement meiner Eltern und Schwiegereltern. Beide Parteien betreuen die Kinder jeweils einen Nachmittag in der Woche – eine totale Luxussituation für mich. Ich denke, das ist ein Hauptaspekt in der Diskussion um den Niedergang der Geburtenrate, weil es eben einfach nicht wirklich erfüllend ist, zu zweit berufstätig zwei Kinder oder mehr zu verwalten. (2) Die Situation gewinnt in hohem Maße an Schärfe, wenn man die „Grundimmunisierung“ am Kleinkind durchführt, weil das eben wirklich alles in den Mund steckt und sein Gegenüber anschreit, anhustet oder anderweitig mit keimigen Körperflüssigkeiten bedenkt. Es ist nicht meine subjektive Wahrnehmung; ich habe aktuell drei Kollegen, welche die identische Situation durchmachen und auch näher an ihre Grenzen kommen, als ihnen das lieb ist. Ja, man generiert mit dieser Kinderbetreuungskultur durchaus Arbeitszeit, unser Kanzler dürfte sich freuen; aber an wertvoller Lebenszeit kommt verhältnismäßig wenig rum. Nicht einmal dann, wenn man so tolle Großeltern hat wie meine Kinder. Bei uns sah es bspw. so aus, dass Anfang März die erste Woche seit drei Monaten war, in der nicht irgendwer mit Fieber im Bett lag. In folgenden Zeiträumen war ich frei von Atemwegsinfekten: zwei Wochen im Januar, anderthalb Wochen im Februar, fünf Wochen von Mitte April bis zur Heimat-Light. Sonst immer Husten, Schleim im Rachen, Schnupfen. Man kann damit trainieren, keine Frage, aber für jede VO2max-Einheit, die man zu früh setzt, macht man gesundheitlich einen Schritt zurück. Das Training erfolgt also reaktiv auf den Gesundheitszustand und folgt nicht proaktiv einem Plan. Immerhin gibt es eine Art Zwei-Wochen-Muster: Tag 0: Kind geht wieder in die Kita; Tag 2: man fühlt sich angeschlagen, Tag der Entscheidung, Belastung rausnehmen lohnt sich; Tag 5: Husten/Schnupfen beginnt, lange Einheiten wieder möglich; Tag 7: Atemwege werden wieder besser, Schwellentraining möglich; Tag 10: ich fühle mich gut, VO2max möglich oder lieber erholen für die harte WE-Einheit; Tag 11: Kind hat Fieber; Tag 13: lange harte Einheit, ich komme heim, Kind hustet und ist komplett verrotzt. Tag 14 = Tag 0 ... und immer so weiter, bis plötzlich Start zur Elbspitze ist.
Das 15 % höhere Pensum, was ich dank fokussiertem Radtraining dieses Jahr erreicht habe, ist dadurch teils verpufft in einem Körper, der eben andere Baustellen hat, als sich an körperliche Belastungen zu adaptieren. Das war letztes Jahr anders: Ein Kind im ersten Lebensjahr mit Nestschutz und ohne Keimeintrag aus der Kita führte zu meiner sportlich erfolgreichsten Saison meines Lebens (Doppelstock-PR, Jiz50-PR, zweimal ES-Wertungstrikot, 2:39-Marathon, sub3-km), auch weil ein Kind eben doch viel Positives/Beflügelndes mit sich bringt (während das größere Kind im vierten Lebensjahr doch recht gesund ist). In den Dokumentationen zu Tom Evans’ UTMB-Sieg wurde dieser wesentliche Aspekt auch mehrfach hervorgehoben. Btw: es regeneriert sich einfach nur sehr gut in Elternzeit, zumindest wenn man nicht nebenher ein Haus errichten muss.
Eigentlich wollte ich an dieser Stelle noch ein weiteres Jammerlied, und zwar auf das heutige Material, einstimmen, aber ich halte es kurz: (1) Zitat Jörg Wimmer: „Wer billig kauft, kauft zweimal“ zu den brechenden Gabelschäften des Giant Propel – gleiches Problem wie am Propel meines Arbeitskollegen. (2) Nie wieder innenliegende Nippel, aktuell mit konischen Unterlegscheiben, vielleicht sind die Speichen diesmal ermüdungsresistenter. (3) Sich lockernde Expander (kommt davon, wenn man nur zwei Gewindegänge konstruiert) reduzieren die Klemmkraft der Vorbauten auf Carbonschäften und führen zu plötzlichem, großem Lagerspiel (... warum hat sich nicht Canyons Konstruktion ohne Expander mit 1 ½″ Schaft und Lagerspieleinstellung mit Keilscheiben durchgesetzt?). (4) Denkt man eigentlich bei allen Aerorädern im Sprint, dass man einen doppelten Schleichplatten hat, oder liegt das wirklich nur an der miserablen Steifigkeit meines Felt? (5) Wie kann man überhaupt auf die Idee kommen, große Metallteile (Tretlagerhülsen) mit Kunststoff zu verkleben, wenn man weiß, dass die Klebung Temperaturen von -20 °C bis +50 °C aushalten muss?
Was man aber natürlich auch sagen muss: Rennradfahren macht einfach Spaß. Auch die regelmäßige Teilnahme an den Vtouren, die ich in den vergangenen Jahren schleifen ließ, ist ein Gewinn in allen Belangen. Endlich kannte ich fast das ganze Feld wieder beim Namen! Es wurde ja wirklich was geboten. Saisoneinstand bei der V1 mit einem 35er Schnitt. Die Heimat-Light für mich persönlich in guter Form, an vorderster Front aber eben die besten Radfahrer Dresdens – das ist schon gewaltig. Schade, dass ich die V5 nicht mitfahren konnte, aber zu Hause war der Krankenstand leider hoch. Diesen Pensumsausfall haben wir mit Bergfex bei langen Hitzetouren kompensiert, überhaupt lag die Hitzeperiode perfekt in Vorbereitung auf die Elbspitze. Vielleicht war das Team 2026 eben gerade deshalb so stark, weil sich in den zehn Hitzetagen keiner wirklich den Blutplasmagewinnen entziehen konnte, welche uns die lebensnotwendige Hautdurchblutung eingehandelt hatte.
Folglich war es seit Langem mal wieder eine Plaisirfahrt in Reinstform, vielleicht aufgrund der anspruchsvolleren Topographie nicht ganz so moderat wie zum Mangart, aber dennoch herausragend schön. Wir konnten ganz, ganz lange Wellen in der Gruppe mit bis zu 270 W fahren – das suchte in der Elbspitz-Historie seinesgleichen. Dazu gesellte sich unaufgefordert ein ordentlicher Seitenrückenwind, der oft zum Problem geworden wäre, aber eben diesmal einfach nur dazu führte, dass wir mit einem 33er Schnitt in die Alpen einritten und massenhaft Zeit hatten, um rumzustehen, Pausen zu verlängern etc. Wer andere Editionen erlebt hat, allen voran 2017, der weiß den Unterschied zwischen „dem Zeitplan hinterherhetzen“ und eben einer entspannten Gruppenausfahrt zu schätzen. Das alles geht eben nur, wenn die Gruppe harmoniert und ein homogen hohes Leistungslevel hat. (Bezeichnend sei die Abfahrt nach Kufstein genannt: In den Abfahrtskünsten doch recht heterogen aufgestellt, streckte sich das Feld auf weit mehr als 1 km Länge und fand ohne Zutun zügig wieder zusammen, weil ihr stark wart, aber weil ihr auch aufeinander aufgepasst habt.) Klar, auf Windkante in Richtung Klatovy konnten wir natürlich alle mal kurz spüren, wie sich andere Windbedingungen anfühlen, aber die V1 war beim Wendepunkt diesbezüglich schlimmer.
Bei der Elbspitze 2026 gab es keinen Tropfen Niederschlag, damit entfiel natürlich ein ganzes Kapitel der Dramatik, welche die Elbspitze eigentlich ausmacht. Auch Hitze und Kälte waren diesmal komplett abstinent.
Man neigt vielleicht dazu, den Erlebniswert an der Tiefe des Leids festzumachen, aber offenbar taugt dieses Prinzip dieses Jahr nicht. Dafür gab es anderweitig einprägsame Momente. Für mich hoch im Kurs: die Auszeichnung des Šumava-Königs durch unseren treuen Fan Václav! Und danke, Felix, dass ich mich an der Siegertorte sattessen durfte – das war im Hinblick auf das nahende Zeitfahren auf jeden Fall die sinnvollere Verpflegung, als sich in der dritten Pause den Bauch vollzuschaufeln. Auch in diesem Abschnitt: Blick auf die Alpen von Hainstetten, gute 140 km Fernsicht am frühen Nachmittag, traumhaft. Ganz hoch im Kurs auch: die unfallfreie Fahrt vom Brenner nach Klausen. Was war ich aufgeregt! Natürlich lief die Gruppe zum Brenner hoch mal wieder gar nicht, und alles schien angerichtet für ein potenzielles Scheitern der Veranstaltung. Wer die Alarmierung der Orga nicht versteht, sei auf die Berichte von 2021 verwiesen: Zwei unabhängige Unfälle im Bereich von Brixen führten damals zum Abbruch der „Elbspitze Manghen“. Diese Straßen, diese Uhrzeit mit ihrem Verkehr, die Müdigkeit und gleichzeitig Unruhe ob des nahenden Finales – all das macht die Situation objektiv gefährlich. Entsprechend kam die Ansage von Robert und Vincenz an mich, für die Sicherheit der Gruppe auf diesem Abschnitt zu sorgen – als Chefsache gewissermaßen.
Das Finale an sich war dieses Jahr natürlich auch sehenswert. Mir war klar, dass ich André ziehen lassen würde, das kristallisierte sich auf der gemeinsamen Vorbereitungstour heraus; vom Eindruck des Zeitfahrens (1:20 min Rückstand für mich) war es auch klar. Aber als ich quasi nur aus dem Augenwinkel beim Flaschenfüllen den entfesselten Henning wahrnahm, der knapp hinter mir das Sellajoch erreichte – also schon 10 min meines Zeitfahrbonus egalisiert hatte –, war mir recht schnell klar, dass Andrés Plan zu Gelb sicherlich auch eine Rechnung ohne den Wirt war, ähnlich wie 2011 mit Sten. Mit Marcel konnte ein weiterer Fahrer den Sinn des Zeitfahrbonus untergraben. Wahrscheinlich werden wir den Bonus auf 15 min ausweiten müssen.
Was nehme ich mit aus meinem 17. Finish? Ich habe schon wieder Bock! Es lohnt sich immer, sich in Situationen reinzuwerfen. Je aktiver man die Fahrt mitgestaltet, umso höher ist der Spaßfaktor. Ohne die ortsansässigen Vereine und unser erfahrenes Begleitteam gibt es keine Elbspitze mit ihrem besonderen Charakter, nämlich eine Gruppenfahrt, bei der alle eingeladen sind, sich in sportlichen Auseinandersetzungen zu messen, ohne sich Gedanken um die grundlegenden Dinge machen zu müssen – betreutes Radfahren par excellence.
Es gibt nichts Schöneres als das Realleben, den Schmerz und das Leid und das Zusammenwirken mit gleichgesinnten Menschen. Dieser Text ist ohne KI geschrieben!
Mission rotes Trikot (Axel)
Meine Elbspitze im Jahr 2026 stand genau unter diesem Motto. Im letzten Jahr war ich als „Neuling“ in den wunderschönen Kosmos der Elbspitze eingetreten. Das familiäre und freundliche Miteinander haben mich 2025 begeistert. Nachdem die Schmerzen der letzten Elbspitze vergangen waren, wurde im Urlaub am Gardasee, der direkt im Anschluss an die ES 2025 stattfand, ein Familienrat einberufen. Meine Familie gab mir die Erlaubnis, auch im Jahr 2026 an der Elbspitze teilzunehmen. Alle wussten in etwa, was auf uns zukommen würde. Viele Stunden auf dem Rad, viele Stunden im Fitnessstudio und noch ein paar Stunden im Wasser, sodass ich nebenbei auch meiner eigentlichen Leidenschaft, dem Wasserball, frönen kann.Schon 2025 war mir klar, dass das blaue und das gelbe Trikot für mich nicht infrage kommen würden. Beim Zeitfahren hatte ich mir nämlich im Jahr 2025 einmal komplett den Stecker gezogen. Das sollte 2026 auf keinen Fall mehr geschehen. Es blieben noch der Gesamtsieg und das rote Trikot, denn für die Elbspitze braucht man ja Ziele.
Aufgrund meiner Erfahrungen mit Mannschaftssport fand ich es erstrebenswerter, auf das rote Trikot zu gehen und den Bergziegen die Möglichkeit zu geben, auf der letzten Etappe alles rauszuhauen, um den Gesamtsieg der Elbspitze kämpfen zu können. Meine Stärken im Rennradbereich decken sich halbwegs mit den Anforderungen an einen Fahrer, der im Wind fährt, um dem Feld die Möglichkeit zu geben, Kraft zu sparen. Ein Gewicht von je nach Trainingszustand um die 85 kg führt nun einmal dazu, dass ich eher dem Typ Diesellokomotive bzw. „Nils Politt“ entspreche als dem einer Bergziege bzw. „Jonas Vingegaard“ o. Ä.
Also setzte ich mich mit der Idee auseinander, bei meiner zweiten Teilnahme an der Elbspitze das Trikot des „aktivsten Fahrers/mannschaftsdienlichsten Fahrers“ gewinnen zu wollen. Ich fand Gefallen daran, es zu versuchen und meine Stärke dazu zu nutzen, dem Team zu helfen. Warum denn nicht?
Vorbereitung: Das bedeutete aber auch, dass das Training so früh wie möglich in Angriff genommen werden musste. Um ehrlich zu sein, begannen die Vorbereitungen für dieses Vorhaben im Oktober/November 2025 mit unzähligen Besuchen im Fitnessstudio und einigen Trainingseinheiten auf dem Ergometer. Die Form aus dem Jahr 2025 musste konserviert werden. Das Ganze wurde bis Februar/März durchgezogen. Dann kamen die Einheiten auf der Straße. Dem frühen Frühling sei Dank war das auch relativ früh möglich.
Elbsitze: Genug km wurden in der Vorbereitung absolviert. Somit konnte ich halbwegs entspannt in die letzte Woche vor der ES gehen. Am Freitag früh klingelte der Wecker um 02:45, sodass ich gemütlich um 03:45 Richtung Frauenkirche aufbrechen konnte. Dieses Jahr war die ganze Familie vor Ort, was mir noch einmal einen extra Motivationsschub gegeben hat. Natürlich wurde die Aufregung vor dem Start immer größer. Aber nun war es unumgänglich. Pünktlich um 5:00 war Start in Dresden.
1. Etappe: Dass ich einmal taktisch Fahrrad fahren würde, war mir vollkommen neu. Aber ich wusste, dass auf der ersten Etappe keine Punkte für das rote Trikot vergeben werden. Deshalb befand ich mich hier im hinteren Feld. Erst einmal gemütlich sehen, wie sich das alles entwickelt. In dieser Etappe hatte ich jedoch plötzlich leichte Zweifel, ob mein Vorhaben realisierbar sein würde. Was machen die Beine in den nächsten Stunden? Wie würde es mir gehen? Würden die ganz dunklen Momente kommen? Wie es halt immer so ist. Du sitzt im Sattel und hast genügend Zeit, um dich mit den Engeln und Teufeln auf deinen Schultern zu unterhalten. Was hilft, sind Gespräche mit den anderen im Feld. Ich habe gefühlt jeden zugequatscht. Hauptsache, ich kann mich ablenken.
2. Etappe: Nach der Pause stellte ich mich gleich vorne an, um meiner Idee Nachdruck zu verleihen. Die ersten Kilometer spulten wir vorne relativ leicht ab. Aufgrund des welligen Profils mussten im hinteren Teil des Feldes immer wieder Lücken geschlossen werden. Das haben wir vorne gar nicht so richtig mitbekommen. Teilweise hatte ich sogar Zeit, mir die wunderschönen Landschaften der Etappe anzusehen. Malerisch. Das trifft es, glaube ich, ganz gut. Ich habe über die ganzen Etappen hinweg immer streng auf meine Ernährung geachtet, denn wenn man einmal vergisst, sich einen Riegel zu gönnen, dann holt einen das früher oder später wieder ein. Und das wollte ich unbedingt vermeiden. Die nächste Pause hatten wir an einer Tankstelle. Wieder mussten mindestens zwei Liter Flüssigkeit und reichlich Essen in kürzester Zeit in mich rein. Vor dem Start zur dritten Etappe gab Robert P. die Ansage, dass wir mehr auf die Gruppendienlichkeit der Ausfahrt achten sollten.
3. Etappe: Nach der Pause war ich wieder ganz vorne. Ich habe versucht, sanfter in die Hügel zu fahren. Das scheint geklappt zu haben. Die Hektik im Feld nahm etwas ab, sodass alle einmal durchschnaufen konnten. Mit zunehmender Etappenlänge änderte sich das Profil und wurde etwas weniger wellig. Nach der Doppelbergwertung fuhren wir bis nach Künzing weiter. Es lief weiterhin sehr gut für mich. Die Beine und der Kopf machten, was sie sollten. Stoisch wurde getreten. Pedalumdrehung für Pedalumdrehung ging es stetig vorwärts in Richtung Künzing.
4. Etappe: In der Pause kam etwas Hektik auf, da wir alle auf den Nachtmodus umstellen mussten. Also Licht ans Rad und los ging's. Ich hatte mir ein Setup für die Nacht erstellt, bei dem meine primäre Frontleuchte um eine Helmleuchte ergänzt wurde. Die Funzel oben auf dem Helm hat wirklich dabei geholfen, in den Abfahrten von den Bergen sowie in den dunklen bayerischen Wäldern die Strecke gut auszuleuchten. Zwischendurch haben sich fünf Fahrer daran versucht, das Zeitfahren für sich zu entscheiden. 60 Minuten Kette rechts! Ich hatte mir geschworen, das in diesem Jahr nicht zu machen. Und für mich muss ich sagen: Es war besser so. Kontinuierlich treten, immer schön essen und weiter geht's. Wie im Flug war es 21 Uhr, die Sonne ging unter und wir erreichten weit vor unserem eigentlichen Zeitplan den vierten Pausenort – wir waren vom Wind- und Wettergott sehr verwöhnt.
5. Etappe: Aufgrund unseres Vorsprungs und der Tatsache, dass wir am fünften Pausenort erst um 3:30 Uhr ankommen durften, wurde die Pause in Obing verlängert. Also erst zwei Portionen Nudeln und dann ab unter die warme Dusche. Was für eine Wohltat! Mit frischen Klamotten, Armlingen, Beinlingen, Zehenwärmern und Sommerhandschuhen ging es in die Nachtetappe nach Schwaz. Ich hatte in der Pause im Zustand geistiger Umnachtung meine Aktivität auf dem Radcomputer gespeichert und musste mir innerhalb von drei Minuten eine Lösung einfallen lassen. Na ja, erst einmal losfahren und nicht vergessen, auf Start zu drücken. Hat geklappt. Dadurch war ich allerdings am Ende des Feldes. Somit konnte ich erst ab der nächsten Bergwertung wieder nach vorne fahren. Aber egal. Die Pause nach der Bergwertung war etwas lustig, da wir direkt vor einer Dorfdisko angehalten hatten und erst einmal alle aus der Disko kamen, um zu sehen, ob wir ihre Autos in Ruhe lassen würden. Bis nach Schwaz in Österreich rollte es gemütlich vor sich hin. Aber innerlich kam dann doch die Frage auf: Ob es so reichen würde, um wirklich zu finishen.
6. Etappe In der Pause gab es wieder leckeres Rührei und Schnitzel. Da können auch gerne mal zwei Portionen verspeist werden. Hier habe ich zum ersten Mal auf die Wertungstafel für das rote Trikot geschaut und festgestellt, dass es doch recht gut aussieht. Ich hatte mich durch die Verpflegung für die nächste Etappe gestärkt. Es folgte die aus meiner Sicht zäheste Etappe. Es gab zwei Bergwertungen und als wir oben am Patsch waren, dachte ich, dass es halbwegs gemütlich bergab geht. Aber ich habe nicht schlecht geguckt, als es nur kurz bergabging, um dann wieder sehr wellig zu werden. Es zog sich doch gewaltig. Teufel und Engel lieferten sich auf meinen Schultern wieder Wettkämpfe. Es blieb zäh. Umso glücklicher war ich, als wir im letzten Pausenort auf den zunehmend nervigen Südtiroler Straßen ankamen.
7. Etappe: Das Finale. Alles bis hierhin war, wie sich spätestens am Sella Joch herausstellte, eine leckere Vorspeise in mehreren Gängen. Jetzt kam der Hammer: 90 km, 3.600 HM. Das ist an und für sich schon ein Brett. Nur sind wir eben schon knappe 700 km mit dem Rad bis hierhin angereist. Um die Verrücktheit hinter diesen Elbspitzen zu verstehen, muss man sich diesen Umstand vor Augen führen. Am Sella Joch ging es für mich in den ersten Kilometern nur ums Überleben. Die Sonne brannte, die Straßen waren voll und niemand nahm auch nur im Ansatz Rücksicht auf die Radfahrer. Und das alles im Zustand körperlicher Erschöpfung. Irre. Oben auf dem Gipfel habe ich mir wieder 1,5 Liter Cola reingeschüttet und die Flaschen noch mal aufgefüllt. Der Fedaja war ein Berg, der mir viel besser lag. „Entspannte“ 6 %, da kann ich mein Tempo finden. Zwischendurch habe ich noch eine Sprachnachricht an meine Frau verfasst, deren Inhalt besser unter uns bleibt. Der Inhalt der Nachricht war ganz bestimmt nicht Jugendfrei, weil mir in diesem Moment mal wieder klar wurde, wie bekloppt das laaes doch eigentlich ist. Oben habe ich kurz den Blick genossen und bin dann weiter in Richtung des finalen Anstiegs gefahren. Passo di Giau. Mit diesem Biest hatte ich mich vorher nicht auseinandergesetzt. Ob das gut war, weiß ich nicht. Aber diese Rampen da drin! Irre. Krank. Zwischendurch habe ich überlegt, das Rad in die Ecke zu stellen. Aber das rote Trikot war mir sicher, deshalb musste ich da hoch. Komme was wolle. Also habe ich noch einmal alles mobilisiert, was in mir schlummerte, und je näher die letzten Kehren kamen, desto größer wurde die Freude, mein Ziel umgesetzt zu haben.
8. Etappe Wir rollen zu dritt Richtung Hotel. Henning (Gesamtsieger), René (Bergmaster) und ich (rotes Trikot). Alle mehr als glücklich über das erreichte. Das waren 17 km reiner Genuss. Hat sich alles gelohnt? Hat es Spaß gemacht? Ja, alles in allem war das ein mega cooler Ritt, der trotz – oder gerade wegen – der letzten Etappe irre viel Spaß gemacht hat. Es scheint, als könnte eine gewisse Suchtgefahr bestehen und eine Fortsetzung ist nicht ausgeschlossen. Aber das entscheidet die Familie gemeinsam.










