Fahren in der Gruppe
"Radsport ist Teamsport. So wollen wir auch fahren." steht im Reglement der ElbSpitze.
Was heißt das im Detail? Welche Fähigkeiten sollte man auf dem Rad dafür idealerweise mitbringen und in der Gruppe pflegen?
Sicherheit in der Gruppe
Feldführende Fahrer an der Spitze:
- Bremsen nur mäßig bis stark, wenn:
- eine akute Gefahrensituation für das ganze Feld vorliegt und
- es gleichzeitig akustisch LAUT angekündigt wird.
- Verzögern nur langsam bei unwichtigen Situationen wie Pannen, spontanen Pinkelpausen, wenn jemand etwas verloren hat…, d.h. 150 m Bremsweg bei 30 km/h und 40 Fahrern im Feld.
- Dienen der Gruppe bei der Beurteilung der Verkehrslage:
- erkennen Vorfahrtssituation frühzeitig und geben Handzeichen,
- reduzieren das Tempo langfristig vor unübersichtlichen Situationen wie Einengungen, uneindeutiger Beschilderung…
- reduzieren das Tempo langfristig, wenn Verkehrszeichen das nahelegen wie bei Kurven, Tempolimits, Straßenschäden, starkem Gefälle…
- Sagen „Einerreihe“ an, wenn es notwendig ist.
- Dienen der Gruppe bei der Beurteilung des Straßenzustandes:
- passen das Tempo entsprechend an,
- zeigen Schlaglöcher und andere Gefahren langfristig an.
- Achten vorrangig auf die Straße und zweitrangig auf ihren Fahrradcomputer.
- Lassen sich LINKS der Gruppe in dritter Reihe zurückfallen (egal, ob sie links oder rechts feldführend fuhren), wenn sie keine Führungsarbeit mehr verrichten wollen.
Fahrer im Feld:
- Geben alle Handzeichen weiter!
- Halten ausreichend Abstand (mind. 50 cm @ 30 km/h, mind. 5 m in Abfahrten, d.h. wenn man nicht auf den Windschatten angewiesen ist).
- Fahren alle nur in Zweierreihe.
- Leichter Versatz ist zulässig aber dabei nicht neben dem Fahrer vor einem fahren.
- Achten auf eine konstante Fahrlinie und bremsen nicht ruckartig.
- Überholen nicht in dritter Reihe beim Abfahren der Gruppe.
- Lassen das Smartphone in der Tasche, sobald die Geschwindigkeit >15 km/h ist.
- Tragen die volle Verantwortung für ihr Material:
- keine plötzlichen Kettenabwürfe mangels Einstellung,
- keine rausfallenden Trinkflaschen mangels geeigneter Trinkflaschenhalter (Siehe auch Technische Hinweise),
- keine abfallenden Anbauteile,
- keine Sachen, die ihnen aus der Tasche oder beim Essen herunterfallen,
- keine entladene Beleuchtung.
- Ziehen sich NICHT während der Fahrt mitten im Feld Kleidung an oder aus.
- Fahren am Ende des Feldes, wenn ihnen die oben genannten Punkte momentan oder generell schwerfallen.
Gruppendienliches Fahren
Feldführende Fahrer an der Spitze:
- Beschleunigen mit Rücksicht auf die Länge des Feldes
- bspw. Anfahren nach Ampel: 20 s
- bspw. nach engem Kreisverkehr: 10 s
- Fahren mit gleichbleibender Geschwindigkeit in Steigungen rein und reduzieren erst auf 3,7 W/kg, wenn alle Fahrer im Anstieg sind.
- Erhöhen nach der Kuppe die Geschwindigkeit erst, wenn alle Fahrer in der Abfahrt sind.
- Fahren Bergab-Passagen bis ~ 3% Gefälle so hart, dass im Feld nicht gebremst werden muss.
- Geben reichlich Handzeichen.
- Reduzieren das Tempo bei mäßig bis kräftigem Seitenwind so weit, dass die starke Hälfte des Feldes eine Chance hat, im Seitenwind dauerhaft zu bestehen.
- Fahren bei Rückenwind zurückhaltend und nicht viel schneller als sonst.
- Fahren bei Gegenwind sehr hart und nicht viel langsamer als sonst.
Fahrer im Feld:
- Lassen keine Lücken aufgehen und schließen entstandene Lücken allmählig.
- Lassen üppig Abstand, wenn sie nicht auf den Windschatten angewiesen sind und nutzen diesen Abstand, um das Tempo für die nachfolgenden Fahrer harmonisch zu gestalten.
- Übernehmen die Führungsarbeit kurz oder reduzieren die Geschwindigkeit auf ein für Sie komfortables Maß (und übernehmen die Führungsarbeit dauerhaft), aber sie hören NICHT auf zu treten und schauen sich gegenseitig an.
- Fahren bei mäßigem bis starkem Seitenwind auf der Wind zugewandten Seite, wenn sie sich zu den starken Fahrern zählen.
- Kommunizieren Unmut direkt, fahren ggf. zur Feldspitze, wenn sie dazu in der Lage sind und sprechen Fehlverhalten anderer Fahrer wertfrei an.
- Fahren am Ende des Feldes, wenn ihnen die oben genannten Punkte momentan oder generell schwerfallen.
Die langen V-Touren und die ElbSpitze profitieren auf besondere Weise vom harmonischen Fahren in der Gruppe. Dabei arbeiten alle füreinander, um mit möglichst geringem Kraftaufwand eine hohe Durchschnittsgeschwindigkeit zu erreichen und keine Unfälle zu riskieren.
So ist die Gruppe insgesamt schneller, wenn sie weitgehend zusammenbleibt, als wenn schwächere Fahrer öfter hinten rausfallen, allein dann deutlich langsamer sind und die Gruppe laufend warten muss.
An der Spitze braucht es viel Erfahrung für das Fahren in der Gruppe. Es reicht nicht, einfach nur "bärenstark" zu sein und es geht beim Roten Trikot der ElbSpitze nicht darum, am allermeisten vorn zu fahren. Es geht um ein gruppendienliches Fahren und Führungsarbeit. Erst dann entsteht ein Miteinander, bei dem die Schwächeren von den Stärkeren profitieren.
Ihr solltet bei jeder Gelegenheit und wenn ihr hinter Fahrern unterwegs seid, zu denen ihr Vertrauen habt, das Fahren in der Gruppe üben. Versucht immer mit konstantem Abstand hinter dem Vordermann zu fahren. Jedes Mal, wenn ihr das Bedürfnis habt, in einer Kurve o. ä. den Abstand zu vergrößern, verursacht ihr damit ein Stück Ziehharmonika-Effekt.
Wenn ihr zusammen unterwegs seid, tauscht euch bitte aus! Es kann sicherlich jeder noch dazulernen und sieht gleichzeitig bei anderen Potential für ein besseres Fahren in der Gruppe.
So schafft ihr euch gemeinsam unvergessliche Stunden auf dem Rennrad.












